• Elisabeth Huppmann in Mauren
    Elisabeth Huppmann leitet das Maurer Kulturhaus Rössle seit der Gründung vor fünf Jahren.  (Daniel Schwendener)

Ein Kulturhaus mit Charme

Das ehemalige Gasthaus Rössle in Mauren stand kurz vor dem Abbruch. Doch dank glücklicher Umstände wurde das Gebäude gerettet, saniert und in ein Kulturhaus umgewandelt. Dieses konnte vor Kurzem sein fünfjähriges Bestehen feiern. Wie die Maurer Kulturbeauftragte Elisabeth Huppmann erklärt, zeichnet sich das Rössle nicht nur durch das vielfältige Programm aus, sondern auch durch seinen Charme und seine gemütliche Atmosphäre.

Lange Zeit war die Zukunft des ehemaligen Gasthauses Rössle in Mauren ungewiss. Nachdem der Gasthausbetrieb 1998 eingestellt wurde, stand sogar ein Abbruch des geschichtsträchtigen Gebäudes zur Diskussion. 2008 war schon eine offizielle Abbruchbewilligung ausgestellt worden, doch dann regte sich Widerstand. Mehrere Einwohner wie auch die Gemeinde setzten sich für den Erhalt des Rössles ein. In der Folge wurde 2011 der gemeinnützige Verein «Pro Rössle» gegründet und Walburga Matt zur Präsidentin gewählt. Dieser setzte sich für eine Sanierung ein und versuchte, die Finanzierung zu sichern. Doch schon bald kam der erste Rückschlag: Die Regierung entschied sich trotz anfänglichem Interesse, das Kulturhaus nicht mitzufinanzieren. Dennoch wurde das Rössle im Dezember 2012 unter Denkmalschutz gestellt. Dies bedeutet, dass das Land Liechtestein 500 000 Franken an denkmalrelevante Renovationen beisteuert. Weitere 1,5 Millionen sprach die Gemeinde und die restliche Million bis zum Erreichen der Bausumme von 3 Millionen kamen über die Bemühungen des Vereins «Pro Rössle» durch private Gönner zusammen. Am 7. März 2013 fiel schliesslich mit dem Spatenstich der offizielle Startschuss für das Kulturhaus Rössle. 

In einer Baustelle gestartet
Am 16. Januar 2015 wurde das Kulturhaus Rössle feierlich eingeweiht. Seither hat sich das Maurer Kulturzentrum mit einem bunten Mix an Kulturveranstaltungen und Fremdnutzungen etabliert und ist aus dem Dorfleben und dem Kulturangebot der Region nicht mehr wegzudenken. «Der Start war sehr bewegt, weil wir am Anfang in einer Baustelle gestartet sind», erklärt Elisabeth Huppmann, die ihre Stelle als Kulturbeauftragte der Gemeinde Mauren vier Monate vor der Kulturhaus-Eröffnung antrat. Der Eröffnungs-termin im Januar stand schon länger fest, doch die Bauarbeiten waren noch Wochen davor alles andere als abgeschlossen. «Es war ein Nervenkitzel für alle Beteiligten, ob wir den Termin der Eröffnung einhalten können», so Elisabeth Huppmann. Das Kniffligste dabei war die Wandmalerei im Saal, die mit acht verschiedenen Schablonen Schicht für Schicht aufgebracht werden musste. «Es wurde bis zur letzten Minute noch gemalt», so Huppmann. Am 16. Januar wurde das Kulturhaus mit einem Festakt offiziell eröffnet, am Tag darauf lud ein Tag der offenen Tür die Bevölkerung zur Besichtigung ein. In den Wochen darauf wurden verschiedenste Interessensgruppen wie Lehrpersonen, die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung oder die Senioren ins frisch renovierte Rössle eingeladen, um sich das Haus anzuschauen, in Erinnerungen zu schwelgen und Informationen über die Nutzbarkeit des Hauses zu erhalten. 

Glücksfall reiht sich an Glücksfall
Programmatisch startete das Kulturhausprogramm mit einer Faust-Inszenierung des Theaters Karussell, das alle Räume vom Keller bis zum Estrich bespielte. «Diese Inszenierung war in zweierlei Hinsicht ein Glücksfall; einerseits, weil sie das ganze Haus vorstellte, andererseits, weil sie über 250 Menschen aus der ganzen Region ins Kulturhaus brachte», schwärmt die Kulturbeauftragte noch heute. Doch dieses Gastspiel forderte auch gleich zu Beginn schon die ganze Belegschaft, um sicherzustellen, dass alle Auflagen des Brand- und Denkmalschutzes erfüllt wurden. Wenig später fand mit dem Schaanwälder Künstler Louis Jäger die erste Kunstausstellung im Kulturhaus statt. «Diese Ausstellung hat uns gezeigt, wie gut die kleineren Zimmer im Obergeschoss als Galerieräume funktionieren», so Huppmann. «Auch dies war ein Glücksfall, da es die erste grosse Ausstellung von Louis Jäger in seiner Heimatgemeinde war, was wiederum viele Besucher ins Kulturhaus lockte.»
Höhepunkte habe es laut Elisabeth Huppmann in den vergangenen fünf Jahren viele gegeben. In jeder Sparte stachen besondere Veranstaltungen hervor: Neben der Faust-Inszenierung kamen auch die Inszenierungen der Taff-Theaterproduktion mit Ute Hoffmann und Thomas Hassler beim Publikum gut an. «Das Besondere an unseren Theateraufführungen ist, dass sie in diesen speziellen Räumen anders funktionieren.» Prägende Ausstellungen waren neben Louis Jäger sicher die Werkschauen der grossen Unterländer Künstler Georg Malin und Hugo Marxer. Aber auch Werke von Elisabeth Büchel (†) und Sunhild Wollwage, die beide das Rössle früher als Atelier nutzten, waren schon im Kulturhaus zu sehen. Beate Frommelt zeigte im Rössle bereits ihre Fadeninstallationen, Ursula Wolf ihre comicähnlichen Zeichnungen und Riccardo Pagni seine Flugobjekte. «Wir versuchen immer wieder, Kontraste auszutesten», so Huppmann. Bei jeder der Ausstellungen wirke das Haus komplett anders. «Teilweise hatte man das Gefühl, die Werke seien wie für das Haus geschaffen.» Daneben fanden auch schon zahlreiche Lesungen und Vorträge im Rössle statt. So präsentierten die beiden Jungautoren Gary Kaufmann und Anton Beck jeweils vor vollem Saal ihre neusten Werke. Auch im musikalischen Bereich hatte das Rössle schon einiges zu bieten. Neben der hiesigen Mundartszene waren schon die 35-köpfige Big Band und zahlreiche kleinere Musikensembles im Rössle zu hören. «Wir versuchen aber auch, das eigene kreative Schaffen ins Haus zu holen», so Huppmann. Unter dem Namen «Mauren kreativ» werden seit August 2019 Malnachmittage unter der Leitung von Judith Näscher angeboten, die sich sowohl bei Kindern wie auch bei Erwachsenen grosser Beliebtheit erfreuen.

