• «Kein Luxusbau mit goldenen Hahnen»
    Im «Vaterland»-Interview sagte Feuerwehrkommandant Martin Konrad: «Ein Nein ist keine Lösung. Und gespart wird dadurch sicher nicht.»  (Daniel Schwendener)

«Kein Luxusbau mit goldenen Hahnen»

Der Vaduzer Feuerwehrkommandant Martin Konrad erklärt die hohen Kosten von 25,5 Mio. Franken für den geplanten Depot-Neubau.
Vaduz. 

Herr Konrad, für den Neubau des Depots der Feuerwehr sowie der Stützpunktfeuerwehr und des Samaritervereins sollen die Vaduzer 25,5 Mio. Franken investieren. Eine stolze Summe. Schaan hat ein Depot für 11 Mio., Balzers eines für 16,3 Mio. Franken gebaut. Geht es in Vaduz nicht auch günstiger?Martin Konrad: Als ich die Summe zum ersten Mal gehört habe, musste ich ehrlich gesagt auch schlucken. Deshalb verstehe ich, dass dieser Betrag kritisch hinterfragt wird. Wer allerdings hinter die Kulissen blickt, kann nachvollziehen, weshalb dieses Gebäude teurer und doppelt so gross wird, als jenes in Schaan. Wir als Freiwillige Feuerwehr Vaduz und insbesondere in der Funktion als Stützpunktfeuerwehr des Landes, stehen heute vor der grossen Herausforderung, dass wir unser Einsatzmaterial nicht vollständig im Depot griffbereit, sondern auf zwei weitere Aussenlager verteilt haben. Hier muss das Material im Ereignisfall zuerst geholt werden – dies bindet Ressourcen und wir verlieren Zeit, wichtige Zeit! Im neuen Depot werden wir genügend Platz haben um sämtliche Anhänger und Utensilien unter einem Dach zu haben. Zudem soll das Gebäude mindestens für die nächsten 50 Jahre Bestand haben. Entsprechend wurde auch berücksichtigt, dass sowohl die Samariter wie auch wir linear zur Bevölkerung wachsen werden. Der Platzbedarf wurde von allen Involvierten detailliert ermittelt und im Verpflichtungskredit sind auch die Kosten für den Projektwettbewerb und die Bauherrenreserven enthalten. Es wird kein Luxusbau mit goldenen Wasserhahnen – es handelt sich um einen reinen Zweckbau. Und zwar nicht nur für uns, sondern für die Bevölkerung. Denn nur durch ein den Anforderungen gerechtes Depot können wir im Ereignisfall schnellstmöglich vor Ort sein, helfen und Leben retten.

Teurer wird es also hauptsächlich, weil es auch grösser wird. Aber warum muss es denn so gross ein? Was muss denn ausser ein paar Einsatzfahrzeuge und Gerätschaften alles untergebracht werden?
Diese Frage kann nur stellen, wer sich mit den Aufgaben der Feuerwehr wirklich nicht auskennt (lacht). Aber mir ist klar, dass sich viele Menschen diese Fragen stellen, weil sie noch nie einen Blick hinter die Kulissen geworfen haben. Die Feuerwehr ist heute für weit mehr als für die Brandlöschung zuständig. Die Gefährdungsanalyse des Amtes für Bevölkerungsschutz zeigt 28 Szenarien auf, die in Liechtenstein eintreten können. Für die meisten davon ist die Feuerwehr zuständig. Für die Abwehr dieser Gefahren müssen wir auch über die richtigen Gerätschaften verfügen, die angeschafft werden mussten. Diese Szenarien geben uns also vor, wie wir ausgerüstet sein müssen. Ausserdem werden wir von der Landespolizei auch für viele weitere «Notfälle» aufgeboten, für die es keine andere Anlaufstelle in Liechtenstein gibt.

Mit den Aufgaben hat also auch der Materialbestand zugenommen …
Ja. Wir verfügen über viele Gerätschaften und Einsatzmaterial, das mit den Fahrzeugen schnell vor Ort gebracht werden muss. Viele Fahrzeuge sind Spezialfahrzeuge, die aber nur einseitig genutzt werden können. Um das Material vor Ort zu transportieren, brauchen wir also auch Rüstfahrzeuge – und hier arbeiten wir bereits an der unteren Grenze. Dadurch, dass wir uns aber für ein so genanntes «Modulsystem» entschieden haben, haben wir die Möglichkeiten, diese Rüstfahrzeuge je nach Notfall kurzfristig mit dem richtigen Material auszustatten. So sind wir doch recht flexibel und trotzdem schnell. Das gesamte Material können wir aber nicht auf die Rüstfahrzeuge verteilen. Dafür würden wir nochmal zwei Rüstfahrzeuge zusätzlich benötigen.

