• Altes Rathaus in Triesenberg
    Die Sanierungsarbeiten am «Alten Rathaus» dauern bis Ende Oktober.  (Daniel Schwendener)

Historische Ziegel des «Alte Rathaus» sollen erhalten bleiben

Das «Alte Rathaus» in Triesenberg wird teilsaniert. Das Dach soll seinen Charakter behalten.
Triesenberg. 

Das «Alte Rathaus» prägt das Triesenberger Dorfbild wesentlich. Doch momentan versteckt sich das über 250 Jahre alte Gebäude hinter einem Baugerüst. Der Grund: Dach, Fenster und Fassadensockel werden momentan in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege saniert. «Um das altehrwürdige Rathaus zu erhalten, ist diese Sanierung notwendig», sagt Triesenbergs Vorsteher Christoph Beck. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis Ende Oktober. Rund 350 000 Franken kosten die Sanierungsarbeiten. Der aufwendigste Teil ist dabei das Dach, welches aus historischen Biberschwanzziegeln besteht. Dieser robuste Ziegel aus Ton wurde bereits im 14. Jahrhundert verwendet und prägt das Aussehen eines Daches wesentlich. Der Name des Dachziegels ist seiner Form geschuldet. Er endet in einer Rundung und ist in der Mitte durch einen leicht erhobenen Strich längs halbiert, was an einen Biberschwanz erinnert.
«Das Dach ist die fünfte Fassade eines Hauses. Historische Materialien und Baudetails prägen das Baudenkmal. Wann immer möglich, soll die historische Eindeckung mit Biberschwanzziegeln erhalten bleiben», sagt Patrik Birrer, Leiter der Denkmalpflege Liechtenstein. Die Ziegel seien wertvolle Zeugnisse der Handwerkskunst und würden mit ihrer Patina zur Authentizität des Baudenkmals beitragen. Aus diesem Grund sollen die Ziegel gemäss Leitlinien der Denkmalpflege instand gestellt und nicht ersetzt werden. 

Dachdecker kontrolliert jeden Ziegel
Die Biberschwanzziegel am alten Rathaus werden momentan demontiert, gereinigt und kontrolliert. «Der Dachdecker hat als Fachmann den Blick dafür und die Erfahrung, ob ein Ziegel noch intakt ist und wiederverwendet werden kann», erklärt Patrik Birrer. Nach dem Einbau eines neuen Unterdachs werden die alten Ziegel wieder montiert. Müssen welche ersetzt werden, seien solche alte Biberschwanzziegel auf dem Markt erhältlich. Auch die Denkmalpflege selbst hat in ihrem Bauteilelager noch welche vorrätig. 

Historische Ziegel  sollen erhalten bleiben

Die linke Seite des Daches ist bereits wieder mit den historischen Biberschwanzziegeln neu eingedeckt.


Baudenkmal mit Geschichte
Das «Alte Rathaus» ist eines der ältesten Baudenkmäler in Triesenberg. Es wurde gleichzeitig mit der ersten Pfarrkirche in den Jahren 1767/68 als Pfarrhaus errichtet und erinnert so auch an die Gründung der eigenen Pfarrei in der Walser-
gemeinde. Als Planer fungierte der berühmte Bregenzerwälder Barockbaumeister Peter Bein aus Hittisau. Fünfzehn Pfarrer wohnten bis 1967 in diesem Haus. Wie Historiker Josef Eberle in einem Beitrag aus dem Jahr 2011 schrieb, können sich ältere Leute noch an die aussergewöhnliche Türöffnerfunktion erinnern. Wer an der Pfarrhausglocke läutete, wurde durch ein Rumpeln überrascht. Denn vom ersten Stock aus konnte die Türe mit einer mechanischen Fernbedienung geöffnet werden. 
1951 wurde das Pfarrhaus unter Denkmalschutz gestellt, trotzdem gab es ab dem Jahr 1959 Bestrebungen, das Gebäude abzubrechen – was nicht gelang. Insgesamt wohnten von 1768 bis 1967 fünfzehn Pfarrer in diesem Gebäude. Nach dem Umzug des letzten Bewohners, Pfarrer Engelbert Bucher, ins neue Pfarrhaus beim Hag, beherbergte das historische Haus eine Filiale der Zahnfabrik Ivoclar. Anschliessend wurde das Gebäude im Jahr 1968 zum Rathaus umgebaut. 1982 erfolgte ein weiterer Umbau, bei dem eine Wohnung im Obergeschoss aufgehoben und das Dachgeschoss zum Gemeinderatszimmer umgebaut wurde.
Im Jahr 2010 zog die Gemeindeverwaltung schliesslich in das neue Verwaltungsgebäude ein. Der Gemeinderat tagt zwar bis heute im «Alten Rathaus», ansonsten fristete das Gebäude bis vor Kurzem ein stiefmütterliches Dasein. Doch seit Anfang dieses Jahres konnte zumindest der untere Stock einem neuen Nutzen zugeführt werden: Das gemeinnützige Projekt «Gwirbi Coworking Triesenberg» belebt das historische Gebäude mit Gemeinschaftsbüro und Veranstaltungen. (manu)

14. Sep 2019 / 07:00
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