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Wie eine Mafia-Zelle Gelder in Liechtenstein gewaschen hat

Die Millionen eines Mafia-Clans sollen laut Ermittlungsakten über ein Konto in Liechtenstein geflossen sein.

Für 76 Mitglieder des Mafia-Clans ‘Ndrangheta klickten im Juli die Handschellen. In einer grenzübergreifenden Grossrazia durchsuchten Polizisten nicht nur Häuser in Italien, sondern auch in Aargau, Solothurn, Zug und Tessin. Im Kanton Aargau wurde ein Mann festgenommen. Der vermeintliche Besitzer eines einfachen italienischen Restaurants, welches er jahrelang im 6000-Seelen-Dorf Muri betrieb, servierte nicht nur Pizza. Er und ein Bauunternehmer sollen zwei wichtige Verbindungsmänner für einen 'Ndrangheta-Boss gewesen sein. Die beiden Männer in Muri waren es auch, die einem verdeckten Ermittler persönlich erklärten, wie sie Millionen über Liechtenstein gewaschen haben. Das geht aus der Ermittlungsakte der zuständigen Staatsanwaltschaft in Kalabrien hervor. Für eine solche «Operation» wurde zuerst eine Firma gegründet, wie der «Tagesanzeiger» berichtet. Als Mitinhaber dieser Firma, die zum Beispiel im Rohstoffhandel tätig ist, wurde ein Konto bei einer Privatbank in Liechtenstein eröffnet. 

«Operation» Liechtenstein, um Gelder zu verschleiern
Die Anleitung zur Geldwäsche lieferten sie dem verdeckten Ermittler gleich mit. Das Geld wurde bei einer Bank im Land einbezahlt, um einen Teil davon am nächsten Tag wieder abzuheben. Mindestens die Hälfte blieb laut «Tagesanzeiger» für mindestens ein halbes Jahr auf dem Konto, um keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen. So behaupten es die aus Kalabrien stammenden Männer. Mit Autos habe man das Bargeld nach Italien gebracht. Solche Durchlauftransaktionen dienen dazu, Spuren von Transaktionen zu verwischen mit dem Ziel, die Herkunft der Gelder zu verschleiern. 

Waffen- und Drogenhandel im grossen Stil 
Ein Beispiel für eine solche Durchlaufzahlung in Liechtenstein beschreibt die Financial Intelligence Unit (FIU), die Hinweise zur organisierten Kriminalität sammelt, in ihrem Jahresbericht. Bei einer inländischen Bank wurde zum Beispiel ein Konto für eine ausländische Firma geführt. Innerhalb von drei Wochen wurden in vier Tranchen insgesamt zwei Millionen Euro auf das Konto überwiesen. Der Kunde gab vor, mit seinem Unternehmen mit Kupfererzeugnissen zu handeln. So ähnlich könnten auch die Mafiosi vorgegangen sein. Gegen die beiden Männer aus Muri und vier weitere mutmassliche Mafiosi mit italienischer Staatsbürgerschaft wurde in der Schweiz ein Strafverfahren eröffnet. Gemäss den Ermittlungen und den Aussagen zweier Kronzeugen sind die Verdächtigen verschiedenen illegalen Aktivitäten nachge­gangen. Die Kronzeugen haben ausgesagt, dass seit Ende der Neunzigerjahre grosse Mengen an Waffen aus der Schweiz nach Italien geschleust wurden – unter anderem auch, um Menschen zu ermorden. Zudem vermuten die Behörden Waffen- und Drogenhandel im grossen Stil sowie Geldwäscherei. In ihrer Gesamtheit sollen die Mafiosi in der Schweiz die Schlagkraft der kriminellen Organisation insgesamt gestärkt haben. Laut Staatsanwalt Robert Wallner gibt es kein Rechtshilfeersuchen. (dal)

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