Sie haben also eine gute Lösung gefunden, sehen aber trotzdem keine Zukunft im bestehenden Depot …
Optimale Betriebsabläufe sehen anders aus. Das beginnt bereits bei den Parkplätzen: Für 65 Feuerwehrleute stehen nur 10 Parkplätze zur Verfügung. Im Ereignisfall ist das ein grosses Problem. Weiter gilt es hier auch den Blick in die Garderoben zu werfen, die heute auf zwei Stockwerke aufgeteilt sind. Wenn es schnell gehen muss, kommen die Ersten bereits umgezogen die enge Treppe herunter, während andere hinaufrennen. Die sanitären Anlagen sind alt und nur auf Männer ausgelegt. Das alles erfordert in der heutigen Situation eine hohe Flexibilität und manchmal auch Kreativität. Und glücklicherweise ist unsere Feuerwehrfrau auch sehr unkompliziert und organisiert sich selbst (lacht). Ganz entscheidend hinzu kommt, dass unser bestehendes Depot nicht Erdbebensicher ist und eigentlich schon gar nicht mehr benutzt werden dürfte…

Es ist unbestritten, dass wir die Feuerwehr brauchen und dankbar dafür sind, was sie für die Bevölkerung leistet. Die Frage ist doch vielmehr: Geht es nicht auch kleiner und mit weniger Geld? In anderen Gemeinden geht es ja auch.
Bei dieser Frage darf man nicht vergessen, dass wir eine andere Ausgangslage haben als die Feuerwehren in anderen Gemeinden im Land. Tagsüber befinden sich neben Einwohnern auch sehr viele Arbeitskräfte und Touristen in Vaduz. Wir rechnen gesamthaft mit
10 000 Personen täglich. Daher muss unsere Feuerwehr auch entsprechend grösser aufgestellt und darauf vorbereitet sein. Wir müssen uns aufgrund der Gefahren und möglichen Szenarien aufstellen. Fragen Sie ausserdem die Bevölkerung, was sie von der Feuerwehr erwartet. Wir kennen die Antworten. Die Feuerwehr muss schnell sein. Und professionell. Das können wir aber nur, wenn wir uns so optimal als möglich auf die Einsätze vorbereiten können. Dafür benötigen wir die richtigen Gerätschaften und Materialen sowie entsprechende Ausbildung unserer Feuerwehrleute. 

Stichwort Stützpunktfeuerwehr: Was macht diese genau und warum können diese Gerätschaften nicht bspw. in einem anderen Feuerwehrdepot und damit bei einer anderen Feuerwehr gelagert werden?
Weil dann diese andere Feuerwehr auch die Aufgaben der Stützpunktfeuerwehr übernehmen müsste. Diese wird landesweit gerufen bei einer Strassenrettung oder wenn ein Hubrettungsfahrzeugs oder ein mobiler Grossventilator benötigt wird. Ausserdem fungiert die Stützpunktfeuerwehr auch als Strahlenwehr. Und das ist eine Herausforderung, denn diese Spezialaufgaben müssen neben den normalen Feuerwehraufgaben mit den vorhandenen personellen Ressourcen bewältigt werden. Die Aufgaben der Stützpunktfeuerwehr sind zudem seit Jahrzehnten in Vaduz angesiedelt.  Unsere Feuerwehrleute sind speziell für diese Aufgaben ausgebildet. Die Kosten für Investitionen und den Betrieb gehen hier übrigens zu Lasten des Landes. Die im bestehenden wie auch im neuen Depot benötigten Flächen für Fahrzeuge, Anhänger und Gerätschaften werden von der Gemeinde an das Land vermietet.

Die Mär von den «nur drei zusätzlichen Wagen», die in Vaduz untergebracht werden müssen, stimmt also nicht. Und: Das Land Liechtenstein müsste sich auch im neuen Gebäude einmieten?
Es ist richtig, dass es sich zum einen um drei Fahrzeuge handelt, den Hubretter, den Verkehrsretter sowie den Grosslüfter, aber zusätzlich kommen noch etliche Spezialanhänger und Materialien. Hierfür würde das Land eine Fläche von rund 250 m2 im neuen Depot anmieten. 

Warum kommt ein An- und Umbau am bestehenden Standort nicht in Frage?
Wir können gerne mal um das Gebäude herum gehen. Wir sind auf drei Seiten durch Strassen eingegrenzt. Und nordseitig befinden sich Wohnhäuser. Ich wüsste nicht, wo man hier anbauen sollte. Es besteht schlichtweg keine Möglichkeit. Es wurde hier gemacht, was möglich war – mehr geht nicht. Das ist mit ein Grund warum der neue Standort auch berücksichtigt, dass in ferner Zukunft eine Erweiterung des Depots, beispielsweise für einen neuen Zivilschutz, umsetzbar wäre.

Sollten die Einwohner von Vaduz am 6. Oktober Nein zum Projekt sagen: Wie geht es weiter?
Natürlich werden wir den Willen des Wählers akzeptieren. Aber ein Nein ist keine Lösung. Es besteht Handlungsbedarf. Die 25 Mio. Franken wären auch nicht gespart. Und eine Alternative sehe ich nicht.

Benötigt denn jede Gemeinde eine Feuerwehr und ein eigenes Depot? Würde nicht eine für das ganze Land reichen?
Die Gemeinden sind per Gesetz verpflichtet, eine eigene Feuerwehr zu unterhalten. Ist das nicht mehr gewollt, müsste das Gesetz geändert werden. Heute sind die Feuerwehren in Vereinen organisiert und fördern somit auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt. 

Wäre eine Berufsfeuerwehr für das gesamte Land aber eine Idee? Könnten dadurch Kosten gespart werden?
Wenn ich hier in Vaduz auf den Einsatzknopf drücke, erreiche ich in wenigen Minuten 600 Freiwillige Feuerwehrleute im gesamten Land. Das kann eine Berufsfeuerwehr mit einem eingeschränkten Personalbestand nicht bieten. Die Kosten für fixe Löhne würden zudem sicher keine Einsparungen bringen. Und jede Berufsfeuerwehr ist je nach Einsatz immer auch auf Freiwillige angewiesen. Sie sehen: Wir haben ein gut funktionierendes System. Warum sollten wir das ändern?

Interview: Desirée Vogt

14. Sep 2019 / 07:00
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