Aus für gedruckten "Le Matin"
Dies teilte Tamedia am Donnerstagmorgen mit. Für die 41 Betroffenen gebe es einen Sozialplan. Tamedia treffe sich an diesem Freitag mit der Arbeitnehmervertretung sowie den Gewerkschaftsvertretern, um das Konsultationsverfahren einzuleiten und einen Sozialplan auszuhandeln.
Ausser 24 Mitarbeitenden in der Reaktion verlieren gemäss Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer 17 Mitarbeitende im Unterstützungsbereich - Textproduktion, Korrektorat, Bild - ihre Stelle.
Seit 20 Jahren defizitär
Grund für die Einstellung der gedruckten Ausgabe - voraussichtlich auf den 21. Juli - seien die seit 20 Jahren anhaltenden Verluste, schreibt Tamedia. Im vergangenen Jahr lag das Defizit von "Le Matin" bei rund 6,3 Millionen Franken, über die letzten zehn Jahre gesamthaft bei 34 Millionen Franken.
Trotz grosser Anstrengungen habe keine nachhaltige Lösung gefunden werden können, um das gedruckte Angebot von "Le Matin" aufrechtzuerhalten. "Le Matin Dimanche sei von der Einstellung der gedruckten Ausgabe von "Le Matin" nicht betroffen.
Digitale Ausgabe weiterentwickeln
Künftig soll die digitale Ausgabe mit einer 15-köpfigen Redaktion weiterentwickelt werden. Diese wird dabei eng mit dem Sport-Center von Tamedia und dem Newsexpress sowie für allgemeine Nachrichten mit dem Netzwerk von "20 minutes" zusammenarbeiten.
lematin.ch sei mit 581’000 Nutzerinnen und Nutzern (NET-Metrix Profile 2018-1) bereits heute eine der reichweitenstärksten Newsplattformen der Romandie, schreibt Tamedia. Als digitale Medienmarke solle "Le Matin" die "einzigartige Positionierung" in der Romandie bewahren und den Leserinnen und Lesern in allen Kantonen der Romandie "weiterhin pointierte, unterhaltsame und populäre Inhalte mit einem hohen Sport-Anteil bieten".
"Le Matin" werde damit die erste Schweizer Tageszeitung, die sich vollständig auf eine rein digitale Version fokussiert.
Die Chefredaktion geht von Grégoire Nappey an Laurent Siebenmann über. Nappey, seit 2014 Chefredaktor von "Le Matin", wollte die Zeitung in dieser neuen Form nicht mehr leiten, schreibt Tamedia. Er werde den Übergang zu seinem Nachfolger Siebenmann sicherstellen und das Unternehmen verlassen.
Gewerkschaften: "Leichenbestatter"
Die Mediengewerkschaft Syndicom und der Journalistenverband Impressum zeigen sich empört über die angekündigte Einstellung der Printausgabe von "Le Matin". Das Zürcher Verlagshaus Tamedia benehme sich wie der "Leichenbestatter" der Pressevielfalt in der Westschweiz.
Syndicom und Impressum fordern, dass Tamedia auf den Entscheid zurückkommt. Das Verlagshaus müsse sich an der Suche nach einer Lösung zur Rettung der beliebten Tageszeitung beteiligen und Entlassungen vermeiden. Als Quasi-Monopolist habe Tamedia eine spezielle Verantwortung gegenüber den Leserinnen und Lesern, aber auch gegenüber den Mitarbeitenden.
"Verarmung der Information"
Die Waadtländer Regierungspräsidentin Nuria Gorrite zeigte sich am Donnerstag betroffen. Die Exekutive werde um eine Unterredung mit der Chefetage von Tamedia ersuchen, sagte sie zur Nachrichtenagentur Keystone_sda.
Tamedia - ein Unternehmen, das Gewinne schreibe - ziehe den Stecker bei einem beliebten Zeitungstitel, einer der letzten überregionalen Tageszeitungen der Romandie. "Wir stellen eine Konzentration von Zeitungstiteln, eine immer schwächer werdende Sensibilität gegenüber der Romandie und eine Verarmung der Information fest."
Kündigungen im Mantelteil möglich
Tamedia wolle "in absehbarer Zeit" keine weiteren Titel einstellen, versicherte Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer am Donnerstag auf Anfrage von Keystone_sda. Eine Zusammenlegung von "Berner Zeitung" und "Bund" etwa sei "für uns kein Thema". In der Öffentlichkeit war in letzter Zeit über eine Fusion der beiden Berner Tageszeitungen spekuliert worden.
Bezüglich des - laut Tamedia personell zu grossen - Mantelteils in der Deutschschweiz sagte Zimmer: "Wir müssen davon ausgehen, dass die Werbeeinnahmen weiter sinken. Darum bleibt der Kostendruck hoch." Geplant sei nach wie vor eine Reorganisation via natürliche Abgänge und interne Wechsel, also Stellenverschiebungen zwischen den Reaktionen. "Falls das nicht ausreicht, können wir weitere Massnahmen und Kündigungen nicht ausschliessen." (sda)
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