Mindestens 46 Tote bei Zugkollision in Spanien: «Menschen wurden aus Zug geschleudert»
Das Video zeigt die Unfallstelle
Was ist passiert?
Beim Zusammenstoss zweier Hochgeschwindigkeitszüge sind in Spanien mindestens 46 Personen gestorben. Das meldet der Zivilschutz gegenüber «El Espanol». Zahlreiche weitere Personen wurden verletzt. Insgesamt befanden sich laut der Regionalregierung 544 Personen in den beiden Zügen.
Es gebe auch Dutzende Verletzte, sagte Esther Padilla, Sprecherin der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha, im spanischen Fernsehen. Nach Angaben Padillas waren im Iryo-Zug 146 Passagiere und ein Baby an Bord. Im Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe befanden sich demnach 397 Menschen.
Wie kam es zum Unglück?
Kurz vor 9 Uhr rammte ein Hochgeschwindigkeitszug zwischen den Gemeinden Urda und Orgaz den anderen von hinten. Beide waren in Richtung Süden nach Andalusien unterwegs gewesen, heisst es aus Kreisen des spanischen Bahnnetzbetreibers Adif. Der Iryo-Zug war offenbar aus bislang unbekannten Gründen zum Stehen gekommen.
Zwei Waggons eines Zuges des privaten Bahnunternehmens Iryo entgleisten nach dem Zusammenstoss und stürzten nach Angaben des Fernsehsenders RTVE einen Bahndamm hinunter.

Offizielle Angaben zur Ursache für die Kollision gibt es bislang nicht. «El Pais» meldet aber unter Berufung auf Regierungsquellen, erste Anzeichen würden auf menschliches Versagen hindeuten. Normalerweise gebe es ein automatisiertes Sicherheitssystem, dieses schalte im Falle eines Fehlers aber auf manuellen Betrieb um. Dies sei am Mittwoch der Fall gewesen.
Einer der Züge gehört dem staatlichen Bahnunternehmen Renfe, der andere dem privaten Anbieter Iryo.

Was sagen Überlebende?
Es sei «brutal» gewesen, meldet Passagier Jesus Jeronimo gegenüber «El Pais». Er habe an seinem Laptop gearbeitet, als er plötzlich eine heftige Beschleunigung gespürt habe und in den Sitz vor sich gekracht sei. «Leute wurden aus dem Zug geschleudert», sagt er.
Er sei daraufhin mit anderen ausgestiegen und habe gesehen, dass der Zug schief stehe. Weiter habe es zahlreiche Verletzte gehabt, viele hätten geschockt gewirkt. Unverletzte hätten in der Folge die Rettungskräfte unterstützt, etwa indem sie Infusionsbeutel hielten.
Was sind weitere Reaktionen?
Spaniens Regierungschef Pedro Sanchez zeigte sich bestürzt. Er stehe mit Verkehrsminister Oscar Puente sowie lokalen Behörden in Kontakt. Vor Ort werde alles probiert, um den Betroffenen zu helfen und ihre Sicherheit zu gewährleisten. «Meine Zuneigung, Solidarität und Unterstützung gelten allen Opfern und ihren Familien», schreibt Sanchez.
Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigte sich bestürzt. «Ich habe gerade die erschütternde Nachricht von dem Zusammenstoss zweier Hochgeschwindigkeitszüge in Toledo erhalten», schrieb sie. Ihr Mitgefühl gelte den Familien und Angehörigen der Opfer. «Europa trauert heute mit euch.»
Wie geht es weiter?
Derzeit laufen die Bergungsarbeiten. Am Unglücksort waren Feuerwehrleute aus den nahe gelegenen Orten Alcázar de San Juan und Orgaz sowie Zivilschutzkräfte aus mehreren umliegenden Gemeinden im Einsatz. Zudem wurden drei Rettungshubschrauber und zwei mobile Intensivstationen zur Versorgung der Verletzten eingesetzt. Das Innenministerium in Madrid ordnete ausserdem den Einsatz der Militärischen Nothilfeeinheit UME an.
Der Bahnverkehr zwischen Madrid, Ciudad Real und Andalusien komplett eingestellt. Weiter wird der Unfallhergang ermittelt.
Gibt es ähnliche Fälle?
Schon im Januar ereignete sich in Südspanien ein schweres Zugunglück, bei welchen 46 Personen starben und rund 150 verletzt wurden. Gemäss aktuellem Kenntnisstand brach die Schweissnaht einer Schiene, was zur Entgleisung einiger Waggons eines Iryo-Zuges führte. Diese gerieten auf das Gegengleis und rammten einen Alvia-Zug, welcher in die Gegenrichtung fuhr.
Zu einem noch schwereren Unglück kam es im Juli 2013. Damals entgleiste ein Zug in Angrois wenige Kilometer vor Santiago de Compostela mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit an einer Kurve. 80 Menschen kamen ums Leben. (dab, watson)
mit Material der dpa
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