• Informationsveranstaltung Rheindamm-Sperrung Vaduz 200127
    Die Veranstaltung im Rathaussaal war gut besucht.  (Daniel Ospelt)

Rheindamm: Kritiker in der Überzahl

Im Vaduzer Rathaussaal diskutierten gestern Befürworter und Gegner einer Sperrung über die künftige Nutzung des Rheindamms.
Vaduz. 

Seit der Gemeinderat Ende März 2019 die in einer Studie ausgesprochene Empfehlung befürwortete, den Rheindamm zwischen Lettstrasse und Oberer Rüttigasse für den motorisierten Verkehr zu sperren, bewegt das Thema die Vaduzer Gemüter. Im Wissen um die Sensibilität dieser Angelegenheit hat die Gemeinde gestern Abend zu einer Informationsveranstaltung im Rathaussaal geladen. Die vorab ausgesandte Botschaft: Eine für die Sperrung notwendige Anpassung des Verkehrsrichtplans soll nicht über die Köpfe der Einwohner hinweg realisiert werden. Vielmehr will man deren Ideen und Ansichten – ganz gleich ob Befürworter oder Gegner – in den weiteren Prozess miteinbeziehen. Entsprechend erhielten die gut 120 Besucher gestern nicht nur Gelegenheit, sich zu Wort zu melden. Im Anschluss an die Veranstaltung waren sie auch aufgefordert, all das auf den bereitgestellten Flipcharts niederzuschreiben, was ihnen auf dem Herzen lag. «Der Gemeinderat», ermunterte Bürgermeister Manfred Bischof in seinen Begrüssungsworten zur regen Partizipation, «soll eine gute Entscheidungsgrundlage haben.»
 Grundlagenbildung war zunächst auch im Rathaus-Saal angesagt. Im Rahmen zweier Fachreferate stellten Manfred Bischof (Verkehrsingenieure Eschen) und Philipp Patsch (Patsch Anstalt) jene von der Gemeinde in Auftrag gegebenen Untersuchungen vor, auf deren Basis der Gemeinderat im März 2019 sein Votum abgegeben hatte. Anschliessend war es an je einem Vertreter des Pro- und des Contra-Lagers, die Hauptargumente für den eigenen Standpunkt darzulegen.

Sperrung für Bürgermeister weiterhin «beste Variante»
Der eine, Bürgermeister Manfred Bischof, begründete die Notwendigkeit einer Sperrung unter anderem damit, dass der Rheindamm eine Hauptfahrradroute darstelle – ein Status, der durch die neue Langsamverkehrsbrücke zwischen Vaduz und Buchs wohl noch weiter an Gewicht gewinne. Zudem, ergänzte er, sei der Rheindamm ein wichtiges Naherholungsgebiet, das von vielen Menschen genutzt werde und durch eine Sperrung für den motorisierten Verkehr weiter an Attraktivität gewinne. Aber auch den Umstand, dass der Rheindamm nicht überall den geltenden Normen und auf die real gefahrenen Geschwindigkeiten ausgelegt ist, führte Bischof ins Feld: «Da stellt sich die Frage: Wer trägt die Verantwortung, wenn etwas geschieht?» Letztlich, so der Bürgermeister, gehe es darum, das im Verkehrsrichtplan von 2017 angemerkte Konfliktpotenzial abzubauen. «Und dafür ist die Variante Sperrung des Rheindamms für den motorisierten Verkehr noch immer die beste Variante.»
Der andere, Hansrudi Sele aus den Reihen des Komitee «Pro Rheindamm», sah die Sache naturgemäss anders. Er verwies unter anderem auf den Verkehrsrichtplan von 1999, der den Rheindamm als Sammelstrasse auswies. Das sei im Zuge der Aktualisierungen von 2017 auch bestätigt worden. «Und jetzt, zwei Jahre später, soll die Situation eine ganz andere sein?» Ferner sehen er und seine Mitstreiter Vaduz bei einer Sperrung des Rheindamms für den motorisierten Verkehr auf ein veritables Verkehrsproblem zusteuern. «Der Verkehr würde dadurch ins Städtle geleitet», so Sele. Dabei sei doch insbesondere die Herrengasse schon heute ein neuralgischer Punkt, «ein Flaschenhals».
Ein offener Rheindamm wäre hier ein geeignetes Gegenmittel, wie er anmerkte. «Er sorgt dafür, dass der Rückstau in der Herrengasse geringer ausfällt.» Er habe aber auch noch andere Vorzüge, etwa dass er abseits vom Siedlungsgebiet gelegen sei und als Zuleiter zur Autobahn fungiere. Gleichwohl, unterstrich Sele, sei das Engagement des Komitees nicht als Statement gegen Pedaleure zu verstehen. «Wir haben nichts gegen Radfahrer. Wir wollen lediglich eine gute Lösung für alle Verkehrsteilnehmer.» Vaduz, schloss er, brauche eine Umfahrungsstrasse. Eine attraktive Lösung für Radfahrer sei aber begrüssenswert – «beispielsweise über einen Ausbau des Wuhrwegs oder eine Umfahrung via Binnendamm».

