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100 Jahre lang wertvolle  Arbeit für Liechtenstein

Am 11. September 1920 fand der Orden der Anbeterinnen des Blutes Christi in Liechtenstein ein neues Zuhause. Ein Blick in die hundertjährige Geschichte.
Gemeinde Schaan
Das Kloster St. Elisabeth wurde trotz Armut gebaut. (Bild: Daniel Ospelt)

Der 11. September 1920 war für die Schwestern der Anbeterinnen des Blutes Christi (ASC) ein wegweisender Tag: Der Landesverweser Liechtensteins schrieb ihnen nach Rankweil, dass sie sich auf Schloss Gutenberg in Balzers niederlassen dürfen unter der Bedingung, dort innerhalb von drei Jahren eine Waisenanstalt in Betrieb zu setzen, falls die Gemeinden Interesse zeigen. Damit nahm eine jahrzehntelange Odyssee der Schwes­tern ein Ende, die auf der Suche nach einer Heimat waren. «Es war der Beginn eines segensreichen Wirkens in unse­rem Land und in vielen Gemeinden. Die Schwestern vom Kloster St. Elisabeth in Schaan sind heute voll Freude und Dankbarkeit, dass sie ein ganzes Jahrhundert in Liechtenstein eine Heimat gefunden haben», schreibt das Kloster St. Elisabeth in einer Medienaussendung. 

Auf der ganzen Welt aktiv
Gegründet wurde die Kongregation der ASC-Schwestern 1834 von Maria De Mattias, die im Jahr 2003 heilig gesprochen wurde. Ihr Ziel war es, Frauen und Mädchen zu menschlicher Würde zu verhelfen. Die Gemeinschaft durchlebte jedoch eine wechselhafte Geschichte, ehe sie in Liechtenstein angekommen war. Mehrmals wurden ihre Mitglieder vertrieben oder wanderten gar nach Amerika aus. Viele schlossen sich dort einem anderen Orden an. Wenige blieben der ASC aber verbunden. Einige kehrten nach Europa zurück und suchten Zuflucht in Feldkirch und Rankweil. Sie lebten dort als heimatlose Flüchtlinge. Doch ihre Lebensart muss die Menschen beeindruckt haben, denn viele junge Frauen traten der Gemeinschaft bei. 
In jener Zeit gründeten sie ein Kloster und eine Schule für arme Mädchen in Bosnien. Der Bischof verweigerte aber die Gründung eines Noviziates, und so hielten die Schwestern Ausschau nach neuen Lebens- und Wirkungsmöglichkeiten. «Im Nachhinein wurde der Sinn einer solchen Odyssee klarer, sind doch auf diesem Weg grosse Zentren mit vielen neuen Berufungen und Wirkungsstätten für den Orden entstanden: Ruma, Wichita, Columbia (USA), Manaus (Brasilien), Zagreb (Kroatien), Wroclaw (Polen) und schliesslich auch Liechtenstein», ist im Dos­sier zu lesen. Heute sind über 1300 Schwestern in 26 Ländern auf allen sechs Kontinenten tätig.

Unterricht, Krankenpflege und Badebetrieb
Im September 1920 zogen die Schwestern auf Schloss Gutenberg ein. Die Gemeinden wollten jedoch kein Waisenhaus, sondern eine Haushaltschule und weitere Bildungsmöglichkeiten für Frauen und Mäd­chen, was den Schwestern entgegenkam. Nach 15 Jahren in Balzers mussten sie jedoch aus Platzgründen ein neues Zuhause suchen. Trotz grosser Armut entschloss sich die tatkräftige Leiterin, Sr. Paulina, für einen Bau­platz auf der Duxwiese in Schaan. Pfarrer Johannes Tschuor nannte sie eine Frau mit «einem unverschämten Gott­vertrauen». Im Juni 1934 zogen die Schwestern in das neue Kloster ein. Der Name «Kloster St. Elisabeth» wurde zu Ehren der Landesmutter, Fürstin Elsa, gewählt. Es ist das Mutterhaus für alle deutschsprachigen Schwestern der internationalen Gemeinschaft. Die Dienste der ASC-Schwestern waren sehr vielseitig: Unterricht in Volksschulen, in Handarbeit und Hauswirtschaft, Kindergärten, Leitung von Bürgerheimen in Eschen und Mauren, Krankenpflege, Haushaltführung bei den Patres und den Schulbrüdern im Marianum in Vaduz, die Leitung der weiblichen Ab­teilung mit Badebetrieb des St. Laurentiusbades, und sogar mancher Erdenbürger erblickte in einer kleinen Entbindungsstation in Eschen das Licht der Welt. Auch Flüchtlinge fanden eine Zuflucht im Kloster.

Von der Mädchenschule zur staatlichen Realschule
Der Fokus lag lange Zeit auf der Bildung – vor allem für Mädchen. In Schaan boten sie für vier Jahre ein Mädchengymnasium an, das hauptsächlich von Flüchtlingsfamilien genutzt wurde. Die Liechtensteiner hatten jedoch andere Schwerpunkte. Sie wollten für ihre Töchter eine gründliche Ausbildung mit Blick auf die künftige industrielle Entwicklung und hauswirtschaftliche Kenntnisse. So begann eine private Sekundar-, Hauswirtschafts- und Handelsschule in den Räumen des Klosters, ehe 1957 das neue grosse Schulgebäude eingeweiht wurde. Da auch Schülerinnen aus den Nachbarländern die Schule besuchte, gab es einen wertvollen kulturellen Austausch. 
In den Neunzigerjahren zogen sich die Schwestern als Lehrkräfte aus dem Schulbetrieb zurück. Sie wurde zur staatlichen Realschule. «Da immer weniger Lehrschwestern und dafür mehr weltliche Lehrkräfte an der Realschule St. Elisabeth unterrichteten, zogen sich die Schwestern ganz aus dem Schuldienst zurück. Zwar waren die Schwes­tern durch alle Jahrzehnte ihrer bewegten Geschichte ihrem apostolischen Auftrag treu, sich besonders für Frauen und Mädchen in Gesellschaft, Bildung und Kirche einzusetzen. Aber jetzt war für die Schwestern ein spiritueller Erneuerungsprozess gefordert, eine bewusste Rückkehr zu den Quellen, woraus die Kraft für den apostolischen Dienst strömt», teilen die Schwes­tern mit. Sie bauten ein kleines Glaubens- und Spiritualitätszentrum auf, «um mit allen suchenden Menschen auf dem Glaubensweg voranzukommen.» Das Projekt heisst «Brot und Rosen» und enthält verschiedene Angebote für Kinder und Jugendliche. Heute zählt de Gemeinschaft 25 Schwestern. Unterstützt durch viele «Freun­de des Klosters» spielt sich ein reges spirituelles Leben im Kloster St. Elisabeth ab.
Bekanntlich wird die Realschule St. Elisabeth aus Standortgründen im Sommer 2025 aufgegeben. Deshalb befasst sich derzeit eine Projektgruppe mit der Umnutzung der gesamten Klosterliegenschaft und steht in Verbindung mit der öffentlichen Hand und privaten Unternehmen. (manu)

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