«Bis Amerika sein Verhalten korrigiert»: Wie der Iran Trump bei der Hormus-Öffnung erpresst
Kaum hatten die Märkte den sich abzeichnenden Hormus-Deal mit neuen Höchstständen gefeiert, kam aus Teheran die kalte Dusche. Mohammad Bagher Zolghadr, Sekretär von Irans Oberstem Nationalen Sicherheitsrat und Ex-Kommandeur der Revolutionsgarden, veröffentlichte am Samstag einen sechs Punkte umfassenden Forderungskatalog, den die USA so sicher nicht akzeptieren werden.
Teheran fordert:
- ein permanentes Ende aller Angriffe und Drohungen gegen Iran und seine regionalen Verbündeten
- die Aufhebung der amerikanischen Seeblockade
- den Abzug der US-Luft- und Seestreitkräfte aus der Region
- Entschädigung für Kriegsschäden, die Aufhebung der Sanktionen sowie die bedingungslose Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte
«Bis Amerika sein Verhalten korrigiert, wird die Strasse von Hormus nicht wieder geöffnet», so das Fazit des hochrangigen Iraners. Der Sicherheitsrat, fügte er hinzu, werde «niemals nachgeben, weder im Krieg noch in Verhandlungen».
Die harte Linie hatte noch am selben Tag Aussenminister Abbas Araghchi bekräftigt: Er bestätigte zwar, dass man kurz vor einer finalen Einigung mit Maskat über die Routenführung für Schiffe durch die Hormus-Strasse stehe. Im gleichen Atemzug betonte er aber, dass die eigentliche Wiedereröffnung an weitere Bedingungen geknüpft sei.
Irans Präsident Masoud Pezeshkian befeuerte die selbstbewusste Tonlage: «Es herrscht Geschlossenheit, Stärke und Einigkeit im Land, und soweit ich weiss, gilt Iran in diesem Krieg als siegreich und mächtig.» Für ein Land, das offiziell einen Verteidigungskrieg gegen zwei Grossmächte führt, ist diese Feststellung bemerkenswert selbstbewusst, wenn nicht gar vermessen.
US-Vizepräsident JD Vance konterte, man befinde sich weiterhin im «Mittelspiel» und übe diplomatischen, wirtschaftlichen und militärischen Druck auf Teheran aus. Reuters zitiert einen namentlich nicht genannten US-Beamten mit einer klaren Gegenposition, wer zuerst liefern muss: Die amerikanische Blockade werde aufgehoben, sobald der kommerzielle Schiffsverkehr «ohne Behinderung» durch Hormus wieder anlaufe. Konkret heisst dies: Die USA machen ihre Schritte von iranischem Wohlverhalten abhängig, nicht umgekehrt.
Angriff auf Schiff in der Meerenge
Dass Iran seine Drohkulisse aufrechterhält, zeigte sich am Wochenende: Ein Schiff der emiratischen Ölgesellschaft Adnoc wurde beim Durchqueren der Meerenge von einem iranischen Geschoss getroffen. Es war laut Adnoc bereits der zwölfte Angriff auf eigene Schiffe seit Kriegsbeginn im Februar, mit insgesamt einem Todesopfer und 20 Verletzten.
Die neuen iranischen Forderungen gehen laut Al Jazeera bewusst über das im Juni auf dem Bürgenstock unterzeichnete Memorandum hinaus. Der bahrainische Analyst Ahmed Alkhuzaie hatte das Abkommen schon damals als strukturell unverbindlich kritisiert, weil es weder Fristen noch eine verbindliche Reihenfolge der einzelnen Schritte enthielt. Genau diese Lücke nutzt Teheran jetzt, um die Latte nachträglich höher zu legen.
Gregory Brew von der Eurasia Group hatte bereits vor dieser jüngsten Verschärfung der Rhetorik argumentiert, es gebe schlicht keine militärische Option, die Strasse von Hormus gegen den Willen Irans zu öffnen – ein Befund, der Zolghadrs überzogenen Forderungskatalog auch rational erklären könnte: Iran verhandelt aus einer Position der vermeintlichen Stärke, in der es wenig zu verlieren und viel zu gewinnen hat.
Amerikanische Geheimdienste haben schon mehrfach bestätigt, dass sich die Strasse militärisch nicht erobern lässt, es sei denn, man riskiert eine verlustreiche Bodenoffensive zur Besetzung der gesamten Küstenregion.
Realistischer sind zwei andere Szenarien: Washington akzeptiert stillschweigend einen Teil der iranischen Bedingungen, verpackt als beidseitiges «Entgegenkommen». Oder die Gespräche laufen, wie schon im Juni, ins Leere, ohne dass es zu einer neuen grossen Eskalation kommt: Da keine Seite die Kosten eines neuen Krieges auf sich nehmen will, wird der Konflikt bei dauerhaft hohen Ölpreisen de facto «eingefroren». Ein rasches vollständiges Nachgeben Teherans erscheint nach Zolghadrs Auftritt vom Samstag dagegen als das unwahrscheinlichste aller Szenarien.
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