• Tag der offenen Tür Landgasthof Mühle Vaduz 190818
    Moderator Martin Frommelt, Bürgermeister Manfred Bischof und Gemeinderätin Daniela Ospelt. (v. l.)  (Daniel Ospelt)

Besichtigung mit Brainstorming

Mit einem Tag der offenen Tür versuchte die Gemeinde Vaduz, Ideen für die Zukunft des ehemaligen Landgasthofs Mühle zu sammeln.
Vaduz. 

Partizipation wird im Liechtensteiner Hauptort derzeit grossgeschrieben. Im «Base Camp Vadozner Huus» können die Einwohnerinnen und Einwohner auf dem Dach der Marktplatzgarage noch bis zum 
28. September ihre Ideen für die Entwicklung des Vaduzer Zentrums einbringen. Und auch hinsichtlich der Zukunft der «Mühle»-Liegenschaft, die sich seit zwei Jahren in Gemeindebesitz befindet, hat die Meinung der Vaduzer Gewicht. «Da es verschiedene Ansichten über die Zukunft des Anwesens gibt, bisher jedoch kein Entscheid gefällt wurde, erachtet es der Gemeinderat als wichtig, bei dieser Frage die Bevölkerung miteinzubeziehen, bevor erhebliche finanzielle Mittel zur Sanierung respektive zum Umbau des Gebäudes gesprochen werden», heisst es in einem Informationsblatt, das kürzlich an alle Haushalte ging. Für einen Umbau, auch das ist der Zusendung zu entnehmen, rechnet die Gemeinde mit Kosten in Höhe von 3 bis 4 Millionen Franken – unabhängig von der Gebäudenutzung. Die Kosten für eine Sanierung und Weiterverpachtung als Landgasthof verortet sie bei 6 bis 8 Millionen Franken. Die dritte Option, ein Rückbau mitsamt Humusierung, schlüge mit gut 0,9 Millionen Franken zu Buche.
Vollzogen wurde der angekündigte Miteinbezug der Vaduzer gestern in Gestalt eines Tages der offenen Tür. Interessierte erhielten dabei nicht nur die Gelegenheit, sich ein Bild vom Innenleben des ehemaligen Gastronomiebetriebs zu machen. Sie konnten im Rahmen mehrerer moderierter Diskussionsrunden auch kundtun, welche künftige Nutzung des Gebäudes und des Grundstücks ihnen vorschwebt. Alternativ bestand die Möglichkeit, seine Ideen per Abgabe einer Umfragekarte zu deponieren, was im Übrigen auch noch bis zum 30. September per Post oder E-Mail (kanzlei@vaduz.li) nachgeholt werden kann.

Grosses Gebäude mit grossem Sanierungsbedarf
Wer die «offene Tür» gestern durchschritt, dem wurde von Bürgermeister Manfred Bischof sogleich der ausgeschilderte Rundgang ans Herz gelegt. Mit gutem Grund, wie sich schnell zeigte. Der Streifzug durch Gäste- und Personalzimmer, Kühl- und Lagerräume, Kellerabteile, Küche, Gaststuben und Pächterwohnung  offenbarte zum einen die riesigen Dimensionen des 43 Jahre alten Gebäudes, zum anderen aber auch den bisweilen stark ausgeprägten Sanierungsbedarf. Den Besuchern wurde so ein Gefühl für die Lokalität vermittelt und zugleich ein Fundament geschaffen, um Ideen für die Zukunft zu entwickeln respektive bereits bestehende Gedankengänge gegebenenfalls an die Realitäten anzupassen.
Die Gemeinde hätte damals, bevor sie die Liegenschaft erwarb, womöglich auch etwas genauer hinsehen müssen. Das ursprüngliche Vorhaben, einen neuen Pächter zu finden, der den Landgasthof weiterführen sollte, schlug jedenfalls fehl. Die Kosten für eine allfällige Sanierung stiegen, je tiefer man sich mit der Materie beschäftigte – und damit auch der Pachtzins, was letztlich sämtliche Interessenten Abstand nehmen liess. «Wir gingen die Sache wohl etwas zu blauäugig an», gestand Gemeinderat Josef Feurle im Rahmen eines ersten Gedankenaustauschs denn auch ein.
Vielleicht ist es – neben den zu erwartenden Kosten – ein Stück weit auch dieser Historie geschuldet, dass die Option Weiterführung als Landgasthof in eben jener Diskussionsrunde insgesamt wenig Gefolgschaft fand. Gastronom Rolf Berger war zwar der Überzeugung, dass die «Mühle» als reines Restaurant theoretisch auch mit einer deutlich weniger teuren «Pinselrenovation» betrieben werden könnte. Architekt Siegbert Kranz warnte jedoch – trotz grundsätzlicher Zustimmung – vor fortlaufend anfallenden Kosten. Daneben brachte Josef Feurle auch eine emotionale Komponente ins Spiel, die einer Weiterverpachtung entgegenstehen könnte: «Die Mühle von damals bekommen wir ohnehin nicht wieder. Martin (Jehle, früherer Inhaber, Anm. d. Red.) und sein Team sind nicht mehr da. Wir würden mitunter eine Enttäuschung erleben.»

