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Mehr Geburten in Grabs: Gibt es Folgen für Liechtenstein?

Die Verlagerung von Geburten aus Walenstadt nach Grabs führt zu einer Zunahme, aber habe keinen Einfluss auf Liechtensteinerinnen. Vergangenes Jahr wurden in den beiden Spitälern 1191 Kinder geboren, was knapp unter der maximalen Auslastung in Grabs von 1200 Geburten pro Jahr liegt.
New mom holds her baby in hospital bed
Vergangenes Jahr sind 236 Kinder aus Liechtenstein im Spital Grabs zur Welt gekommen, was mehr als einem Viertel (26,5 Prozent) aller Entbindungen vor Ort entspricht. (Bild: FatCamera)
 
Unabhängig davon, ob das neue Landesspital eine Geburtenstation haben wird oder nicht, bringen Liechtensteinerinnen trotzdem Kinder zur Welt. Im vergangenen Jahr erblickten 378 Wonneproppen aus dem Fürstentum das Licht der Welt, mehrheitlich im Spital Grabs (236 Kinder respektive 62,4 Prozent). Vergangene Woche teilte die Spitalregion Rheintal-Werdenberg-Sarganserland mit, dass aufgrund von personellen Engpässen im OP-Bereich die Geburtenhilfe in Walenstadt ab 1. Februar 2020 nach Grabs verlagert wird. 
 
Somit wird das dort ansässige Spital zum einzigen überhaupt in der Region, in dem noch Kinder zur Welt gebracht werden – eine Nachricht, die auch hierzulande für Hellhörigkeit sorgte. Denn bei einem Einzugsgebiet von ungefähr 170 000 Einwohnern könne nur durch diese Massnahme weiterhin gewährleistet werden, dass ein notfallmässiger Kaiserschnitt entsprechend dem Zürcher Modell innerhalb von 15 Minuten erfolgt. Stellt man die 1191 Neugeborenen der beiden Spitaler aus dem vergangenen Jahr einer maximalen Auslastung von 1200 jährlichen Entbindungen gegenüber, nähert sich die Geburtenhilfe des Spitals Grabs allmählich ihrem Limit an.
 
Keinen Einfluss auf die Strategie des Landesspitals
Im Dezember-Landtag stellte der VU-Abgeordnete Manfred Kaufmann eine Kleine Anfrage, welche Auswirkungen die Geburtenzunahme in Grabs auf Neugeborene aus Liechtenstein hat. Der Regierung seien keine Einflüsse bekannt, antwortete Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini. Es sei davon auszugehen, dass die Kapazitäten entsprechend angepasst werden. «Dies erfolgte bereits in der Vergangenheit im Zusammenhang mit der Einstellung der Geburtshilfe im Landesspital», führt der Regierungsrat aus. Ausserdem stellte er klar, dass zwischen der Geburtenzunahme im Spital Grabs und den künftigen Entscheidungen zu einer Geburtenabteilung in Liechtenstein «kein direkter Zusammenhang» bestehe. Sandra Copeland, Direktorin des Landesspitals, sagt ebenfalls, dass die Situation im Spital Grabs weder die kurzfristige noch die mittelfristige Strategie beeinflusse. «Wie bereits im Vorfeld der Abstimmung über den Kredit für den Neubau erläutert, muss die Frage, ob das Leistungsangebot Geburtshilfe im Landesspital wieder angesiedelt werden soll, in nächster Zeit detailliert geprüft werden», erklärt sie auf Anfrage. Ihr sei jedoch bewusst, dass es sich hierbei um ein «echtes Bedürfnis» der Bevölkerung handle.
 
Liechtensteinerinnen sind in Grabs weiter willkommen
Wie Andrea Bachmann, Leiterin Kommunikation und Marketing der Spitalregion Rheintal-Werdenberg-Sarganserland, ausführt, ist die Geburtenhilfe im Spital Grabs für maximal 1200 Geburten jährlich ausgelegt. Insofern verfüge man auch nach der Zusammenlegung über eine ausreichende Infrastruktur – allerdings nähert man sich in einem ähnlichen Jahr auch einer Auslastungsgrenze an. Derzeit laufen noch Gespräche mit den Hebammen aus Walenstadt, um die zusätzlichen Geburten in Grabs auch personell stemmen zu können. «Wir sind zuversichtlich, dass genügend von ihnen nach Grabs wechseln», hält Bachmann fest. Für das kommende Jahr werde mit 929 Geburten gerechnet, was verglichen zum Jahr 2018 (891 Geburten) einem überschaubaren Zuwachs entspricht. Bis Ende November wurden bisher 737 Babys in Grabs entbunden. Zudem können Schwangere auch nach der Verlagerung weiterhin Sprechstunden, Untersuchungen und Vorbereitungskurse in Walenstadt beanspruchen. Lediglich die Geburt selber findet in Grabs statt. 
 
Über Patientinnen aus dem Fürstentum, die 2018 immerhin mehr als ein Viertel (26,5 Prozent) der Geburten ausmachten, freut man sich im Spital Grabs nach wie vor. «Die Dienstleistungen der Geburtshilfe in Grabs stehen auch nach der Verlagerung aus Walen­stadt allen Frauen uneingeschränkt zur Verfügung, so auch Frauen aus Liechtenstein», betont Andrea Bachmann. Auch in der Frauenklinik Fontana in Chur sind sie willkommen. So spricht Dajan Roman, Bereichsleiter Unternehmenskommunikation des Kantonsspitals Graubünden, von einer «gesunden» Auslastung. Vergangenes Jahr waren Liechtensteinerinnen für 92 der insgesamt 1105 Geburten in Chur verantwortlich. (gk)

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