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Der Kampf um Freiheit und Begehren

Am Samstag feierte die weltberühmte Oper «Carmen» an den Werdenberger Schloss-Festspielen vor ausverkauftem Haus ihre Premiere. 
Oper Carmen der Werdenberger Schloss-Festspiele
Die Werdenberger Schloss-Festspiele überzeugen derzeit erneut mit einer Inszenierung von «Carmen». (Bild: Daniel Schwendener)

Nachdem Carmen – eine der beliebtesten und am meisten aufgeführten Opern weltweit – schon einmal 1999 im Rahmen der Werdenberger Schloss-Festspiele aufgeführt wurde, kehrt das Meisterwerk 21 Jahre später nach Buchs zurück. Auf der Bühne am Werdenberger See entführen die 12 Solisten, der Chor der Werdenberger Schloss-Festspiele unter der Leitung von Christian Büchel, der Kinder- und Jugendchor der Musikschule Werdenberg sowie das Sinfonieorchester Liechtenstein unter der musikalischen Leitung von William Maxfield ins spanische Sevilla, wo die eher archaische Welt von Zigeunern und Schmugglern einer von Chauvinismus geprägten Militärwelt gegenübersteht. Die Oper in vier Akten ist eine Achterbahn der Gefühle, in der Konflikte zwischen Liebe und Pflicht ausgetragen werden, die Loyalität unter Beweis gestellt werden muss und die Sehnsucht und Ablehnung einen ständigen Kampf führen. 

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«Physische Distanz und emotionale Nähe», der Leitsatz des Regisseurs Kuno Bont, den er über seine ganze inszenatorische Arbeit gesetzt hat, kommt stark zum Tragen. Wegen der Coronapandemie hatten die Werdenberger Schloss-Festspiele dieses Jahr besondere Herausforderungen zu meistern. Unter anderem waren Schutzkonzepte erforderlich, um die Sicherheit der Mitwirkenden und Gäste gewährleisten zu können. Auch die Chorproben fanden im März ein jähes Ende, die Frauen und Männer konnten sich erst Mitte Juni zu einer «normalen» Probe treffen. Plötzlich war also nicht mehr alles erlaubt und möglich. Kuno Bont musste neue dramaturgische Elemente erfinden, erarbeiten und auf ihre Wirkung hin erproben. Symbole, Gesten und der Intellekt rückten dadurch in den Fokus. Nach der Premiere am Samstag ist klar, dass dieses «Experiment», wie es der Regisseur nannte, gelungen ist. Die emotionale Nähe schwappte immer wieder von der Bühne auf die 500 Besucher über und erzeugte bei ihnen Gänsehautmomente.

Enorm kraftvoll und leidenschaftlich
Um Punkt 20 Uhr ertönen schwermütige, ja fast bedrohliche Klänge aus dem Orchestergraben. Auf der Bühne ist Don José (David Jogodic) zu sehen, der panisch von einem Ende zum anderen rennt – ein Vorbote dessen, dass das Stück ein tragisches Ende finden wird. Dann ein Szenenwechsel. Mit den Andalusierinnen, die bei der Arbeit in der Zigarrenfabrik zu sehen sind, erwacht die Seebühne zum Leben. Die Kulisse ist einzigartig, das Schloss Werdenberg und die Bergwelt im Hintergrund fügen sich hervorragend in das mediterrane Ambiente der Geschichte ein. Auch die warmen Farben, von Orange und Ocker dominiert, die sich im Bühnenbild und  den Kostümen wiederspiegeln, passen in diese Zeit und verdeutlichen das Nebeneinander der unterschiedlichen sozialen Schichten: Die der Zigeuner und der Soldaten. Die Oper nimmt fahrt auf und ihre 12 Solisten sowie 29 Frauen und 18 Männern des Chors brillieren nicht nur mit gesanglichem sondern auch schauspielerischem Talent. Ebenso überzeugt das Sinfonieorchester mit den Melodien und Arien, die eine überwältigende dramatische Wirkung erzeugen. Viele der Nummern wie «Habanera», das «Torero-Lied» oder «Seguedille» sind weltbekannt und selbstverständlich auch den Besuchern vertraut. Die Gäste wippen mit den Füssen zu den Zigeunerliedern oder summen die wunderbaren Melodien mit.

Den Freiheitsdrang mit dem Leben bezahlt
Die Werdenberger Schloss-Festspiele haben sich dazu entschieden, Carmen in der ursprünglichen Form der Opéra comique mit französischem Gesang und deutschen Zwischentexten aufzuführen. Carmen, gespielt von Kathrin Walder, begegnet zufällig dem Soldaten Don José, der sie ins Gefängnis bringen soll. Doch die Zigeunerin versteht es, Männer um den Finger zu wickeln. Sie setzt ihren ganzen Charme ein und bringt Don José dazu, sie entkommen zu lassen. Während sie ihr Leben weiterführt, wird er degradiert und eingesperrt. Einen Monat später folgt das grosse Wiedersehen in der Kneipe Lillas Pastias. Sie will ihn überzeugen, sich ihrer Schmugglerbande anzuschliessen. Er hadert und kämpft mit Zweifeln, bis ihm die Entscheidung schliesslich abgenommen wird. Allerdings muss der Soldat erkennen, dass er mit dem Abbruch aller Brücken ins bürgerliche Leben noch längst nicht den Preis für ein Zusammenleben mit Carmen bezahlt hat. Ihr Freiheitsdrang ist grösser als sein Besitzanspruch. Sie wendet sich von ihm ab und es kommt zum Zweikampf zwischen Don José und dem Torero Escamillo (Sarunas Sapalas). Dieser wird nicht mit körperlicher Nähe, sondern am eineinhalb Meter langen Tuch ausgetragen, das die Kämpfenden trennt. Auch hier: physische Distanz und emotionale Nähe. 
Carmen geht dazwischen, rettet Escamillo das Leben und die beiden werden ein Paar. Während der Torero in der Arena den nächsten Stier bezwingt und von der Masse gefeiert wird, kommt es zum grossen Showdown zwischen Don José und Carmen. Die Zigeunerin bezahlt diesen mit ihrem Leben. (jka)   


Aufführungen: Die Oper von Georges Bizet wird bis zum 22. August an insgesamt zehn Abenden aufgeführt. Die ersten beiden Vorstellungen waren ausverkauft, für die restlichen Termine findet sich der Link zum Vorverkauf auf «www.carmen20.ch».

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