• 20170422 Proben fürs Sagenfest
    Noah Schädler in einer Rolle beim Triesenberger Sagenfest. Der 17-Jährige ist überzeugt: Ich möchte Schauspieler werden.  (Nils Vollmar)

Moonwalk à la Noah Schädler

Das bedeutet: Der Moonwalk in Skischuhen. Damit hat das 17-jährige Nachwuchstalent den liechtensteinischen Schauspieler Andy Konrad überzeugt. Mit Konsequenzen: Noah Schädler bekam Rollenangebote beim Sagenfest, beim Krimischmaus und aktuell beim «Kumeedischmaus». Er hat noch Grosses vor: Sobald er seine kaufmännische Lehre abgeschlossen hat, möchte er die Schauspielschule in München besuchen. Bis dahin wolle er noch fleissig üben und an seinem hochdeutschen Akzent feilen.

Es war ein Wintertag im 2012, den Noah Schädler zusammen mit seiner Patentante und ihrer Bekannten in Malbun auf der Skipiste verbrachte. «Das Wetter war allerdings alles andere als verführerisch, um über die Pisten zu fegen, der Schnee war zudem eisig und hart», erinnert sich Noah Schädler. Schliesslich entschieden sich die drei für die gemütlichere Variante: Ein Besuch in der Bar des damaligen Eisplatzes, die Andy Konrad führte. Schliesslich kam das Trüppchen auf eine von Noah Schädlers Spezialitäten zu sprechen: Der Moonwalk. «Dieser legendäre Tanzschritt von Michael Jackson faszinierte mich einfach schon immer – und ich begann, ihn irgendwann zu üben», erzählt der 17-Jährige. Genau diesen Moonwalk à la Noah Schädler wollte Andy Konrad sehen. Hier und jetzt – und zwar in Skischuhen. «Wenn du das schaffst, bekommst du eine Tüte Chips», habe ihn Andy Konrad herausgefordert. «Skeptisch war ich schon ein bisschen, wollte es aber keinesfalls unversucht lassen.» Und so schlüpfte der damals 11-Jährige in die grossen Stapfen eines Weltstars – gross waren auch die nicht wirklich tanztauglichen Schuhe. Resultat: Applaus, Begeisterung und: Eine Tüte Chips. Konsequenz: Noah Schädler durfte Wochen später an der Unterhaltung am Bärg auftreten. Natürlich als Michael Jackson mit seinem Moonwalk – dieses mal allerdings ohne Skischuhe. 
Der Wintertag – inklusive Moonskischuhwalk – hat schliesslich einiges ins Rollen gebracht: «Andy Konrad fragte mich kurz nach der Unterhaltung am Bärg an, eine Rolle beim Sagenfest zu spielen», erzählt Noah Schädler. «Ich war komplett überrascht und hin und weg.» Schon einmal vor Publikum Blut geleckt, sagte der Jugendliche voller Freude zu. Dass er damit seinem Traum von der Schauspielerei ein Stückchen näher rückt, wagte er damals nicht zu ahnen. Denn schon als Kind war Noah Schädler von Schauspiel und Theater begeistert. Einst ist schon seine Nana auf der Bühne gestanden, bewusst wurde ihm seine Leidenschaft dann aber spätestens, als er mit sechs, sieben Jahren seine Patentante auf der Bühne spielen sah. «Keine Ahnung weshalb, aber mich faszinierte das immer so sehr.»
Vom Zuschauen und der Faszination geprägt, merkte Noah Schädler in seiner ersten Rolle beim Sagenfest dann aber, was es heisst, selbst auf der Bühne zu stehen. «Die Proben waren so aufregend. Und aufgeregt war ich dann natürlich auch, als ich auf dem Dorfplatz das Publikum sah und unglaubliche Angst bekam, mich zu blamieren.» Doch kaum stand Noah Schädler im Scheinwerferlicht, fühlte er sich wie ein Fisch im Wasser. «Alle Ängste waren verflogen und ich genoss es einfach nur noch.» Was nicht heissen solle, dass es ihm leicht gefallen ist. «Denn ich habe natürlich schon bei den Proben gemerkt: Theater spielen heisst nicht nur, den Text auswendig zu beherrschen – auch die passende Mimik dazu muss gekonnt rüberkommen.»
Seine Mimik ist leicht zu interpretieren, wenn Noah Schädler auf seinen grossen Traum angesprochen wird: Er lächelt, während er wie aus der Pistole geschossen die Frage mit «Schauspielerei» beantwortet. Mit jeder Erfahrung, die er auf der Bühne gesammelt hat, habe er gemerkt, dass er seine Leidenschaft zum Beruf machen möchte. Auf seine erste Rolle beim Sagenfest folgten Rollen im Kindertheater Frau Holle, Hänsel und Gretel und Aschenputtel. Im Letzteren spielte er den Zeremonienmeister – «die Rolle war einfach der Hammer», schwärmt Noah Schädler. Neben Rollen in den weiteren Sagenfesten kam eine Anfrage, die den jungen Mann beinahe aus den Socken haute: Eine Rolle im Krimischmaus, eine Produktion von «Showtime Establishment». Auch auf der nächsten Stufe seiner Karriereleiter konnte Noah Schädler überzeugen – und ist auch bei der diesjährigen Produktion, dem Kumeedischmaus, wieder mit dabei. 
