Eine tierisch gute Erfolgsgeschichte
Starke Persönlichkeiten auf vier Beinen
Das braun-weisse Lama Karl steht am Zaun und begrüsst jeden Gast – wer möchte sogar mit einem tierischen Kuss. Er ist der heimliche Star der Lama- und Alpakaherde im Triesenberger Dorfweiler Wangerberg – auch wenn er an Wanderungen für Touristen und Gäste nicht teilnimmt. Er ist ein Schlitzohr. Karl sorgt immer wieder für Lacher, insbesondere wenn er einmal im Jahr seine Ausreisser-Phase hat. «In dieser Zeit beschliesst er, dass er jeden Tag neben dem Zaun stehen muss. Das geht normalerweise nur ein paar Tage und dann ist alles wieder normal», erzählen Marc Schädler und Anna-Lena Beck.
Das Paar betreibt den Lama- und Alpakahof in Triesenberg. Insbesondere die Persönlichkeit der kamelartigen Tiere fasziniert die beiden.
Wenn man jeden Tag um sie herum ist, merkt man, wie sie ticken. Sie haben auch ihre Launen und Streitigkeiten.
Und eben auch Flausen im Kopf. So sorgte Karl bei einem seinen nächtlichen Ausflüge neben dem Zaun für einen Polizeieinsatz. Er stand mitten auf der Strasse, als eine Polizeipatrouille durch den Wangerberg fuhr. Die Einwohner kennen Karl zwar mittlerweile, die Polizei aber nicht. Sie versuchten, Marc Schädler zu erreichen. Vergeblich. «Als ich morgens aufwachte, sah ich drei Anrufe in Abwesenheit von der Polizei. Das sind nicht unbedingt Anrufe, die man morgens auf dem Handy sehen will», lacht er. Karl hingegen verstand die ganze Aufregung ganz und gar nicht. Ein Video zeigt, wie Karl kauend hinter dem Polizeiauto hervorschaut. «Mit einem derartigen unschuldigen Gesichtsausdruck, dass man ihm eigentlich gar nicht böse sein kann.»
Angefangen hat alles vor 16 Jahren, als Marc und Anna-Lena eigene Tiere anschaffen wollten. Doch sie sollten aussergewöhnlich sein. Auf den Vorschlag von Marcs Mutter zogen schliesslich die Alpakas Max, Blue und Charlie auf dem elterlichen Hof ein. Marc Schädler erinnert sich mit einem Schmunzeln an den Tag: «Kaum war er im Gehege, stand Blue wieder neben dem Zaun. Er hatte es sein ganzes Leben lang nie richtig gelernt. Er verstand das Prinzip Zaun einfach nicht.»
Was als Hobby begann, entwickelte sich rasch zum Selbstläufer. Mit den ersten Lamawanderungen stieg die Nachfrage, die Herde wuchs und das Angebot wurde um einen Hofladen sowie eine Übernachtungs-Jurte erweitert. Mittlerweile führt Marc Schädler den Betrieb, den er dieses Jahr vom Vater komplett übernimmt, im Hauptberuf. Ein geplanter Stallumbau soll den Fokus künftig noch stärker auf den Tourismus legen.
Die Reaktionen der Besucher beim ersten Kontakt reichen laut Anna-Lena Beck von Respekt bis hin zu purem Glück:
Am Ende überwiegt aber immer die Freude.
Lamas und Alpakas sind wahre Strategen, wenn es darum geht, die Gäste um den Finger zu wickeln, um auf der Wanderung überall fressen zu können. «Das ist wirklich spannend zu beobachten», lacht sie. Die Angst vor Spuckattacken ist derweil unbegründet: Das Verhalten dient primär der Rangordnung oder Verteidigung. Auch das Betreiberpaar wurde bisher nur selten getroffen. Einzig bei Stuten mit frisch geborenen Fohlen ist Vorsicht geboten: «Dann kann es tatsächlich mal passieren», erklären die beiden schmunzelnd.
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