• Schloss Vaduz 2018
    I.K.H. Erbprinzessin Sophie von und zu Liechtenstein hat Land und Leute schon von Beginn an ins Herz geschlossen.  (Roland Korner / Close Up AG)

«Ich schätze den Humor der Liechtensteiner»

In München geboren und in Wildbad Kreuth aufgewachsen, ist Erbprinzessin Sophie der Liebe wegen nach Liechtenstein gezogen. Das fiel der Gemahlin des Erbprinzen aber nicht schwer: Land und Leute sind ihr schnell ans Herz gewachsen. Nur mit dem Dialekt funktioniert es nicht so gut …

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie zum ersten Mal von Liechtenstein gehört haben?

I. K. H. Erbprinzessin Sophie von und zu Liechtenstein: Ich bin mir leider nicht mehr sicher, wann ich das erste Mal von Liechtenstein gehört habe. Deshalb kann ich mich auch nicht mehr genau erinnern, was mir damals durch den Kopf ging.

Und was, als Sie es schliesslich zum ersten Mal gesehen haben?

Mein erster Besuch im Land war an einem Wochenende im Sommer Anfang der 90er-Jahre. Mein Mann hatte mich zusammen mit anderen Freunden eingeladen. Der Besuch hat mir natürlich sehr gefallen, ich fand das Land wunderschön. Noch heute freue ich mich jeden Tag über den Blick, den man vom Schloss aus aufs Rheintal hat.

Sie haben Ihren Mann zum ersten Mal auf dem Geburtstagsfest eines Cousins in München gesehen. War es Liebe auf den ersten Blick?

Haha, nein, das war es nicht. Es hat noch ein bisschen gedauert, bis es «gefunkt» hat, aber dann ist es schnell gegangen.

Mit Ihrer Eheschliessung wurden Sie auch automatisch liechtensteinische Staatsbürgerin. Nach einigen Jahren in London sind Sie schliesslich nach Liechtenstein gezogen. Ist es Ihnen damals schwergefallen, Ihre Heimat endgültig zu verlassen?

Nein, es ist mir nicht so schwergefallen. Meine Mutter ist Schwedin, meine Grossmutter väterlicherseits stammt aus Ungarn. Daher war es für mich irgendwie selbstverständlich, dass man seine Heimat der Ehe wegen vielleicht verlässt. Natürlich freue ich mich, wenn ich gelegentlich nach Bayern fahren und meine Familie besuchen kann. Manchmal wäre es schön, es wäre spontaner möglich, auf einen Sprung vorbeizuschauen. Aber schwer ist es mir nicht gefallen, meine Heimat zu verlassen.

Was haben Ihre Freunde und die Familie gesagt, als Sie sich damals für Erbprinz Alois und damit für Liechtenstein als Ihre neue Heimat entschieden haben?

Meine Familie hat sich über meinen Mann gefreut. Sie kannten ihn ja bereits, er war immer wieder auch bei uns zu Hause auf Besuch. Mein Mann hat in Salzburg studiert, da war mein Elternhaus nicht sehr weit entfernt und auch «auf dem Weg».

Hand aufs Herz: Was war der grösste Unterschied zu Ihrem früheren Leben in Bayern, wo Sie sehr behütet mit ihren vier Schwestern aufgewachsen und im Dorf normal zur Schule gegangen sind?

Im Grunde war es kein sehr grosser Unterschied. Der Unterschied zur Kindheit und Jugend lag mehr an der neuen Lebensphase. Als Ehefrau und Mutter stellt das Leben andere Aufgaben an einen als an ein Kind oder einen Jugendlichen.

Was schätzen Sie an Land und Leuten?

Oh, vieles! Ich schätze die Innovationskraft und den Erfindergeist der Liechtensteiner, den Fleiss und das Bewusstsein für Qualität. Dinge haben Hand und Fuss. Auch schätze ich den Sinn für Humor der Liechtensteiner, die Gradlinigkeit und ganz besonders das Unkomplizierte, Familiäre. Ja und natürlich die Freude an der Natur.

Verraten Sie uns Ihren Lieblingsplatz/Ort in Liechtenstein?

Oh je, ich kann mich nie entscheiden, es gibt so viele wunderschöne Plätze im Land. Und immer noch entdecke ich neue Orte, an denen ich gerne bin. Das ist schon etwas Spezielles an Liechtenstein, es gibt so viele schöne Winkel und Plätze!