Gemeinschaftserlebnisse
Anders als andere Kulturhäuser hat sich das Rössle nicht auf eine spezielle Nische fokussiert. Stattdessen war von Anfang an im Konzept vorgesehen, eine Vielzahl an Sparten und Interessen abzudecken. «Fest stand, dass wir keine Veranstalter in der Nähe konkurrenzieren wollen, so bieten wir zum Beispiel keine Jazzkonzerte oder auch kein Jugendtheaterprogramm an», erklärt Elisabeth Huppmann. Auch war ein Ziel, möglichst alle Räume einer Nutzung zuzuführen. Mit einer Mischung aus Kunstausstellungen, Konzerten, Theateraufführungen und weiteren Kulturveranstaltungen hat das Rössle diese Zielsetzung gut erfüllt. So mache vor allem diese bewusst gewählte Vielfalt das Haus einzigartig, so Huppmann. Es sei nicht leicht gewesen, innerhalb des vorhandenen Überschusses seinen Platz zu finden. Der Charme des denkmalgeschützten Hauses und die gemütliche Atmosphäre tragen viel zur Beliebtheit des Rössles bei. Dabei findet nach den Vorstellungen oft ein ungezwungener Austausch zwischen Künstlern und Publikum statt, bei dem die Leute auch mal «verhocken» würden. Dadurch wird manch ein Kulturerlebnis schliesslich zum Gemeinschaftserlebnis. Dass es offen für Fremdnutzungen ist, macht das Rössle ebenfalls zu etwas Besonderem in der Kulturlandschaft. Neben den Konzerten, Theatern und Ausstellungen finden im Haus zum Beispiel regelmässig Jassturniere für Senioren, Vorträge und das Literaturcafé der Stein Egerta statt.

Mit Widerständen zu kämpfen
Wie für einen Kulturbetrieb üblich, hatte auch das Kulturhaus Rössle mit Herausforderungen zu kämpfen. «Mit den Widerständen im eigenen Dorf umzugehen, und gleichzeitig im überregionalen Sinn ein attraktives Angebot zu schaffen, war sicher nicht einfach», so Huppmann. Durch den breiten Programmmix habe sie von Anfang an versucht, auch die Gegner ins Haus zu holen. Ebenso wurde den Verantwortlichen schnell klar, dass das denkmalgeschützte Haus nicht für alle Veranstaltungs-
arten genutzt werden kann. Besonders für Grossveranstaltungen sei es nicht geeignet. Das Schadenrisiko sei einfach zu gross. «Besonders im ersten Jahr wurde uns bewusst, welche Grenzen das Haus hat und was man bei einer Nutzung alles beachten muss», erklärt die Kulturhausleiterin. 

150 Jahre Konkordia Mauren
Doch nach fünf Jahren hat sich das Team gut eingelebt und auch die ersten Unsicherheiten sind verschwunden. Nach der Geburtstagsfeier im Januar wird am 24. April eine grosse Jubiläumsausstellung anlässlich des 
150-jährigen Bestehens des Musikvereins Konkordia Mauren eröffnet. Das ganze Haus wird bespielt mit alten Uniformen, Archivmaterial, Fotos und einem breiten Rahmenprogramm. Während der Ausstellungsdauer sind jeden Freitag Konzerte in Zusammenhang mit verschiedenen Blasmusikformationen geplant. 
Neben der Konkordia wird die Seniorenmusik wie auch die Bradlberg-Musig aufspielen. Nebenbei läuft das Projekt «Mauren kreativ» weiter, in dessen Rahmen die Baustellenwände oberhalb des Kulturhauses von der Bevölkerung bemalt werden sollen. Einige weitere Veranstaltungen sind geplant, doch diese werden immer erst nach und nach konkretisiert. Elisabeth Huppmann würde neben den gewohnten Sparten gerne regelmässigere Kinder- und Jugendprogramme wie Erzählnachmittage oder Puppentheater anbieten. «Doch leider gibt es immer noch eine Hemmschwelle vonseiten der Kindergärtner und Lehrer», bedauert sie. «Auch wäre es schön, wenn das regelmässige Kulturprogramm in allen Sparten auch von aussen wahrgenommen wird». In Zukunft möchte sie auch forcieren, dass man selbst im Haus aktiv werden kann. «Besonders die Werkstatt im Untergeschoss könnte man gut als Künstleratelier nutzen.» (mk)

30. Jan 2020 / 16:13
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