Vom Zielkonflikt bis zur Schnapsidee
In der anschliessenden Diskussion waren Beiträge, die eine Rheindamm-Sperrung kritisch sehen, in der Überzahl. Mit einem autofreien Rheindamm sehe Vaduz einem Zielkonflikt entgegen, meinte etwa Gert Risch, Gründes der LMZ Dr Risch Gruppe. «Für eine funktionierende Wirtschaft ist der Autoverkehr wichtig. Menschen lassen sich nicht umerziehen.» Eine Sperrung koste die Unternehmen im Endeffekt aber auch Geld – weil Autofahrten dann länger dauerten.
 Ein anderer Einwohner verlieh seiner Sorge über das grössere Verkehrsaufkommen Ausdruck, das ihn und andere Landstrassen-Anwohner bei einer Rheindamm-Sperrung erwarte. «An uns denkt keiner. Wir sind es aber, die  diese vielen zusätzlichen Verkehrsbewegungen schlucken müssen.»
Peter Rutz, jahrelanger Präsident des nationalen Radfahrerverbands, wiederum fühlte sich an eine Diskussion erinnert, die in Triesen einst in ganz ähnlicher Form stattgefunden hatte. Er würde sich wünschen, dass man im Hauptort auch die gleichen Schlüsse zieht. «Damals wurde bekanntlich ein Kompromiss gefunden. Warum ist das hier in Vaduz nicht möglich? Weshalb nicht den Wuhrweg verbreitern?»
Eine für alle Parteien zufriedenstellende Lösung wäre auch das, was dem früheren Vaduzer Bürgermeister Karlheinz Ospelt vorschweben würde. «Hier werden Auto- und Radfahrer gegeneinander ausgespielt», bemängelte er. Stattdessen gehe es darum, alle Fortbewegungsarten gleichermassen zu fördern. Die Sperrung des Rheindamms tut das in seinen Augen nicht. «Den Autofahrern die einzige noch existierende Umfahrungsmöglichkeit zu nehmen – das ist, Entschuldigung für den Ausdruck, eine Schnapsidee.»

«Es gibt viele kritische Stellen»
Aufseiten der Befürworter einer Sperre erinnerte Georg Sele, Präsident des Verkehrs-Clubs Liechtenstein, an den ökologischen Aspekt der ganzen Angelegenheit. Um den CO2-Ausstoss zu senken, müssten insbesondere die vielen Autofahrten reduziert werden, bei denen sich nur eine Person im Wagen befinde. Die von Gert Risch negierte Umerziehung scheint in seinen Augen also durchaus möglich. Auch der Sicherheitsaspekt spricht laut Sele klar für eine Sperrung. Die durchgeführte Road Safety Inspection habe es aufgezeigt. «Es gibt viele kritische Stellen.» 
Herausgestrichen wurde auch mehrfach die Bedeutung des Rheindamms als Sportstätte und Ort für Auszeiten. «Haben sich diejenigen, die den Rheindamm offenhalten wollen überhaupt überlegt, wie sinnvoll es ist, eine Schnellstrasse durch ein Naherholungsgebiet verlaufen zu lassen?», fragte ein Besucher rhetorisch.
Verkehrsingenieur Manfred Bischof wies in seinem Votum darauf hin, dass der Radverkehr Potenzial habe, das zeige der Blick in andere Regionen. «Man muss nicht gegen Autos sein. Aber es geht darum, Verkehr intelligent zu gestalten und das richtige Verkehrsmittel zum richtigen Zweck zu nutzen.» (bo)

28. Jan 2020 / 07:00
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