Allzu viele traditionelle liechtensteinische Gerichte gibt es ja nicht. Aber kommt ab und an auch einmal Riebel auf den fürstlichen Tisch?

Ja. Aber das letzte Mal ist es schon ein bisserl her. Riebel muss es bald mal wieder geben.

Wie gut ist in der Zwischenzeit eigentlich Ihr Liechtensteiner Dialekt? Sprechen Sie ihn?

Manchmal rutscht mir etwas raus, aber ich bin sicher, dass es furchtbar klingt, wenn ich Dialekt spreche. Die Kinder, die den Dialekt natürlich können, haben es mir auch immer – zu Recht – verboten, ihn zu sprechen.

Im Gegensatz zu anderen Monarchen oder Königshäusern lebt die Fürstenfamilie in Liechtenstein sehr zurückgezogen und ist nicht oft in den Medien zu sehen. Werden Sie im Ausland auf den ersten Blick erkannt?

Nein, überhaupt nicht. Ich finde das sehr angenehm, so kann man sich gut und frei bewegen. Stellen Sie sich vor, Sie gehen auf der Autobahn tanken und die Leute sprechen Sie an der Kasse an – mir wäre das sehr unangenehm.

Auch in Liechtenstein selbst mischen Sie sich völlig unkompliziert unter das Volk. Man kann Sie auch mal in Vaduz beim Einkaufen antreffen. Wie reagieren die Liechtensteiner, wenn sie Ihnen begegnen?

Die Liechtensteiner reagieren gar nicht gross, sondern es ist eben ganz normal, dass man auch mal was einkaufen muss. Das ist ja genau das, was ich so an den Liechtensteinern schätze. Man nickt, grüsst und wenn man jemanden kennt, kommt man vielleicht ins ­Gespräch. Aber völlig unkompliziert, wie das halt so ist unter Nachbarn. Eher reagieren manchmal die Ausländer, die das nicht erwarten. Aber zum Glück erkennen sie einen meist nicht, sodass man in Ruhe seine Sachen erledigen kann. Einmal, und das war wirklich das einzige Mal, dass mir das ­passiert ist, hat eine kleine Gruppe amerikanischer Jugendlicher in Vaduz Postkarten gekauft und eines der ­Mädchen hat mich im Vorbeigehen erkannt. Sie lief mir mit der Postkarte in der Hand hinterher und fragte «Is that you?» – wir haben sehr gelacht.

Ihre vier Kinder sind heute bereits alle volljährig. Wie geht es ihnen und welche Erfahrungen machen diese mit dem Nachnamen «Liechtenstein»?

Ja, sie sind jetzt alle vier volljährig und es geht ihnen sehr gut, danke sehr. Welche Erfahrungen sie mit dem Nachnamen machen, müssen Sie sie aber besser selbst fragen. Eine Erfahrung, die wir aber alle immer wieder machen, ist, dass unsere Pässe meist sehr genau angeschaut werden, weil nicht nur der Pass, sondern auch der Nachname auf Liechtenstein lautet. Je weiter weg von Europa, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass man gefragt wird, was das denn für ein Pass und für ein Land sei …

Sie sind sozial sehr engagiert mit der Sophie von Liechtenstein Stiftung, als Präsidentin des Roten Kreuzes oder auch als Schirmherrin des Tierschutzvereins. Engagiert sich in Ihren Augen auch der Staat Liechtenstein in sozialer Hinsicht genügend?

In Ländern wie Liechtenstein macht der Staat vielleicht etwas weniger in sozialer Hinsicht als in Hochsteuerländern, dafür hat der Bürger grössere Freiheit im Umgang mit seinen Mitteln. Diese Freiheit bedeutet aber auch Verantwortung. Unser System ermöglicht und erleichtert engagierten Bürgern, freier über ihre Mitteln zu verfügen und sich auch vermehrt für Schwächere einzusetzen. Sie haben sich oft gründlich mit der Materie auseinandergesetzt und können – durch weniger Bürokratie eingeschränkt – schnell und lösungsorientiert helfen. Die Verantwortung bleibt mehr bei den einzelnen Menschen, die Bürger rufen nicht sofort nach dem Staat. Vielleicht ist das langfristig sozialer, als den Menschen ihre Verantwortung abzunehmen. Wichtig erscheint mir in diesem Zusammenhang aber, diejenigen, die aus dem Ausland hierherkommen, ­darüber gut informiert zu wissen.

