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«Ich würde gleich morgen wieder öffnen»

Die Erfolgsgeschichte des «Derby» begann in den späten 1960er-Jahren; harte Arbeit machten den Namen über die Grenzen hinaus bekannt.
Derby in Schaanwald
Ivo Oehri führte mit seiner Frau Ernestine über 30 Jahre lang das «Derby». (Bild: Daniel Schwendener)

Höhen und Tiefen sind Bestandteil eines jeden Unternehmens. Das Geheimnis von erfolgreichen Geschichten be­steht jedoch darin, dass die Unternehmer in den richtigen Momenten die passende Entscheidung treffen. Das «Derby» in Schaanwald ist ein gutes Beispiel für Innovation und Durchhaltewillen – kaum ein Betrieb hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in so vielen unterschiedlichen Erscheinungen gezeigt, wie der Club von Ivo und Ernestine Oehri.

1966 wurde das «Derby» von Herbert Oehri erbaut – die Idee war, ein Café daraus zu machen. Mit diesem Projekt sind das Mutter-Sohn-Gespann Anna und Ivo Oehri, der Bruder des Erbauers, 1968 ins kalte Wasser gesprungen – weder Ivo noch seine Mutter hatten eine Ahnung vom Führen eines solchen Betriebes. Schnell wurde jedoch klar, dass die Gäste nicht nur ein Café suchten, auch herzhafte Speisen sollten geboten werden. Und so änderten die Betreiber kurzerhand das Konzept: Das Restaurant Derby ward geboren. Einfache Speisen zu guten Preisen und eine unkomplizierte und freundliche Atmosphäre machten das Restaurant zu einem Treffpunkt – nicht nur im Unterland, sondern auch für Gäste aus der benachbarten Schweiz und Österreich. «Unsere Riesenschnitzel kann­te jeder, von Bregenz bis Chur. Bei uns gingen pro Woche bis zu 250 Schnitzel über den Tresen.» Der Trick für den Erfolg bestand zum einen in der Qualität des Fleisches: Das kam vom Metzger aus Mauren. Zum anderen aber auch in der Grösse – kein Teller war gross genug für die panierten Schweineschnitzel.

Nachdem Ivo und seine Mutter Anna die ersten beiden Jahre den Betrieb zu zweit geführt hatten, gesellte sich etwa 1970 Ivos Frau Ernestine zum Team und eröffnete im oberen Stockwerk eine zusätzliche Disco. «Das Derby war die erste Disco in Liechtenstein und auch in weiten Teilen des Rheintals. Wir waren jahrelang die erste Adresse – freitags und samstags mussten wir teilweise wegen Überfüllung schliessen und alle wartenden Gäste wieder nach Hause schicken.»

«Nur wer Einsatz zeigt, hat Erfolg»

Ein Restaurant und eine Disco; zu seinen Hochzeiten hatte das «Derby» nur zwischen 2 und 5 Uhr nachts für drei Stunden geschlossen, um aufzuräumen – und auch das Gesetz verlangte eine gewisse Ruhezeit. Morgens startete der Restaurantbetrieb mit Frühstück, speziell für Fernfahrer, die vom Zoll kamen, abends ging der Betrieb in die Disco über. Für die drei Betreiber bedeuteten diese Arbeitszeiten eine tonnenschwere Belastung. «Ich hatte drei Herz­infarkte, meine Frau musste wegen der Arbeit mehrere Male am Rücken operiert werden. Wir haben wirklich alles gegeben und waren dabei auch noch innovativ.» Livemusik-Events, Misswahlen, Verlosungen von Autos – Ivo suchte immer nach neuen Ideen. «Wir haben zweimal ein Auto verlost, die Lose bekam, wer bei uns seine Rechnung bezahlte. Innerhalb eines Abends hatten wir mal 18 000 Franken eingenommen», erinnert sich Ivo Oehri zurück. Zudem hatte in der Zwischenzeit in der Kellerbar ein kleines

Speiserestaurant mit etwa 25 Plätzen eröffnet, wo der damalige DJ auch als Koch fungierte – dieser Betrieb war ebenfalls sehr erfolgreich.

Als in Feldkirch die erste grössere Disco eröffnete, war auf einmal Schluss. Nach ein paar Monaten waren die Abende im Derby gezählt, die Konkurrenz war zu stark, eine neue Idee musste her: ein Nachtclub. «Es war nicht ganz einfach, die notwendigen Bewilligungen dafür zu bekommen. Wir waren schliesslich der erste Nachtclub in Liechtenstein, es war ein neues Konzept.» Ivos Hartnäckigkeit blieb belohnt und der Nachtclub Derby öffnete 1995 seine Türen.

«Richtig geführt, ist es eine saubere Sache»

Dass Nachtclubs einen verruchten Ruf geniessen, war auch damals schon so. «Das kommt aber daher, dass in diesen Geschäftszweigen viele komische Dinge laufen. Wenn ein Nachtclub sauber und richtig geführt wird, ist es eine korrekte Sache. Und bei uns war das so, wir hatten nie Probleme.» Und auch für die Nachbarn gab es keinen Grund, sich zu beschweren. Schliesslich waren die Nächte der lauten Musik vorbei, es ging ruhig zu und her. Meistens «schlichen» sich die Besucher regelrecht ins «Derby», schmunzelt Ivo Oehri. «In dieser Zeit habe ich sehr viele Menschen aus Liechtenstein und der Region kennengelernt; aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten und Berufsgruppen. Und auch diejenigen, die am lautesten gegen solche Etablissements gewettert haben, waren bei uns zu Gast und schlichen sich heimlich durch die Hintertür raus.»

Während das Derby vorne gut lief, mietete sich im hinteren Bereich zeitweise die Kaktusbar ein, die ebenfalls zum Treffpunkt avancierte. Als die gesundheitlichen Probleme das Betreiberehepaar aber schliesslich zum Rücktritt zwangen, begann das Nachfolgerroulette. Etliche Pächter versuchten sich am «Derby», als Nachtclub, als Bar, als Café – mehr als einige Jahre hielt niemand durch. «Die Menschen wissen einfach nicht mehr, wie man richtig arbeitet. Wir hatten einmal Mieter, die ihre Bar freitags und samstags geschlossen hatten, um selbst auszugehen. Wie soll so etwas funktionieren?» Vor Kurzem hat die letzte Mieterin ihre Bar geschlossen, nun steht die «Derby-Lounge», wie der Betrieb seit 2013 heisst, leer und kann für Feiern, Geburtstage oder andere Events gebucht werden. Und wie sieht die Vision von Ivo für das «Derby» aus? «Wenn es meine Gesundheit zulassen würde, würde ich schon morgen das ‹Derby› wieder als Disco und Res­taurant eröffnen. Diese Zeit war für uns einfach unbeschreiblich aufregend und toll. Es würde mir aber auch schon reichen, wenn ich einen guten Mieter finden könnte, der das Gebäude für eine Weile mietet – unabhängig von der Nutzungsart. Ich bin überzeugt, mit Fleiss kann man heute noch gutes Geld verdienen.» Es könne auch als Büro für Speditions- oder Transportunternehmen dienen. Eines ist aber klar: Die glorreichen Zei­ten wie jene in den 70er-, 80er- und 90er-Jahren liegen hinter dem Derby in Schaanwald. Es bleibt die Erinnerung. (lat)

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