Ein Heim für Vaduzer Vereine
Doch was wären mögliche Alternativen zu einem Landgasthof Mühle? An Ideen mangelte es den eifrigen Diskutanten wahrlich nicht. Karlheinz Ospelt, ehemaliger Bürgermeister von Vaduz, nannte beispielsweise das Betreiben eines Saals, verbunden mit einem Catering-Angebot, als prüfenswerte Möglichkeit. Aber auch die Nutzung des hinteren Gebäudebereichs als Vereinshaus wäre in seinen Augen eine interessante Option. Markus Meier war dies-
bezüglich der gleichen Ansicht: «Dieses Bedürfnis ist vorhanden. Wir haben einige Vereine, die sich gegenwärtig auf Raumsuche befinden.» Und im vorderen Teil der Mühle, fuhr er fort, könnte doch ein Stammtischlokal betrieben werden, wie es sie heutzutage leider kaum noch gebe – obschon die Menschen sich danach sehnten. Rolf Berger wiederum schlug eine Vermietung der ehemaligen Gäste- und Personalzimmer an Studenten vor – «so wie das auch im ehemaligen Hotel Schlössle gemacht wird». Ein anderer Herr wünschte sich dagegen, dass die Mühle zu einem Treffpunkt für Senioren wird, eventuell verbunden mit Wohnmöglichkeiten. «Die Bushaltestelle ist vor der Tür, die Einkaufsmöglichkeit auf der anderen Strassenseite, das Schwimmbad in unmittelbarer Nähe – die Lage wäre doch ideal», sagte er.

Ein Treffpunkt der Generationen
Doch auch die jüngere Generation wüsste etwas Sinnvolles mit der Liegenschaft anzufangen, wie Stefan Biedermann vom Verein «aha - Jugendinformation Liechtenstein» ausführte. Die «aha»-Stelle, der Vaduzer Jugendtreff Camäleon und der Schaaner Jugendtreff Popcorn hätten alle das gleiche Problem – ihre dezentrale Lage. Mit der Mühle könne dieses Problem behoben werden. «Wir haben das gemeinsam diskutiert und sind überzeugt, dass es für die Jugendlichen sehr attraktiv wäre, wenn wir hier eine zentrale Jugendstelle einrichten könnten.» Womöglich, schaltete sich daraufhin eine Dame in die Diskussion ein, könnten Alt und Jung das Gebäude ja auch gemeinsam nutzen. «Es wäre doch toll, wenn wir die Generationen hier zusammenführen könnten.» 
Bei so vielen konstruktiven Vorschlägen musste Option drei – ein Abriss – mit einer Nebenrolle Vorlieb nehmen. Womöglich hatte es eine Besucherin ganz zu Beginn der Gesprächsrunde aber auch einfach schon auf den Punkte gebracht: «Dieses Haus abzubrechen wäre unglaublich schade.» (bo)

18. Sep 2019 / 22:02
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