Viele Menschen bemängeln, dass unser Wohlstand Grundwerte wie Nächstenliebe, Menschlichkeit und Loyalität zunehmend zunichte macht. Sehen Sie das auch so?

Die Gefahr besteht sicher. Für diesen Werteverlust mag vielleicht auch die abnehmende Bedeutung der Religion verantwortlich sein, wobei dies zum Teil wiederum mit dem zunehmenden Wohlstand verbunden sein könnte. ­Andererseits gibt es gerade in Liechtenstein immer offene Ohren und viele grosszügige Herzen für Menschen in Not, was ich beispielsweise bei den Hilfsaufrufen des Roten Kreuzes immer gerührt und dankbar sehe. Wir haben zudem eine Vielzahl von privat gegründeten Hilfsorganisationen im Land, deren Hilfeleistungen ­beeindrucken.

Derzeit ist der UN-Migrationspakt in aller Munde, die Politik steht diesem, wie sich im Landtag gezeigt hat, mehrheitlich negativ gegenüber. Wie stehen Sie zum Thema ­Migration?

Ich glaube, das Thema ist sehr vielschichtig und ich muss gestehen, ich habe den Migrationspakt nicht gelesen, so kann ich mich nicht äussern. Sowohl mein Vater als auch meine Schwiegermutter mussten vor oder während des Zweiten Weltkrieges fliehen. Ohne die Möglichkeit, in einem anderen Land Aufnahme zu finden, gäbe es heute vielleicht weder meinen Mann noch mich. Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisengebieten muss geholfen werden. Idealerweise aber möglichst nahe ihrer Heimat und mit dem Ziel, Heimkehr zu ermöglichen. Und natürlich ist es für ein Land wichtig, ­sicherzustellen, dass Aufnahme nicht unkontrolliert stattfindet.

Welche persönlichen Ziele möchten Sie in den kommenden Jahren noch verfolgen? Gibt es Projekte, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Neue Projekte gibt es momentan keine, meine verschiedenen jetzigen Aufgaben machen mir Freude und ­füllen mich zeitlich gut aus. Persönlich wünsche ich mir ­vielleicht etwas mehr Zeit für meine Familie. Neben unseren Kindern, die zwar inzwischen erwachsen sind und im Ausland studieren, meine ich damit auch meine Familie.

Wie wird Liechtenstein in 50 Jahren aussehen?

Das wüsste ich auch gerne. Ich bin neugierig, wie die technische Entwicklung, die Klimaveränderung, die ­Alterspyramide und die Bevölkerungsstruktur und -zusammensetzung sich entwickeln werden. Wie der Umgang mit beschränkten Ressourcen geregelt werden wird. Welche Antworten eine sich im Wandel befindliche Gesellschaft wie unsere auf Fragen und ­Herausforderungen wie Überalterung, sinkende Fruchtbarkeit und neuestens traurigerweise sogar die Schaffung genmanipulierter Kinder finden wird. Eine Gesellschaft, die sich gleichzeitig nach Einfachheit, Ursprünglichkeit, Angenommensein und Authentizität sehnt. Die den neuen technischen Entwicklungen gegenüber einerseits höchst aufgeschlossen und andererseits gleichzeitig beunruhigt über deren Auswirkungen ist. Spannende Fragen – ich kenne die Antworten nicht.

Mit Blick auf die Zukunft Liechtensteins – was wünschen Sie sich?

Friede und Sicherheit für unser Land. Klugheit, Weitsicht und Demut bei den Entscheidungsträgern. Gelassenheit, Zuversicht und natürlich Gottes Segen für die Menschen in Liechtenstein. (dv)

23. Jan 2019 / 08:00
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistkommentiert
25. März 2019 / 14:59
01. April 2019 / 11:58
17. April 2019 / 11:41
Aktuell
24. April 2019 / 12:33
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
hierbeimir_Logo_basic
Zu gewinnen 1 Ravensburger Puzzle Schloss Vaduz
28.03.2019
Facebook
Top