Und noch einen Schritt nach oben ging es mit seinem Solo-Programm: Milbuner Buab. Schon während zwei Wintersaisons hat er als Milbuner Buab die Zuschauer begeistert – «das Grösste, was ich je gemacht habe!», schwärmt er. In dieser Rolle bringt er dem Publikum das Malbun näher – auf witzige, charmante und unterhaltsame Art. Mal als Wildmandli, dann wieder als Schneemann. «Dass ich in so viele verschiedene Rollen schlüpfen darf, fasziniert mich am Milbuner Buab», sagt Noah Schädler. «Mal verpeilt, dann wieder energiegeladen – ich liebe alle Rollen.» Natürlich erfordere dies volle Konzentration. «Aber ich will ja lernen und vorwärts kommen.» Zu verbessern gäbe es nämlich noch jede Menge, sagt er selbstkritisch. «Zum Beispiel die hochdeutsche Aussprache.» Eine Schauspiel-Kollegin habe ihm zwar kürzlich gesagt, dass er sich darin verbessert habe. «Ich habe mich über dieses Kompliment so sehr gefreut und möchte da Vollgas dran bleiben.» Wie auch, wenn es um den Textrhythmus gehe – «es gibt noch viel zu tun!» Denn Noah Schädler hat ein konkretes Ziel vor Augen: Die Schauspiel-Schule in München. «Eigentlich wollte ich gar keine Lehre machen», erzählt er. Damit war aber mindestens jemand nicht einverstanden: Seine Mutter. Nach etlichen Diskussionen habe er dann eingesehen: «Ich brauche eine solide Ausbildung.» Vor einigen Wochen hat Noah Schädler schliesslich mit der Kaufmännischen Lehre angefangen. Zwei Tage die Woche besucht er die Berufsschule in Buchs, von Mittwoch bis Freitag arbeitet er in verschiedenen Betrieben der Landesverwaltung. «So schlimm ist das gar nicht», sagt der 17-Jährige. «Nur etwas stressig, Schule und Lehre mit den Proben unter einen Hut zu bringen.» Doch Noah Schädler ist willensstark: «Ich schaffe das, ich will nach München!» 
Dafür hat er sogar vor Jahren seine grosse Leidenschaft, das Fussballspielen, aufgegeben. «Ich musste mich entscheiden: Schauspielerei oder Fussball – ersteres war mir wichtiger.» Die nächsten drei Jahre seiner Lehre möchte er nutzen, um fleissig zu üben und Schauspielerfahrungen zu sammeln.
Damit ist auch seine Mutter Susy Schädler einverstanden, bei der Noah lebt. «Sie unterstützt mich sehr», ist er dankbar. Von ihren Fähigkeiten als Hellseherin könne er allerdings nicht profitieren – «möchte ich auch gar nicht, in die Zukunft blicken zu können ist bestimmt nicht immer nur schön.» 
Dankbar sei er nicht nur seiner Mutter, sondern seiner ganzen Familie und all seinen Freunden, die ihn bei Vorführungen besuchen und ihm auch mal kritische Feedbacks geben. Und noch jemandem: Andy Konrad. «Wenn er mich nicht so pushen würde, wäre ich heute nicht da, wo ich bin.» Die beiden stehen sich nicht nur menschlich nahe – Andy Konrad ist für Noah Schädler ein grosses Vorbild: «Er hat das geschafft, wovon ich träume.» Neben Andy Konrad gibt es für den 17-Jährigen noch ein Vorbild: Der US-amerikanische Schauspieler Charly Sheen. «Allerdings nur, was die schauspielerische Leistung angeht.» Diese sei einfach top. «Seine Alkohol- und Drogen-Eskapaden finde ich hingegen ziemlich doof.»  
Ob es ihn eher auf die Theaterbühne oder in die Filmszene zieht, weiss Noah Schädler ganz genau: «Ich möchte beides erreichen.» Das Wichtigste: «Ich möchte von der Schauspielerei leben können.» Für diesen grossen Traum tut Noah Schädler alles, was in seiner Macht steht. Doch er weiss: «Neben ein bisschen Talent und Fleiss muss auch noch das Glück mitspielen.» Das heisst, zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. So wie vor ein paar Jahren in Malbun, als er Andy Konrad mit seinem Moonwalk à la Michael Jackson, allerdings in Skischuhen, überzeugte. Zwar nicht in so grosse Schuhe – aber in solch grosse Fussstapfen würde Noah Schädler liebend gerne treten. «Ich möchte Grosses erreichen und fange erst einmal aber klein an, um die Stufen meiner Karriereleiter sauber, solide und vor allem nachhaltig zu erklimmen.» (bfs)
 

26. Okt 2018 / 07:00
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Aktuell
24. April 2020 / 12:51
30. Januar 2020 / 16:13
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
puzzle ravensburger
Zu gewinnen 1 Ravensburger Puzzle Schloss Vaduz
23.04.2020
Facebook
Top