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Gegen die Gemeindepläne

Anita Mathis-Frommelt ergreift das Referendum gegen den geplanten Abriss der «Mühle».
Landgasthof Mühle, Vaduz
Der ehemalige Landgasthof Mühle in Vaduz. (Bild: Tatjana Schnalzger)

Über zwei Jahre lang suchte die Gemeinde Vaduz nach einer Lösung für die Nutzung des Areals des ehemaligen Landgasthofs Mühle, das sie im April 2018 erworben hatte. Vor gut vier Wochen entschied der Gemeinderat schliesslich, das Gebäude rückzubauen und an seiner Stelle eine Grünfläche zu schaffen. Kostenpunkt: gut1,3 Millionen Franken.

Dieser Beschluss stösst offenkundig nicht überall auf Verständnis. Wie gestern bekannt wurde, hat die Vaduzer Einwohnerin Anita Mathis-Frommelt das Referendum dagegen ergriffen. Bis zum 2. Oktober hat sie Zeit, jene 462 Unterschriften zu sammeln, die erforderlich sind, um eine Abstimmung zu erwirken. Alleine, betont sie, sei sie dabei keineswegs. «Ich bin nur die Initiantin. Bekannte, Nachbarn aber auch viele ehemalige ‹Mühle›-Stammgäste haben sich bereit erklärt, mir zu helfen.» Diesen Rückhalt spürt sie aber auch darüber hinaus. Sie habe schon viele positive Reaktionen erhalten, berichtet sie. Deshalb habe sie auch ein «gutes Gefühl», dass genügend Unterschriften zusammenkämen.

Mehrere Argumente gegen einen Abbruch

Für Mathis-Frommelt ist das Referendum gegen den Abbruch der Mühle «eine Herzensangelegenheit», wie sie sagt. Seit jeher wohne sie in direkter Nachbarschaft zum ehemaligen Landgasthof. «Unsere Familie ging dort 45 Jahre lang ein und aus, feierte Taufen, Hochzeiten, Geburtstage – sowie viele andere auch.» Dass das traditionsreiche Haus – und damit das «Lebenswerk» des langjährigen Betreibers Martin Jehle – nun verschwinden soll, stimmt sie und ihre Mitstreiter traurig.

Doch sie ist nicht nur deshalb tätig geworden. Eine Grünfläche an einem Ort zu schaffen, der fünf Gehminuten von diversen Naturgebieten entfernt sei, habe für sie keinen Sinn, betont Mathis-Frommelt. «Und erst recht nicht zu einem Preis von über acht Millionen Franken – wenn man den Bodenerwerb noch mit einberechnet.» Ausserdem befürchten sie und andere Anwohner, dass die Gruppen von Randständigen, die sich derzeit an anderen Orten aufhalten, künftig das Mühle-Areal aufsuchen könnten. «Für die Gemeinde bedeutet das mehr Ärger, Aufwand und Kosten», ist sie überzeugt.

Viel besser würde der Hauptort in ihren Augen damit fahren, das Gebäude instand zu setzen und den Landgasthof – ohne Hotellerie – zu neuem Leben zu erwecken. Ohnehin, findet Mathis-Frommelt, könnte Vaduz sich stärker für alte Gasthäuser einsetzen. «Mauren hat mittlerweile drei solcher Betriebe gekauft und betreibt sie weiter. Und in Vaduz soll der traditionelle Landgasthof Mühle abgebrochen werden.»

Eine Gastro-Lösung ist für Mathis-Frommelt möglich

Dass eine Wiederaufnahme des Betriebs möglich ist – obschon der Gemeinderat aus ökonomischen Überlegungen letztlich davon Abstand genommen hat –, ist für sie unstrittig. «Eine Fachperson meinte beispielsweise, dass eine Instandsetzung rund drei Millionen Franken kosten würde. Die Bausubstanz ist nicht so schlecht, wie gesagt wird», so Mathis-Frommelt. «Wenn dann noch ein Pachtvertrag aufgesetzt wird, der dem Pächter ein Überleben ermöglicht, dann bin ich überzeugt davon, dass hier eine Lösung gefunden wird.»

Bischof betont fundierte Entscheidungsfindung

Bürgermeister Manfred Bischof beurteilt die Sache naturgemäss etwas anders. Dass die Gemeinde sich zu wenig für den Erhalt der «Mühle» als Gasthaus eingesetzt habe, ist für ihn zwar eine «zu akzeptierende Ansicht». Aber er kann sie nicht nachvollziehen. Der Gemeinderat habe sich intensiv mit der Nutzungsfrage auseinandergesetzt und verschiedene Varianten geprüft. «Selbst die Bevölkerung wurde im Rahmen eines Tags der offenen Tür einbezogen.» Auf dieser fundierten Basis sei letztlich dann der Entscheid zugunsten eines Rückbaus und einer Begrünung gefallen. Eine ausreichende Instandsetzung für einen Preis von gut drei Millionen Franken  kann sich Bischof nicht vorstellen. Eine Instandsetzung für die Gastronomie benötige vielmehr Investitionen zwischen vier und sieben Millionen Franken, sagt er. Die Frage, ob die Grünfläche auf dem «Mühle»-Areal randständige Personen anziehen könnte, ist für ihn wiederum «nicht zu beantworten.» Das könne niemand wissen, eine derartige Möglichkeit sei immer vorhanden. «Aber genau so besteht die Möglichkeit, dass das im Haberfeld oder auf Dux passiert.»

Ungeachtet der unterschiedlichen Ansichten beurteilt er den Vorstoss von Anita Mathis-Frommelt freilich überhaupt nicht negativ: «Ein Referendum ist gelebte Demokratie und es steht allen Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern frei, ein solches einzubringen.» (bo)

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