• Zum Abschluss der zehn Jahre war es dann auch noch einmal das Ensemble Esperanza mit Artist in Residence Christoph Heesch, das mit einem spannungsgeladenen Programm überzeugte.  (Andreas Domjanic)

Abschluss des letzten Festivals in Ragaz

Das VP Bank Classic Festival Bad Ragaz 2020 beschliesst das letzte Festival mit famoser Qualität.

Es ist schon ein kleines Wun­der, dass ein Festival, das sich 2011 aufmachte, um junge Musiker zu fördern, nun bereits als Vorzeigemodell in der europäischen Festivallandschaft gilt. 2020 fand das als «Festival Next Generation» gestartete und seit 2019 als «VP Bank Classic Festival» weitergeführte Event vom 7. Februar bis zum Freitag bereits zum 10. Mal im Grand Resort Bad Ragaz statt.

Qualitativ hochwertiges Programm
Das von dem Festivalverein Next Generation e.V. initiierte und ausgetragene Festival hatte Glück in mehrfacher Hinsicht. Denn zum einen stand dem Festival mit dem Intendanten Dražen Domjanic nicht nur ein in jeder Hinsicht eloquenter wie erfahrener Musiker und Festivalleiter zur Verfügung. Mit dem Hauptsponsor, der VP Bank, hatte man auch einen passenden Partner gefunden wie mit dem Hosting-Partner, dem Grand Resort Bad Ragaz. Denn dort wohnten die Musiker, arbeiteten jeden Tag intensiv daran, um dann meist am Abend das Publikum mit grandiosen und qualitativ hochwertigen wie ungewöhnlichen Programmen zu begeistern. 

Ensemble Esperanza: Der Kern des Festivals
Dražen Domjanic war nicht nur der Ideengeber und Leiter des Festivals, sondern mit ihm als Gründer der Internationalen Musikakademie im nahe gelegenen Liechtenstein hatte man auch Zugriff auf einen Fundus grossartiger, junger und aufstrebender Musiker. Und genau aus diesem Fundus entstand vor genau fünf Jahren auch das Ensemble Esperanza, das Kammerorchester, das den Kern im VP Bank Classic Festival ausmacht. Doch das Galakonzert am vergangenen Freitagabend – nach neun Festivalkonzerten zuvor – sollte das letzte dieser Art in diesem Festival überhaupt sein. 
Zuvor gab es bereits einige grossartige Entdeckungen und Momente der Musik, die dieses Festival so besonders machten – auch die 10. Austragung. Da war im Konzert der jungen Klaviertalente am vergangenen Sonntag besonders auffallend das Spiel des Schweizers Simon Bürki, der sich zu einem wunderbaren Jungpianisten gemausert hat, der mit Intensität und famosen Klangempfinden die Herzen der Zuhörer gewinnen konnte. Da war aber auch das Schubert’sche Streichquintett C-Dur, das Christoph Heesch mit Mitgliedern vom Ensemble Esperanza in der Evangelischen Kirche am Montag mit Verve und Einfühlungsvermögen zu gestalten wusste. Das Ensem­ble Esperanza hatte im Konzert am Dienstag mit der Streichersinfonie mit Pauken des armenischen Komponisten Edvard Mirzoyan wieder einmal sein Gespür für unbekanntes Repertoire auf höchstem Niveau gezeigt.

Sprungbrett auf die grossen Bühnen der Welt
Zum Abschluss der zehn Jahre war es dann auch noch einmal das Ensemble Esperanza, das wieder einmal mit einem ausgesprochen abwechslungsreichen und spannungsgeladenen Programm bewies, für was das Festival über die Jahre stand: Höchste musikalische Qualität zu bieten, mit jungen, aufs­trebenden Musikern, für die dieses Festival nicht nur ein Sprungbrett auf die grossen Bühnen der Welt bedeutete, sondern fast so etwas wie eine kleine Heimat in dem üblicherweise unruhigen Musikerleben. Zu Beginn allerdings waren es die beiden diesjährigen Artists in Residence, die mit den Variationen auf Mozarts Oper «Die Zauberflöte» aus der Feder Ludwig van Beethovens nach mehreren Auftritten im Festival nochmals unterstreichen wollten, dass sie diese Auszeichnung zu Recht erhalten hatten. Der Pianist Dmytro Choni und der Cellist Christoph Heesch wussten sich gegenseitig das immer wieder variierte Thema famos zuzuspielen. Doch es war vor allem Dymtro Choni, der dann mit dem Abschlusssatz aus Beethovens Klavierkonzert Nr. 2 gemeinsam mit dem Ensemble Esperanza zeigte, wie er sich in den vergangenen Jahren, seit er vor acht Jahren erstmals im Festival aufgetreten war, zu einem ernsthaften und grandiosen Musiker entwickelt hatte.

Keine Spur von Wehmut
Danach dann ein Programm ganz im Sinne des aus den ­jungen Solisten bestehenden Ensembles Esperanza, das unter der Leitung der Konzertmeisterin Chouchane Siranossian immer einen Blick abseits der eingetretenen Pfade des Standardrepertoires wagt. Mit solch selten zu hörenden Werken wie Béla Bartóks «Rumä­nischen Volkstänzen» begann diese Programmhälfte. Doch die «Ungarische Rhapsodie» op. 68 des legendären Cellisten David Popper fand in der Interpretation von Christoph Heesch dann ebenfalls zu einer überzeugenden Darstellung des Könnens dieses Cellisten. Die beiden Artists in Residence bewiesen sich wirklich. Und man kann sicher sein – wie bei so vielen anderen der jungen Musiker, die in diesem Festival eine Chance bekamen, sich einem Publikum vorzustellen – noch an vielen anderen Orten von ihnen zu hören. 
Am Ende wurde es dann jazzig-schwungvoll in Leroy Andersons Jazz-Suite, die das Ensemble Esperanza mit Grazie und Schwung spielte, und die mit dem berühmten «The Typewriter» endet, in der in Bad Ragaz der Festivalfotograf Andreas Domjanic in die Tasten einer Schreibmaschine häm-
merte. Nein, von Wehmut war an diesem Abend nichts zu spüren, sondern eher von der Lust, gemeinsam Musik für ein in­teressiertes Publikum zu machen. Am Ende ging es genau darum: Die Freude an der Musik weiterzugeben, die das Publikum dann in sich mitträgt.

Es folgt eine «kreative Pause»
Wer sich fragt, warum ein solch erfolgreiches Festival nun endet, dem sei gesagt, dass man sich nun stärker auf den weiteren Weg des «Ensemble Esperanza» konzentrieren will, es auf die Bühnen in aller Welt entsenden möchte, dass man «eine kreative Pause» einlegen will, wie Dražen Domjanic es nennt. Dass man die jungen Musiker und das Ensemble Esperanza dennoch in einzelnen Konzerten im Grand Resort Bad Ragaz zu hören bekommt, das steht schon heute fest. (zvg)

16. Feb 2020 / 20:46
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