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Ein Monument zur Ehre Gottes

Es war ein grossartiges Konzert, das der Rheinberger Chor am Samstagabend mit Puccinis «Messa di Gloria» im ausverkauften Vaduzer Saal zu Gehör brachte. Das Publikum dankte mit donnerndem Applaus.
Konzert Rheinberger-Chor Puccini-Messe
Für Puccinis «Messa di Gloria» holte sich der Rheinberger Chor Verstärkung. (Bild: Nicolaj Georgiev)

Für dieses Konzert hatte sich der Rheinberger Chor Verstärkung geholt und zwar von Sängerinnen und Sängern des Kirchenchors Widnau und des Männerchors Mann-o-Mann aus Dornbirn. So standen an diesem Abend über 80 Chor-Mitwirkende auf der Bühne, vor ihnen ein Ad-hoc-Orchester aus Liechtenstein und der Region mit etwa 30 Musikerinnen und Musikern. 
Kraftvolle Stimmen bei den Solisten
Dirigent Paul Faderney hatte alle bestens im Griff, inklusive der zwei Solisten, den Tenor David Sitka und den Bassisten Michael Havlicek, beide von der Volksoper Wien. Im Zentrum des gemeinsamen Wirkens stand die 1880 uraufgeführte «Messa di Gloria» von Giacomo Puccini. 
Davor gab es das Chorwerk «Cantate Domino» von Alexander Gretchaninoff sowie zwei Rossini-Werke zu hören. Bassist Michael Havlikcek sang das «Quoniam» aus der Petite Messe Solenelle und Tenor David Sitka die Aria-Nr. 2 aus dem Stabat Mater. Der Chor zeigte gleich zu Beginn, welche Kraft in ihm steckte und sang das «Cantate Domino» mühelos. Michael Havlicek führte seine Stimme sicher und souverän durch das theatralisch anmutende «Quoniam». Er ist weniger ein Bass, als der er im Programm vorgestellt wird, sondern mit seinen starken Mittellagen eher ein Bariton, obwohl er über eine erstaunliche Tiefe verfügt. 
Als bei Rossinis Aria-Nr. 2 das Orchester frühlingsleicht einsetzte und einen Hauch Unbeschwertheit in den Saal brachte, begann Tenor David Sitka seine Arie zunächst mit einem metallischen Beiklang in der Stimme, der sich jedoch im Laufe des Abends verflüchtigte und einem gleichmässig warmen Ton Platz machte.
Der Meister der innigen Klänge
Nach diesen «Vorspielen» begann das eigentliche Hauptwerk des Abends, die «Messa di Gloria» von Giacomo Puccini. Der Komponist hatte es im Alter von 21 Jahren geschrieben, und bereits bei den ersten Streicher-
tönen wird der Komponist von «La Boheme» und «Madame Butterfly» deutlich. 
So süss und zart klingen die Streicher nur bei Puccini. Die «Messa di Gloria» war die erste umfangreiche Arbeit Puccinis. Er übernahm darin die musikalische Tradition seiner Familie und fügte zugleich moderne Ausdrucksmittel seiner Zeit ein. Unter der energischen und akkuraten Leitung des Dirigenten Paul Faderney tönte das Werk denn auch weniger wie eine festliche Kirchenmusik, sondern eher wie eine Fülle von Melodien und Klängen, die an Opern erinnerten und die Chorsängerinnen und Chorsänger auch bisweilen zum leichten Mitschwingen veranlassten. 
Harmonie zwischen Chor und Solisten
Das «Kyrie» begannen die Streicher innigst und zart, bis der Klang anschwoll und der Chor die Stimmung perfekt übernahm und weiterführte. Beim «Gloria» schien sich der Gesang des Rheinberger-Chors in der Wucht der Klänge aufzubäumen, die Töne wollten kein Ende nehmen, bis sie dann doch in einem hochdramatischen «Amen» zur Stille fanden. 
Im «Credo» bestach die Querflöte mit ihren klaren Einsätzen, das Orchester liess nahezu Walzerseligkeit aufkommen, bis beim Abschluss ein eher demütiges «Sanctus» und «Agnus Dei» zu hören war. Wunderbar die Präzision des Paukisten und die Harmonie zwischen den beiden Solisten und den Stimmen des Chors. 
Nach diesem grossartigen Puccini-Werk setzte der Chor mit seiner Zugabe noch ein Sähnehäubchen auf den Abend: Er machte seinem Namen alle Ehre und sang das «Abendlied» von Josef Gabriel Rheinberger. So sanft gesungen klang es dann auch wie ein Wiegenlied für das Publikum, das noch einmal mit viel Applaus dankte und in die kühle Nacht davoneilte. (agr)

 

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