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Balzner Boden auf Bündner Territorium

Die Bürgergenossenschaft Balzers bewirtschaftet historisch bedingt Boden auf Schweizer Hoheitsgebiet. Ein Teil wird vom Militär genutzt.
Die Bürgergenossenschaft Balzers besitzt diverse Grundstücke auf Fläscher Gebiet: Beispielsweise die Alp Lida oder auch Flächen mit Bunkeranlagen. Auf Guscha ist ein alter Grenzstein mit dem Balzner Fröggle, dem unverkennbaren Balzner Zeichen, zu sehen. (Bild: pd)

Der Fläscherberg und die St. Luzisteig. Zwei geschichtsträchtige Orte, die von Waldbränden, dem Schweizer Mili­tär und Streitigkeiten um den Boden geprägt sind. Aber noch eine Tatsache ist aussergewöhnlich: Die Bürgergenossenschaft Balzers besitzt umfangreiche Wälder, Wiesen und Alpen auf Schweizer Territorium. Eine Gegebenheit, die es in der Schweiz nur noch im Val Müstair gibt, wo die italienische Gemeinde Taufers 42 Hektar Wald besitzt. 

Bei der Bürgergenossenschaft Balzers ist es einiges mehr: Insgesamt 382 Hektar gehören zum Genossenschaftsgut. Am Fläscherberg sind das insbesondere die Alp Lida so­wie die Wälder und Lichtungen unterhalb davon bis zur Mäls­ner Allmeind und zu den Wiesen von Prad an der Strasse, die auf St. Luzisteig führt. Auch das Gebiet östlich dieser Strasse ist im Besitz der Bürgergenossenschaft.

Militär nutzt kleinen Teil von Balzner Boden
Ein Teil des Balzner Bodens auf Schweizer Hoheitsgebiet befindet sich an der Randzone des Waffenplatzperimeters, der vom Militär genutzt wird. Das Militär darf zudem bei einer Gefahrensituation die Waldstrassen der Bürgergenossenschaft befahren. Dies kann beispielsweise zur Bekämpfung eines Brandes der Fall sein. Nutzung, Entschädigung und Zusammenarbeit sind im Waffenplatzvertrag geregelt. Ausserdem ist die Bürgergenossenschaft in der Waffenplatzkommission vertreten. Ein Vorstandsmitglied nimmt – wie auch der Balzner Vorsteher – an den Arbeitssitzungen teil. Die Zusammenarbeit funktioniert heute gut. Das war nicht immer der Fall.

Viel Streit am Fläscher Berg
Die Geschichte um die Bewirtschaftung der Flächen südlich von Balzers geht bis ins Mittelalter zurück, als es noch keine Landesgrenzen gab. Die Herrschaft Maienfeld gehörte im 15. Jahrhundert, wie auch die Grafschaft Vaduz, den Freiherren von Brandis. Als die Brandiser im Jahre 1509 Maienfeld an die Bündner verkauften, änderte sich vorerst nichts an der Nutzung des Bodens. Erst im 19. Jahrhundert wurde dann die Landes- und Gemeindegrenze festgelegt. Wie der Historiker und Balzner Altvorsteher Arthur Brunhart weiss, kam es immer wieder zu Streitigkeiten, wer welchen Boden nutzen darf – insbesondere mit dem Schweizer Militär. Auf Druck des Militärs musste Boden an die Schweiz abgetreten werden oder Soldaten schlugen, ohne zu fragen, eine Schneise in den Balzner Wald und verschuldeten Waldbrände. Emotionaler Höhepunkt war, als nach dem Zweiten Weltkrieg das Ellhorn gegen den Willen der Balzner Bevölkerung an die Schweiz ging. Im Austausch bekam die Gemeinde Balzers zwar Boden im Elltal, auf der Mälsner Allmeind und auf Prad, aber der Unmut blieb lange bestehen.

Verschiedene Flächen, verschiedene Nutzungen
Heute sind die Nutzungsgrenzen und Bewirtschaftung klar geregelt. Als im Jahr 2004 die Balzner Bürgergenossenschaft gegründet wurde, übertrug die Gemeinde die Bündner Parzellen im Zuge eines Regelungsverfahrens an die Genossenschaft. Weitere Parzellen konnte sie vom Bund und von Privatpersonen kaufen. Für die Waldflächen ist der eigene Forstbetrieb der Bürgergenossenschaft zuständig. Auf den zwei Alpen wird Vieh gesömmert, wofür in den letzten Jahren Hirten angestellt wurden. Einen Grossteil der Unterhaltsarbeiten führen die Mitglieder der Bürgergenossenschaft an Frontagen im Frühling und Herbst selbst durch. Die Landwirtschaftszellen sind an Balzner Landwirte verpachtet. «Was generell die Bewirtschaftung der Flächen auf Fläscher Territorium anbelangt, gibt es kaum Unterschiede zu jener in Liechtenstein. Ansprechpartner sind aber die Bündner Behörden», teilt die Bürgergenossenschaft mit. Und trotzdem zeichnet sich der Balzner Boden in der Schweiz durch Besonderheiten aus, die aus vergangenen Zeiten erzählen. Beispielsweise durch zwei alte Bunkeranlagen. (manu)

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