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S-Bahn: Fünf einfache Gründe für ein Ja

Ein Kommentar von Chefredaktor Patrik Schädler: «Bei einem Nein würde die Eisenbahnschiene zwischen Schaanwald und Buchs nicht aufgerollt. Die Güter- und Personenzüge würden weiterhin durch unser Land fahren. »
Bahnschranke, Schaan
Am 30. August wird über die Vorlage zur S-Bahn abgestimmt. (Bild: Tatjana Schnalzger)

 

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Chefredaktor Patrik Schädler. (Bild: Daniel Schwendener)

Seit Wochen scheint sich die Welt in Liechtenstein praktisch nur noch um das Projekt S-Bahn zu drehen. Viele können es nicht mehr hören – vom Lesen ganz zu schweigen. Heute flattern nun die Abstimmungsunterlagen ins Haus und in zwei Wochen wissen wir Bescheid. Viele haben ihre Entscheidung wohl schon getroffen. Für alle Unentschlossenen und Lesefaulen gibt es fünf einfache Gründe, warum ein Ja zur S-Bahn die sinnvollere Lösung ist:  

1.  Am Projekt wird schon lange gearbeitet. Und es waren auch Experten mit Eisenbahnerfahrung dabei. Es ist spruchreif. Und es wird nicht nur von der Politik, sondern auch vom Fürstenhaus, den Wirtschaftsverbänden und anderen Organisationen unterstützt. Eine solche breite Unterstützung gab es zuletzt vor der EWR-Abstimmung. Es ist schlicht unvorstellbar, dass all diese Personen ein Projekt befürworten, dass Liechtenstein und seiner Bevölkerung schadet. 

2.  Die S-Bahn ist ein Teil des Mobilitätskonzeptes 2030. Darin sind 10 Leitprojekte definiert, welche in den nächsten 10 Jahren realistisch umgesetzt werden können – darunter auch Strassen. Weitere Varianten, welche immer wieder ins Spiel gebracht werden, sind damit nicht verschwunden. Diese benötigen aber einen grösseren Zeithorizont. Bei einem Nein zur S-Bahn gibt es gemäss Erbprinz Alois «eine erhebliche Gefahr einer längerfristigen Blockade im Verkehrsinfrastrukturbereich». Wer also will, dass in allen Bereichen etwas vorwärts geht, gibt mit einem Ja das richtige Signal.      

3.  In Vorarlberg und in St. Gallen wurde und wird sehr viel in den S-Bahn-Ausbau investiert. Die Lücke wäre Liechtenstein. Wenn diese Lücke nicht geschlossen wird, dann wäre dies für die regionalen Beziehungen mit Sicherheit nicht förderlich. Liechtenstein würde wohl nicht unbegründet als Schmarotzer dastehen. Ohne die Verkehrsinfrastruktur, welche unsere Nachbarn erstellt haben und unterhalten, wären wir schon heute kaum erreichbar. Selbst die grösste Umfahrungsstrasse für die Liechtensteiner – die Auto-bahn  – haben die Schweizer gebaut. Und unsere Vignettenausgaben decken wohl nicht einmal den jährlichen Unterhalt der A13 von Balzers bis Ruggell.

4.  Bei einem Nein würde die Eisenbahnschiene zwischen Schaanwald und Buchs nicht aufgerollt. Die Güter- und Personenzüge würden weiterhin durch unser Land fahren. Es würde zwar das Notwendigste gemacht, aber mehr auch nicht. Einzig eine funktionierende S-Bahn wird dann weiterhin fehlen. Es wäre dann wie beim Tunnel Gnalp–Steg. Dort wurde ein Neubau 1988 vom Stimmvolk abgelehnt. Wir haben zwar heute immer noch ein Tunnel, aber es ist trotz etlichen Sanierungen halt immer noch ein «Glump». 

5.  Die Hauptnutzer der ausgebauten S-Bahn werden Pendler sein. Und es werden mit Sicherheit wesentlich mehr sein als heute. Denn das derzeitige Mini-Angebot an Verbindungen ist nicht attraktiv genug. Wie viel es effektiv sein werden, ist nicht der relevante Punkt. Jeder Arbeitspendler auf der S-Bahn ist ein Auto weniger auf Liechtensteins Strassen zu den Stosszeiten. Und davon profitieren alle. Auch von den Grenzgängern profitieren wir alle. Denn ohne sie würde unsere Wirtschaft nicht mehr funktionieren.

Die Liste liesse sich fortsetzen. So ist auch die Summe von 71,3 Millionen Franken kein Grund, ein Nein in die Urne zu werfen. Staat und Gemeinden haben Reserven von über 3500 Millionen Franken. Und für was soll dieses Sparkässeli da sein, wenn nicht für Investitionen in die Infrastruktur?

Mehr Sorgen als über die Finanzen sollten wir uns über die Haltung «profitiera tuan nu die andera» machen. Mit dieser Haltung kann jedes beliebige Projekt verhindert werden. Es gibt kein Vorhaben von Staat oder Gemeinden, von dem alle im gleichen Mass profitieren – ausser vielleicht der Friedhof.

Sollte diese Haltung überhandnehmen, dann ist es um unsere Gemeinschaft schlecht bestellt. Und wer für alles zuerst eine Erfolgsgarantie will, der wird nie Erfolg haben können. (sap)

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