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Datenschutz verhindert Start von «Helpmail»

Bestimmungen des Datenschutzes erlauben eine psychologische Beratung per Mail nicht in der geplanten Form. Ein neues Projekt ist bereits in Planung.
Netzwerk FL, Vaduz
Wegen Bestimmungen des Datenschutzes ist das Projekt derzeit komplett auf Eis gelegt. «Ärgerlich», sagt Projektleiterin Monica Bortolotti Hug. (Bild: Tatjana Schnalzger)

Am 15. August hätte der Verein Netzwerk mit einem neuen Angebot durchstarten wollen: Dem Helpmail. Die Idee dahinter: Drei Psychologinnen stehen bei Bedarf für eine Beratung per Mail zur Verfügung. Menschen, die sich beispielsweise in einer akuten persönlichen Krise befinden, hätten sich auf diesem Weg kostenlos Hilfe von Fachkräften holen können.

Bestimmungen des Datenschutzes verzögern allerdings das geplante Projekt, beziehungsweise ist es derzeit komplett auf Eis gelegt. «Ärgerlich», sagt Projektleiterin Monica Bortolotti Hug. Monatelange Arbeit stecke hinter dem Projekt, die nun sozusagen für die Katz war.

Das Problem aus Sicht der Datenschutzstelle liegt darin, dass im Rahmen der schriftlichen psychologischen Beratung neben «normalen» Daten wie Name oder E-Mail-Adresse auch sensible, beziehungsweise personenbezogene Daten verarbeitet werden. Dazu gehören gemäss dem entsprechenden Gesetzesartikel «Daten, aus denen die rassische und ethnische Herkunft, politische Meinungen, religiöse oder weltanschauliche Überzeugungen oder die Gewerkschaftszugehörigkeit hervorgehen, sowie die Verarbeitung von genetischen Daten, biometrischen Daten zur eindeutigen Identifizierung einer natürlichen Person, Gesundheitsdaten oder Daten zum Sexualleben oder der sexuellen Orientierung.»

Wie Angelika Greber von der Datenschutzstelle auf Anfrage mitteilt, geniessen diese Daten einen besonderen Schutz, der durch entsprechende technische und organisatorische Massnahmen zu gewährleisten ist. Und da liegt der Hund begraben, denn: «Die im Projekt vorgesehen Übermittlung dieser sensiblen Daten mittels E-Mail ohne besondere Schutzvorkehrungen kann diese Anforderung nicht erfüllen und ist der erste kritische Punkt aus Sicht des Datenschutzes», so Angelika Greber.

Keinen Einfluss auf die Empfängerseite

In Konsequenz wurde dem Verein Netzwerk empfohlen, einen sicheren Kommunikationsweg anzubieten. «Die absolute Vertraulichkeit ist uns sehr bewusst und wir hatten bei der Projektumsetzung auch grossen Wert daraufgelegt», sagt Monica Bortolotti Hug, Geschäftsleiterin des Vereins Netzwerk. Die technische Umsetzung erfolgte durch spider.li. Diese suchten nach einer optimalen Abwicklung, welche zu jederzeit verschlüsselt ist, wie Bortolotti Hug sagt. Dies könne vom Verein selbst aus garantiert werden. «Auf Empfängerseite haben wir leider wenig Einfluss darauf.» Das heisst, das Antwortmail geht zwar verschlüsselt raus, aber je nach Einstellungen die der Empfänger hat kann es sein, dass auf seinem Server diese Daten dann eben nicht mehr verschlüsselt sind. «Wir sind davon ausgegangen, dass es ausreichend ist, dass der Empfänger auf unserer Website darauf aufmerksam gemacht wird. Dies hat sich nun leider herausgestellt, dass dem nicht so ist», bedauert sie. «Da es einige Anbieter von ähnlichen Dienstleistungen gibt, welche auch teilweise sensiblere Daten so verarbeiten, war es für uns so nicht voraussehbar, dass dies nicht möglich sein sollte.»

Neue Idee: Beratung über einen Chat

Ein zweiter Kritikpunkt, den die Datenschutzstelle bezüglich Helpmail anbringt, ist die Kooperation mit dem Unternehmen Zendesk. «Dieses Unternehmen übermittelt Daten unter anderem in die USA», erklärt Angelika Greber. «Auch damit hat der Verein Netwerk nicht gerechnet, da Zendesk eines der weltweit meist verwendeten Tools in diesem Bereich anbietet und der Datenschutz sehr gross geschrieben wird», sagt Monica Bortolotti Hug. Die Suche nach einem geeigneten Tool sei ernüchternd gewesen. «So haben wir entschieden, selber zu programmieren und damit zu gewährleisten, dass die Daten auf einem Server in der Schweiz gespeichert sind.»

«Durch den Vollstopp des Projekts waren wir gezwungen uns neu zu erfinden.», so die Geschäftsleiterin des Vereins Netzwerk. «Wir denken, dass wir nun auf gutem Wege sind, eine den verschärften Sicherheitsstandarts des Datenschutzes adäquate Lösung gefunden haben.» Allerdings werde es keine E-Mail basierte Lösung geben – «deshalb mussten wir uns auch vom Namen «Helpmail» verabschieden.»

Der Verein plant nun, Anfang Oktober mit einem neuen Projekt zu starten.« Denn uns liegt es sehr am Herzen, ein niederschwelliges Angebot für professionelle Beratung möglichst schnell den Menschen aus Liechtenstein und der Region anbieten zu können.»  Die Beratung soll neu als Chat funktionieren. «Die Kommunikation findet also auf einer sicheren Plattform statt, auf welcher wir die Verschlüsselung garantieren können», so Monica Bortolotti Hug. (bfs)

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