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«Ich bin ein Tuner, kein Auto-Poser»

Ein junger Liechtensteiner, der in Tuning-Szene aktiv ist, berichtet von seiner Leidenschaft zu modifizierten Autos und sagt, was die Menschen «dabei nicht verstanden haben».
Tuning-Treffen
Auf dem Areal eines Tuning-Treffens stehen aufgepeppte Autos in Reih und Glied.      (Bild: Silvan Keller*)

Wer sich zum gemütlichen Flanieren und zum geselligen Kaffeeplausch in Einkaufsstrassen oder Stadtzentren trifft, der rechnet mit Strassenmusikanten oder leiser Lounge-Musik im Hintergrund. Jedoch werden diese belebten Orte immer öfter von lauten Motoren und Auspuffanlagen beschallt, welche der vermeintlichen Idylle schlagartig den Garaus machen. Diesen sogenannten «Autoposern» wurde der Kampf angesagt.

Die Schweizer Kantonspolizeien intensivierten die Kontrollen in den letzten Monaten stark. Auch Privatpersonen ergreifen nun die Initiative, wie die selbstgebastelten Anti-Autoposer Verkehrsschilder an der Buchser Bahnhofstrasse zeigten, welche Ende August von einer unbekannten Täterschaft montiert wurden.

Szene hofft auf Verständnis und Differenzierung

Laut Silvan Keller* (20), einem Liechtensteiner, welcher in der Tuning-Szene aktiv ist, wirft das Verhalten dieser Personen ein dunkles Licht auf jeden ernsthaften Fan modifizierter Autos. Er hofft auf mehr Verständnis und Differenzierung seitens der Bevölkerung und Polizei, wenn sie auffällige ­Karrossen auf den hiesigen Strassen sehen.

Denn nicht jeder Besitzer eines leistungsstarken und modifizierten Autos ist laut Keller der Sparte der Poser zuzuordnen. Jedoch würde dies leider oft geschehen. Im Interview gibt er Einblicke in die Tuning-Szene und erklärt, was sie von Posern unterscheidet.

Herr Keller*, Sie sehen sich selbst also nicht als Poser, sondern als Tuner?

Silvan Keller: Das Problem ist, dass die Leute einen Poser, Raser und einen Tuner in einen Topf werfen. Ein Raser ist nicht gleich ein Poser. Und ein Poser muss nicht gleich ein Tuner sein. Für uns Tuner ist ein Poser jemand, der sicher nicht legal unterwegs ist und zig Mal die gleiche Strecke fährt. Jemand, der verschweisste, manipulier­te Auspuffanlagen montiert hat, welche wirklich nur der Lärmbelästigung dienen. Uns geht’s nicht ums Rasen oder ums Posen, sondern um den Zusammenhalt, den man sozusagen als Interessensgemeinschaft hat.

«Uns geht’s nicht ums Rasen oder ums Posen,
sondern um den Zusammenhalt»

Haben Sie das Gefühl, dass Tuner in ein falsches Bild gedrängt werden?

Genau, das wird auch von den Medien falsch gepusht. Raser, Poser und Tuner sind drei Paar Schuhe.

Das Auto ist für euch also ein ernstes Hobby?

Definitiv ist es für mich ein Hobby. Für uns Tuner ist das Ganze sozusagen ein Lifestyle, zu dem mehr gehört als sinnloses Rumfahren. Und damit haben Personen, die der Definition des Posers zuzuordnen sind, nichts zu tun. Für mich persönlich besteht das Hobby des Tunings darin, sich ein Auto im Originalzustand zuzulegen und dieses über Jahre hinweg sozusagen weiterzuentwickeln und daran zu arbeiten. Seine eigenen Vorstellungen in die Konzeption eines gut aussehenden Autos einfliessen zu lassen und daran Spass zu haben.

Ist diese Szene in Liechtenstein gross?

Ich glaube, dass die Szene in den letzten zwei bis drei Jahren an Fahrt aufgenommen hat. Man hat sich zusammengefunden und vermehrt getroffen. Es ist schön, dass es in so einem kleinen Land einige Leute gibt, die das gleiche Hobby, die gleiche Begeisterung und Leidenschaft haben. Und dass man das Ganze hier zusammen ausleben kann. Wir tun ja niemandem was zuleide, wir machen auch nichts kaputt.

«Wir tun ja niemandem
was zuleide»

Was gehört zur Freizeitgestaltung eines Tuners dazu?

Tuning-Treffen, andere Autos anschauen und mit den Leuten in Austausch treten. Ausfahrten machen und einfach zusam­men sein.

Ergeben sich durch die auffallenden Autos Probleme mit der Polizei?

Man kann eigentlich nirgends mehr hingehen, ohne aus dem Verkehr gezogen zu werden, das ist wirklich unschön. Die Polizisten kennen einen meist schon und untersuchen immer das Gleiche. Aber wir als Tuner schauen penibel darauf, dass ­alles gesetzeskonform und sauber eingetragen ist. Wir wollen ja keine Probleme mit der Polizei. Das ist nicht das Ziel vom Tuning. Manchmal fühlt man sich wirklich schikaniert. Vor ­allem wenn bei einem Termin auf der Prüfstelle wirklich primitive Dinge bemängelt werden. Die Argumentation der Behörden ist dabei wirklich oft lachhaft und aus unserer Sicht nicht gerechtfertigt. Auch ein durch den Garagisten auf den Millimeter genau eingestellter Scheinwerfer wird dabei ohne ersichtlichen Grund zum Problem und bedarf laut den Prüfern einer Nachjustierung.

Haben Sie das mit dem Anti-Poser-Schild in Buchs mitgekriegt?

Ja, habe ich. Und ich muss ehrlich sagen, wenn ich ein Anwohner der Bahnhofstrasse wäre, würde ich mich auch aufregen. Man kann das ja auch wirklich beobachten. In einer halben Stunde wirst du Autos sehen, die zehn Mal durchfahren und den Auspuff knallen lassen. Das geschieht auch spätabends noch. Diese Leute wollen nur angeben, cool dastehen und allen zeigen, was für ein «geiles» Auto sie haben.

Auf gut frequentierten Strassen den Auspuff knallen lassen würden Sie also nicht?

Grundsätzlich entspricht dies nicht der Intention eines Tuners. Einzelne Tuner, die das tun, gibt es aber sicher. Mir persönlich ist es egal, ob mir andere zuschauen. Ich mache das mit dem Auto für mich, weil ich selbst Freude daran habe. Für Leute, die so durch die Bahnhofstrasse fahren, habe ich echt kein Verständnis. Bei uns Tunern geht es nicht darum, dass wir uns aufgeilen und 100 Mal durch die gleiche Strasse fahren. Wir leben den Zusammenhalt innerhalb der Community wie in einem ­Fussballverein, tauschen Erfahrungen aus und leben für unsere Leidenschaft. Ganz ohne rasen oder Lärmbelästigung. (ng)

*Name der Redaktion bekannt.

 

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