• Lesung Doris Büchel, Vaduz
    «Die Fänin» Doris Büchel zog die Zuhörer schnell in ihren Bann.  (Tatjana Schnalzger)

Doris Büchels «Ötschis mit Sport»

Am frühen Dienstagabend war es laut wie an einem Stammtisch im Schlösslekeller Vaduz. Ausserordentlich viele Menschen kamen, um den Erzählungen der freischaffenden Kolumnistin Doris Büchel zu lauschen.
Vaduz. 

m 20 Uhr spielte Heinz Rohrer erstmals ein wenig Banjo-Musik und ein Hauch von Western-Romantik kam auf. «Die andere Lesung» mit Doris Büchel stand auf dem Programm und durch die vielen Menschen im Vaduzer Schlösslekeller wie auch durch die leider fehlende Klimaanlage wurde es rasch fast schon so warm wie im Wilden Westen. 

«Die Fänin» nahm Platz auf dem Stuhl hinter ihrem kleinen Pult und begann nach einem kurzen Intro, ihre Geschichten vorzutragen. Die Kolumnen, die in der Zeitung «Werdenberger und Obertoggenburger» jeweils am Donnerstag erscheinen, haben wahnsinnig Pep und eine interessante Kurzweiligkeit. Die Themen-
palette reicht von Soccer-Moms, dem Geschlechterkonflikt der Marathonläufer, dem memmenhaften Verhalten von Profifussballern über die Faszination am Joggen und der Jeder-kann-mitreden-Mentalität beim Sport. Doch hier wurden keine knallharten Sportfakten in Geschichten verpackt, sondern vielmehr tagebuchartiges aus dem Alltag einer Hausfrau erzählt, bei der Sport eben eine wichtige Rolle im Leben einnimmt.

Beim Sport gebe es immer zwei Seiten der Medaille. Das Gewinnen und das Verlieren. Büchel packt beide humoristisch in ihre Texte. Eine Niederlage ist dadurch nicht halb so wild, wenn man sie so in etwas Positives ummünzt und in solche journalistischen Anekdoten verpackt. Ja, es wird viel gelacht im Schlösslekeller, denn viele erkennen sich in den vorgetragenen Geschichten wieder. Einerseits im Nacheifern von Sportstars, obwohl man nie wirklich an deren Topleistungen herankommt. Anderseits bei der bewussten Idee, hin und wieder lieber den Sport von der Joggingtour auf das heimische TV- Gerät zu verschieben. Sport sei Sport, egal in welcher Form, so Büchel.
Die ganz grossen Momente kommen, wenn die Buchserin im breitesten Werdenberger Dialekt ihre Mundart-Geschichten vorliest. Wenn Büchel schreibt, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, klingt das unglaublich authentisch und nah an den Menschen. Sie nimmt einen mit in ihre Gedankenwelt, in der Worte mehr wert sind als Zahlen und die Freiheit einer wöchentlichen Kolumne einen sogar ein wenig durchdrehen lässt. Als besonderes Highlight ist die Kolumne «Easy» hervorzuheben. Da ihre Hauptinspirationsquelle der Sport ist, war es erfrischend, eine etwas andere Mundartgeschichte über einen Besuch von Freunden mit Kindern im Hause Büchel zu hören. Wundervoll, wie sie das Chaos, das die mitgebrachten Kiddies angerichtet haben, federleicht in ein Comedy-Stück packt.

Zwischen den zwei circa 45-minütigen Hälften brachte es ein Besucher recht gut auf den Punkt: Lesen sei eine Sache, doch wenn die freischaffende Journalistin ihr Werk selber vortrage, sei es doch einen Zacken spektakulärer und voller Emotionen. Doris Büchel ist nicht nur eine packende Texterin, sie hat zusätzlich, wie ihr Mann Marco «Büxi» Büchel, ein Talent für das Freisprechen und ein ebenfalls einnehmendes Charisma. Deshalb verwundert es wenig, dass ihr der Vaduzer Schlösslekeller regelrecht aus der Hand gefressen hat. Viele gingen sicher mit gut trainierten Bauchmuskeln nach Hause oder wie Büchel es sagen würde: «Sport ist Sport.» (ci)

11. Apr 2018 / 22:22
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