Verschleppte Kinder: Der Druck auf Putin wächst – auch dank der Schweiz
Am Montag kündigten Grossbritannien und Kanada neue Sanktionen gegen Dutzende Personen und Organisationen an, die an Deportationen, Umerziehungsprogrammen und Desinformationskampagnen beteiligt sein sollen. Gleichzeitig schlossen sich weitere Staaten – darunter auch die Schweiz – einer internationalen Koalition zur Rückführung der Kinder an.
Neue Sanktionen aus London und Ottawa
Die britische Regierung belegte 85 Personen und Institutionen mit Sanktionen. Ziel seien unter anderem Einrichtungen, in denen ukrainische Kinder militärisch gedrillt und ideologisch beeinflusst würden. Aussenministerin Yvette Cooper sprach von einem der «härtesten Massnahmenpakete» bisher.
Auch Kanada verhängte zusätzliche Strafmassnahmen gegen 23 Einzelpersonen und fünf Organisationen. Ottawa forderte Moskau erneut auf, die verschleppten Kinder «unverzüglich in ihre Gemeinschaften zurückzubringen» und internationales Recht einzuhalten.
Nach ukrainischen Angaben wurden seit Beginn des russischen Angriffskriegs über 20’500 Kinder verschleppt. Etwa 6000 davon werden in sogenannten «Umerziehungslagern» indoktriniert und für den Kriegsdienst gegen ihre eigentliche Heimat vorbereitet.
Fast 60 Staaten wollen Rückführung beschleunigen
Parallel dazu trafen sich in Brüssel Vertreter von 58 Staaten, um konkrete Schritte zur Rückführung der Kinder zu koordinieren. Die Initiative wird von der EU, Kanada und der Ukraine getragen. Neben weiteren Sanktionen sagten mehrere Länder finanzielle Unterstützung zu – insgesamt in zweistelliger Millionenhöhe.

Betroffen von den EU-Sanktionen sind 16 Personen und 7 Einrichtungen und Organisationen, wie die Vertretung der Mitgliedstaaten mitteilte. Die Sanktionsbeschlüsse haben unter anderem zur Folge, dass in der EU Vermögenswerte eingefroren werden müssen. Für Personen gilt zusätzlich ein EU-Einreiseverbot und Durchreiseverbot.
Die Verschleppung von Kindern gilt gemäss UNO-Definition als möglicher Völkermord-Tatbestand. Bereits 2023 hatte der Internationale Strafgerichtshof Haftbefehle gegen Russlands Präsident Wladimir Putin und die Kinderrechtsbeauftragte Maria Lwowa-Belowa erlassen.
Schweiz neu Teil der Koalition
Besondere Aufmerksamkeit gilt der wachsenden internationalen Beteiligung: Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski hat sich am Montag neu auch die Schweiz der Koalition angeschlossen, dies zusammen mit Zypern.
In einer Mitteilung auf der Plattform X betonte Selenski: «Heute treten die Schweiz und Zypern unserer Koalition bei. Wir haben nun fast 50 Länder, die gemeinsam handeln.» Die internationale Zusammenarbeit sei entscheidend, um Aufdie Aufenthaltsorter Kinder zu klären, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und die Rückkehr zu ermöglichen.
Selenski unterstrich die moralische Dimension des Themas: Jeder einzelne Fall stehe für ein reales Kind und eine betroffene Familie. Die Verschleppungen seien kein regionales Problem, sondern erforderten eine globale Antwort.
Die Schweizer Botschafterin Rita Adam von der EU-Mission wurde mit den Worten zitiert: «Die erzwungene Vertreibung und Deportation ukrainischer Kinder muss fest auf der politischen Agenda bleiben.»
Breite Unterstützung – aber auch grosse Lücken
Während Europa, Nordamerika und Verbündete wie Japan stark vertreten waren, blieben wichtige Staaten des Globalen Südens dem Treffen fern. Dazu zählen etwa Grossmächte und bevölkerungsreiche Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien, Indonesien oder Nigeria.
Diese Absenzen verdeutlichen die anhaltende Herausforderung für Kiew, weltweit genügend politische Unterstützung zu mobilisieren – gerade ausserhalb des westlichen Bündnisses.
Trotzdem zeigt die wachsende Koalition Wirkung: Immer wieder gelingt es, einzelne Kinder in die Ukraine zurückzubringen - insgesamt laut ukrainischen Angaben rund 2100. Für Tausende weitere bleibt dies jedoch vorerst ein fernes Ziel.
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