• Norman Wohlwend in Vaduz
    Norman Wohlwend, Gemeindevorsteher von Schellenberg.  (Daniel Schwendener)

Mobilfunkantenne: Der Vorsteher war dagegen

Am 11. März kam es zum Showdown im Schellenberger Gemeinderat: Die finale Abstimmung über die Mobilfunkantenne stand auf der Traktandenliste. Doch der Hickhack ist noch nicht vorbei: Jetzt kommt es zum Referendum.

 «Emotional und kontrovers» wurden die Debatten im Schellenberger Gemeinderat über die neue Mobilfunkantenne meist bezeichnet: Seit Dezember 2017 steht der Mobilfunkmast in der Eschner Rütte zur Diskussion. Damit soll der chronisch schlechte Handy-Empfang in Schellenberg verbessert werden.

Offensichtlich waren die Meinungen früh gemacht, denn in allen Gemeinderatssitzungen seither wurde betont, dass es unterschiedliche Positionen gibt und diese vehement vertreten werden. Die Befürworter konnten sich durch eine Einwohner-Umfrage bestärkt fühlen, in der sich mehr als die Hälfte über den schlechten Mobilfunk beklagte, die Gegner führten ihre Sorgen in einer Petition auf. 

 

Der Showdown stand schliesslich am 11. März an, als der Gemeinderat über einen elfjährigen Mietvertrag mit der Firma Salt Liechtenstein AG befinden sollte. Aufgrund der zuvor beschlossenen langen Mietdauer stand schon vor der Abstimmung fest, dass der Gemeinderatsbeschluss zum Referendum ausgeschrieben wird. 

Wohlwend:  «Bedenken wiegen höher»

Alle Gemeinderäte konnten nochmals ihre Position vertreten. Vorsteher Norman Wohlwend hielt fest, dass er dem ­Antrag der Firma Salt Liechtenstein AG auch mit einer Mindestlaufzeit von elf Jahren nicht zustimmen werde, da für ihn die massiven Bedenken zahlreicher Einwohner höher wiegen als der technische Fortschritt um jeden Preis.

Er erachte es als sehr wichtig, so gab er zu Protokoll, die Bedenken der Bevölkerung «ernst zu nehmen und diese nicht einfach zu ignorieren». Wohlwend wollte demnach auch nicht, dass es zu einer Volksabstimmung kommen kann.  Obschon sich diese Volksabstimmung abzeichnete, brachten einzelne Gemeinderäte ein, dass es nicht richtig sei, wenn man über die Köpfe und Bedenken von Menschen hinweg entscheide, «ohne selbst die Konsequenzen tragen zu müssen».

«Lage in Schellenberg zu prekär»

Die Gegner richteten einen «eindringlichen Appell» an die Befürworter, sich vor einem Entscheid diesen Sachverhalt nochmals selbstkritisch vor Augen zu führen. Die Befürworter hingegen betonten, dass die Lage in Schellenberg zu prekär sei und sich mit der Ab­schaltung von 2G noch verschlimmere, um nicht zu handeln. Zudem führten sie aus, dass es überall in Liechtenstein bereits Mobilfunkmasten gebe und dass gerade für die jüngere Generation der Mobilfunkempfang wichtig sei. Die Gemeinde Schellenberg könne sich dem Fortschritt nicht entziehen. Vielmehr sei es höchste Zeit, endlich einen vorausblickenden Entscheid zu fällen.

Der Vorsteher legte seine Position auch schriftlich dar. Genützt hat es nichts: Selbst aus der eigenen FBP-Fraktion stimmten zwei Gemeinderäte für die Antenne. Zusammen mit den drei VU-Stimmen ergab sich daraus ein knappes Ergebnis von 5 Ja-Stimmen gegen 4 Nein-Stimmen. Damit ist der Weg frei für eine Volksabstimmung, die sehr wahrscheinlich ist: Ralph Oehri und Urs Elkuch kündigten diese Woche an, das Referendum zu ergreifen. Sie waren es auch, die im Januar 2018 eine Petition gegen die Antenne im Gemeinderat einreichten. Oehri und Elkuch ­haben bis zum 16. Juni Zeit,  die erforderlichen 106 Unterschriften zu sammeln. Sie sorgen sich vor allem um die ­vermehrte Strahlenbelastung und damit um die Gesundheit der Einwohner in Reich- und Sichtweite der geplanten Antenne. (red/pd)

20. Mai 2020 / 15:26
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