Wie Grossbritannien zum Rückzugsort für Islamisten wurde
Plötzlich geht alles sehr schnell. Am Ende dieser Woche, knapp vierzehn Tage nach dem fehlgeschlagenen Anschlag auf den Luftwaffenstützpunkt RAF Fairford im Westen Englands, haben die britischen Behörden bereits sieben Männer unter Terror-Verdacht festgenommen. «Wir arbeiten rund um die Uhr», brüstet sich Vicki Evans, die Chefin der landesweiten Anti-Terroreinheit, «und werden alle Aspekte der Angelegenheit untersuchen».
Die neue Geschäftigkeit wirkt auf viele Verbündete nicht sonderlich überzeugend. Die US Airforce zog vor Wochenfrist eilig ihre sämtlichen zwölf B1-Bomber, die für Einsätze im Iran-Krieg in RAF Fairford stationiert waren, von der Insel ab. Die offiziellen Begründungen widersprachen sich, legten aber nahe: Die Amerikaner fühlten sich nicht gut genug geschützt gegen einen offenbar geplanten Anschlag mit Sprengstoff-Drohnen, wie ihn die Ukraine im vergangenen Jahr meisterhaft gegen die russische Langstrecken-Bomberflotte vorgeführt hat.
Zumal auch in diesem Fall offenbar der Kriegsgegner dahinter steckt. Es gebe «klare Hinweise» auf den Iran als Urheber der Terrorpläne, betont der britische Premier Andy Burnham. Das islamistische Regime war in den vergangenen Jahren für eine Reihe von Straftaten auf der Insel verantwortlich, darunter den Mordversuch an einem Exil-Journalisten durch rumänische Kleinkriminelle sowie Brandanschläge auf jüdische Ziele. Während Teheran alles abstreitet, reagierte London im Sommer mit der offiziellen Bezeichnung der islamischen Revolutionsgarden als «Terrororganisation».
Endlich, seufzten schon damals iranische Exilgruppen, Israel sowie andere Verbündete der Insel. Die britischen Behörden stehen seit langem im Verdacht, nahöstliche Terrorgruppen, die Ideologen des Islamismus wie die Muslimbruderschaft sowie deren gewalttätige Anhänger zu tolerant zu behandeln.
Im Vorfeld der islamistischen Massenmorde zu Beginn des Jahrhunderts war beispielsweise beim französischen Geheimdienst von «Londonistan» die Rede. Offen durften Hassprediger wie Abu Hamza, der beim Hantieren mit einer Bombe beide Hände verloren hatte und deshalb bei den Boulevardblättern «Evil Hook» hiess, in Moscheen und auf der Strasse zur Gewalt aufrufen.
Spendengelder für die Hamas im Gaza-Streifen
Zwei Fälle verdeutlichen die, vorsichtig gesagt, unterschiedliche Beurteilung von Islamisten auf beiden Seiten des Atlantiks. Im Juli mussten die Briten auf Initiative des amerikanischen FBI den Chef einer der grössten muslimischen Wohltätigkeitsvereine, Al-Khair Foundation, verhaften. Mohammad Yusef Hasna soll üppige Spendengelder in die Taschen der im Gaza-Streifen tätigen Hamas-Terrortruppe geleitet haben.
Eilfertig strengte die Londoner Aufsichtsbehörde Charity Commission (CC) eine Untersuchung in die Tätigkeit der Al-Khair-Stiftung an, deren Umsatz im Finanzjahr bis Ende Juli 2025 umgerechnet gut 80 Millionen Franken betrug. Kritiker werfen der personell unterbesetzten und rechtlich zahnlosen CC seit langem vor, sie lasse Extremisten unbehelligt Gelder eintreiben.
Weder die Muslimbrüder selbst noch eine der militanten Unterorganisationen unterliegen im Königreich Sanktionen. Das beste Vorgehen gegen den Islamismus und dessen unterschiedliche Vorgehensweisen bleibt zwischen Geheimdiensten, Polizei und lokalen Behörden umstritten. Es gebe «weiterhin Lücken in der staatlichen Analyse des Islamismus als Ganzes», warnt der Experte Robin Simcox. Er amtierte bis 2025 vier Jahre lang als Leiter der Regierungskommission zur Abwehr von Extremismus (CCE).
Grosse Zahl an Sympathisanten auf der Insel
Die Anti-Terror-Arbeit des Inlandsgeheimdienstes MI5 dreht sich inzwischen laut dessen Leiter Ken McCallum zu drei Viertel um gewalttätige Anhänger des Islamismus. Dabei sind dessen Ideen auch unter Menschen verbreitet, die normalerweise Gewalt ablehnen. Entsprechende Analysen beziffern den Anteil solcher Sympathisanten auf etwa 20 Prozent der inzwischen knapp vier Millionen Muslime auf der Insel.
Die Sicherheitsbehörden haben vor allem ein Auge auf Städte wie Birmingham oder das nordenglische Blackburn, wo viele arme Muslime in bestimmten Stadtvierteln eng beisammen leben. Die Hälfte aller Bezirke in Blackburn weist einen muslimischen Bevölkerungsanteil von mehr als 60 Prozent auf, in zwei von ihnen gehören sogar vier von fünf Bürgern dem Islam an.
In Birmingham verbot die Polizei vergangenen Herbst israelischen Fussballfans den Besuch des Europaliga-Spiels zwischen dem örtlichen Verein Aston Villa und Maccabi Tel Aviv, weil man Ausschreitungen in dem überwiegend muslimisch bewohnten Viertel nicht ausschliessen könne.
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