­
­
­
­
Stellungnahme der VBO

«Wölfe gehören nicht in unser Land»

Für die Vereinigung bäuerlicher Organisationen (VBO) ist klar: Ein Wolfsrudel hätte verheerende Auswirkungen auf die Landwirtschaft.
von Manuela Schädler
Auch in Liechtenstein wurde in letzter Zeit der Wolf öfters gesichtet. (Bild: Archiv)
Am Sonntag rissen Wölfe eine Hirschkuh 50 Meter unter dem Stall von Leopold Schurti in Triesen. (Bild: Leopold Schurti)

Zwei Wildtierrisse in unmittelbarer Nähe von Bauernhöfen verunsichern die Landwirte. «Weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt», sagt Martin Renner, Geschäftsführer der Vereinigung Bäuerlicher Organisation (VBO) in Liechtenstein. Der Gesprächsbedarf unter den Bauern sei entsprechend gross. In einer Medienmitteilung zieht nun die VBO klar Stellung: «Wölfe gehören nicht in unser Land», titelt sie. Liechtenstein sei schlicht zu klein für ein Wolfsrudel. Besonders die Alpwirtschaft sieht die VBO in Gefahr. Sie kritisiert zudem die Aussage, dass das Verhalten des Wolfspaares als unbedenklich eingestuft wird.

«Wolf lernt schnell den Herdenschutz zu umgehen»

Martin Renner kennt die Situation aus eigener Erfahrung als ehemaliger Ziegenzüchter. Er lebt in Mastrils, wo sich das erste Schweizer Wolfsrudel – das Calanda-Rudel – ansiedelte. «Der Wolf ist ein Raubtier, ein lernfähiger und intelligenter Jäger», sagt Renner, der sich als Leiter des Bündner Bauernverbands intensiv mit dem Thema befasst hat. Der Wolf lerne schnell, Herdenschutzmassnahmen zu umgehen, und jage nicht nur Wildtiere. Sein Instinkt, das Rudel mit Fleisch zu versorgen, gefährde auch Nutztiere. «Wo er keine Gefahr wittert, entwickelt er keinen Respekt und bewegt sich auch mitten im Siedlungsgebiet», so Renner. 
Deshalb sei das Verhalten von Wölfen nie unbedenklich und sie würden schon gar nicht in ein Siedlungsgebiet gehören. «Wenn Wölfe 50 Meter entfernt von Höfen und Wohnhäusern jagen ist die Annahme, es sei ein unbedenkliches Verhalten schlicht falsch. Wer würde die Kinder am Morgen ohne Begleitung auf den Schulweg schicken, wenn sich in unmittelbarer Nähe Wölfe und damit Raubtiere aufhalten?», fragt Renner. 

Mutterkühe könnten aggressiver werden 
VBO sieht das grösste Konfliktpotenzial im liechtensteinischen Berggebiet, das stark von Alpwirtschaft und Kulturlandschaft geprägt ist. 23 Alpen zählt das Land, und im Sommer grasen dort zahlreiche Nutztiere. Zusätzlich queren viele Wanderwege die Weiden. «Aus Erfahrung in Graubünden kann ich sagen: Mit den engen räumlichen Kulturlandschaften im liechtensteinischen Alpengebiet ist der Wolf nicht vereinbar», so Renner. 
Besonders Mutterkuhherden könnten problematisch werden. Schon vor zwei Jahren äusserten Alpvögte die Sorge, dass Kühe durch die Anwesenheit von Wölfen aggressiver reagieren könnten. «Wenn Wölfe die Alpen zu ihrem Revier machen, wird es schwierig. Kühe folgen ihrem Urinstinkt und schützen ihre Jungtiere als Herde. In der Schweiz und Österreich gab es bereits Fälle, in denen vom Wolf gestörte Kuhherden für Menschen und Tiere, insbesondere die Hunde, gefährlich wurden oder Schaden angerichtet haben», so der VBO-Geschäftsführer. 

VBO: Herdenschutz aufwändig und zu teuer
Herdenschutzmassnahmen stellen laut VBO eine enorme Herausforderung dar. «Die Netzzäunung gerade für Schafe und Ziegen ist im Berg- und vor allem Alpgebiet äusserst schwierig, da das Gelände kupiert ist und grosse Flächen gezäunt werden müssen», heisst es. In Liechtenstein gibt es Schaf- und Ziegenalpen, und diese seien bedeutend. Bisher konnten sich die Tiere frei bewegen, was ihrem natürlichen Verhalten entspricht. Mit Herdenschutzmassnahmen müssten Schafe und Ziegen jedoch jede Nacht zusammengetrieben und in Pferchen gehalten werden.

Auch Herdenschutzhunde sieht die VBO kritisch. Diese würden zwar ihren Beitrag leisten, aber seien nicht unbedenklich für Touristen und Wanderer. 
Zudem seien die Die Kosten für Herdenschutz sehr hoch und die Entschädigung insgesamt noch zu ungenügend. «In der Schweiz kostet ein Wolf pro Jahr den Steuerzahler rund 250 000 Franken. Das ist nicht einmal die Vollkostenrechnung, denn der Aufwand der Bauern und Älpler ist nicht eingerechnet», rechnet Renner vor. 

Angst vor der Tuberkulose
Renner weist zudem auf die mögliche Veränderung der Wildwechselrouten von Hirschen hin. Vielfach ziehen Sie sich im Schutzwald zurück und schaden diesem dadurch. Die Hirsche verschieben sich durch die Wolfsjagd rascher und weiter. „Dadurch steigt die Gefahr, dass Tuberkulose von Vorarlberg nach Liechtenstein eingeschleppt wird». Die Tuberkuluse kann auf Tier und Mensch übertragen werden. 

Die VBO ist überzeugt, dass eine Ausbreitung des Wolfes die ökologische Vielfalt im Alpgebiet bedroht. «Wenn die Alpwirtschaft aufgrund von Wolfsrissen aufgegeben wird, verbuschen die wertvollen Magerwiesen», so Renner. Damit verschwinde der Lebensraum für unzählige, teils gefährdete Arten. Der Schutz einer einzelnen Spezies dürfe nicht zur Zerstörung der Kulturlandschaft führen. «Diese jahrhundertealte Kultur aufzugeben, wäre ein grosser Verlust für die gesamte Gesellschaft.»

Erneuter Wildtierriss in Siedlungsnähe

Achtung, Foto! Wolf wird am 26.2.  dokumentiert.

Wolfspaar mehrmals zusammen beobachtet

Videonachweis: Wolfspaar zwischen Steg und Malbun entdeckt

Amt gibt Hinweise für richtiges Verhalten bei Begegnung mit Wölfen

Artikel: http://www.vaterland.li/liechtenstein/gesellschaft/das-verhalten-der-woelfe-ist-nie-unbedenklich-art-720265

Copyright © 2026 by Vaduzer Medienhaus
Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung.

­
­