• In Nendeln an der Churer Strasse 86 – dort, wo bis vor eineinhalb Jahren die Wohlwend Garage war – ist seit Mitte Januar der Türkisch-Islamische Kulturverein eingemietet.  (Gary Kaufmann)

Türkisch-islamischer Gebetsraum geplant

Der Türkisch-Islamische Kulturverein hat eine Nendler Liegenschaft gemietet. Im Moment ist allerdings noch nicht klar, ob er diese nutzen kann.

Eineinhalb Jahre steht die Geschäftsfläche an der Churer Strasse 86 in Nendeln schon leer. Nur die Beschriftung erinnert noch an die Wohlwend Garage, die letzte Mieterin. Im September 2019 zog das Team um Daniel Wagner an die Schaaner Zollstrasse, in die ehemaligen Räume der K-mobil Garage. Seither wird die Aktiengesellschaft unter dem Namen Wanger Garage weitergeführt. Als langjähriger Mitarbeiter hatte Wanger vor zwei Jahren das Unternehmen von Franz Wohlwend übernommen. Wie der ehemalige Geschäftsführer betont, sei die Liegenschaft an der Churer Strasse 86 nicht in seinem Besitz.

Nun möchte der Türkisch­Islamische Kulturverein die freien Räumlichkeiten in Nendeln als Gebetsraum nutzen. Vorsteher Tino Quaderer erklärt dazu: «Die Gemeinde wurde im Januar schriftlich über einen Rechtsanwalt davon in Kenntnis gesetzt, dass zwischen einer privaten Vermieterin und einem türkisch-islamischen Verein ein Mietverhältnis für ein Vereinslokal zustande gekommen sei.» Daraufhin wurden sowohl die Vermieterin als auch der Verein darauf hingewiesen, dass die Nutzung der Liegenschaft als Vereinslokal eine bewilligungspflichtige Umnutzung darstellen würde. «Schliesslich wurde die besagte Liegenschaft bis vor Kurzem als Autowerkstätte genutzt», so Quaderer.

Verein hat bislang kein Baugesuch eingereicht

Ob der Gebetsraum in Nendeln zustande kommt, bleibt vorerst ungeklärt. Wie Romano Kunz, Leiter Amt für Bau und Infrastruktur (ABI), weiss, ist für die Liegenschaft noch kein Bauantrag respektive Bauansuchen eingegangen. Auch Vorsteher Tino Quaderer teilt mit, dass der Gemeinde Eschen-Nendeln bisher keine Dokumente zur Stellungnahme respektive Prüfung weitergeleitet wurden. Präsident Hüseyin Helvaci bestätigt auf Anfrage, dass der Verein einen Gebetsaum in Nendeln plane. Im Moment könne er jedoch keine weiteren Auskünfte geben, weil gewisse Punkte noch offen seien.

Gegründet wurde der Türkisch-Islamische Kulturverein am 14. Dezember 2018, um sich in der Öffentlichkeit als eigene Identität sichtbarer zu machen. Davor war man an die Türkische Vereinigung in Liechtenstein gekoppelt, die 1974 gegründet wurde. Um 1990 kam es zu einer Spaltung der Glaubensgemeinschaft. Seither gibt es zwei liechtensteinische Moscheegemeinden. Der Türkisch-Islamische Kulturverein hat seinen Vereinssitz in Triesen, die Islamische Gemeinschaft im Fürstentum Liechtenstein (IGFL) in Nendeln. Letztere hat sich von der Grünen Moschee in Triesen abgekapselt. Obwohl sie ihren Vereinssitz in Nendeln hat, ist ihr aktuelles Vereinslokal in Sevelen, über der Grenze. Mit dem geplanten Gebetsraum in Nendeln habe der IGFL nichts zu tun, wie ein Sprecher klarstellt.

Über 2000 Muslime leben laut einer Studie des Liechtenstein-Instituts (2017) im Land. Darin formulieren anonym bleibende muslimische Gesprächspartner ihren Wunsch nach mehr Platz und zentraleren Gebetsräumen. Mit der Grünen Moschee in der Triesner Industrie betreibt der türkisch-islamische Verein derzeit die einzige Moschee in Liechtenstein. Der Verein mit rund 120 Mitgliedern finanziere sich durch deren Beiträge (25 Franken pro Monat), steht in der Studie. Weitere Einnahmequellen seien Vereinsaktivitäten und Spenden. Der in Triesen praktizierende Imam wird von der Türkisch-Islamischen Stiftung der Schweiz entschädigt. Vorsitzender Stiftungsrat ist Ali Erbas, Präsident des türkischen Amts für religiöse Angelegenheiten (Diyanet). Allerdings kommt der Verein aus Triesen selber für die Unterkunftsmiete und weitere Kosten des Imams auf.

Nicht der erste Anlauf für einen Gebetsraum

Es ist nicht das erste Mal, dass sich eine Liechtensteiner Moscheegemeinde um einen Gebetsraum bemüht, wie Auszüge aus der Geschichte des Islams im Land zeigen. Im März 2018 berichtete das «Volksblatt» über ein dreistöckiges Haus in der Industriezone Bendern, das der damals angekündigte Türkisch-Islamische Kulturverein mieten wollte und in Gemeindebesitz ist. Ein Gebetsraum ist dort nicht zustande gekommen. Die Islamische Gemeinschaft im Fürstentum Liechtenstein (IGFL) möchte schon länger nach Liechtenstein zurückkehren. Vor der Umsiedlung nach Sevelen hatte sie um das Jahr 2006 eine Industriehalle in Nendeln gemietet. Die Gemeinde bestand darauf, dass die Nutzung als Gebetsraum nicht zonenkonform sei. Nach einem längeren Gerichtsstreit über alle drei Instanzen musste die IGFL ausziehen.

Anders als beim IGFL-Fall befindet sich die Churer Strasse 86, an welcher die vom Türkisch-Islamischen Kulturverein Mitte Januar gemieteten Räumlichkeiten liegen, hingegen in der Wohnzone A. Der Gemeindebauordnung zufolge sind dort «mässig störende Betriebe» entsprechend der dritten Empfindlichkeitsstufe des Lärmbelastungsgrenzwerts zulässig. Tagsüber liegt der Immissionsgrenzswert für Industrie- und Gewerbelärm bei 65 Dezibel per Verordnung. Gemäss Baugesetz hat das ABI die Nachbarn über ein Baugesuch zu informieren. Diese können dann innerhalb von 14 Tagen Einsprache einlegen, falls der Antrag den gesetzlichen Vorgaben widerspricht oder «übermässige und das ortsübliche Ausmass überschreitende Immissionen zu erwarten sind». (gk)

03. Mär 2020 / 05:00
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