Suizidversuche auf dem Flugzeugträger: Der Skandal weitet sich aus
Die Berichte über unhaltbare Zustände auf dem US-Flugzeugträger «USS Abraham Lincoln» ziehen in Washington immer weitere Kreise. Mehrere demokratische Senatoren verlangen Aufklärung vom Pentagon. Gleichzeitig schickt die US-Marine einen weiteren Flugzeugträger Richtung Nahost – und Präsident Donald Trump greift persönlich in die Technik künftiger Träger ein. Seine Anordnung dürfte Milliarden kosten.
Im Zentrum der Kontroverse steht die «USS Abraham Lincoln». Der Flugzeugträger verliess San Diego am 21. November 2025. Vorgesehen war ein rund siebenmonatiger Einsatz. Mittlerweile befindet sich die Besatzung seit fast neun Monaten auf See. Die «Lincoln» unterstützt aktuell die amerikanischen Militäroperationen gegen den Iran im Arabischen Meer. Schon 2020 während der Covid-19-Pandemie musste der Träger während 294 Tagen auf See sein – damals ein Rekord.
Für die rund 5000 Seeleute und Marines hat der erneute Dauereinsatz offenbar gravierende Folgen. Die «Military Times» berichtete unter Berufung auf Angehörige, dass mindestens zwei Besatzungsmitglieder versucht hätten, über Bord zu springen.
Die Ehefrau eines Matrosen sagte, ihr Mann sei vor seinem Suizidversuch immer wieder über seine Belastungsgrenze hinaus eingesetzt worden. In einem weiteren Fall soll ein Wachposten einen Kameraden im letzten Moment davon abgehalten haben, über Bord zu gehen.
Hinzu kommen Klagen über die Lebensbedingungen. Angehörige und Seeleute berichten von Versorgungsproblemen, defekten Toiletten und Wäschereien, Schimmel, verunreinigtem Wasser sowie ausbleibender Post.
Die Navy räumt zumindest einen Teil der Schwierigkeiten ein. Durch die Kämpfe im Nahen Osten seien traditionelle Versorgungswege beeinträchtigt worden. Deshalb habe man zuerst Lebensmittel, danach Hygieneartikel und erst dann die Post priorisiert. Mittlerweile hätten die Seeleute Zugang zu sauberem Wasser und ausgewogenen Mahlzeiten.
Kriegsminister Hegseth: «Komplett falsch dargestellt»
Verteidigungsminister Pete Hegseth weist das Bild einer Krise zurück. Die Situation sei «komplett falsch dargestellt», sagte er am Donnerstag. Bereits im April hatte Hegseth Berichte über eine schlechter werdende Lebensmittelversorgung als «Fake News» abgetan.
Das US-Zentralkommando reagierte auf X mit einem «Faktencheck», der ebenfalls die Medienberichte als grösstenteils falsch bezeichnete. So sei der Matrose, der am 3. August über Bord sprang, «schnell und sicher geborgen worden».
Doch im Kongress wächst der Druck. Der demokratische Senator Richard Blumenthal, Mitglied des Streitkräfteausschusses, verlangt von Hegseth und dem amtierenden Marineminister Hung Cao detaillierte Auskunft. Er will unter anderem wissen, wer die Verlängerungen angeordnet hat und welche operativen Gründe dafür ausschlaggebend waren. Zudem fordert er Informationen über Versorgung, Hygiene, psychische Gesundheit und Sicherheit an Bord.
Auch andere Demokraten schalten sich ein. Senator Mark Kelly, ehemaliger Marinepilot und Astronaut, bezeichnete die Berichte über Suizidversuche als verstörend. Senator und Marine-Veteran Ruben Gallego drängt auf einen parteiübergreifenden Kontrollbesuch auf der «Lincoln».
Das Problem reicht inzwischen über das Schiff hinaus. Die «USS George Washington» hat Vietnam verlassen und bewegt sich westwärts. Das «Wall Street Journal» berichtete, dass die «George Washington» die «Lincoln» im Nahen Osten ablösen soll. Damit könnte der Pazifik vorübergehend ohne amerikanischen Flugzeugträger bleiben.
Trump fordert Entfernung moderner Katapulte
Ausgerechnet in dieser angespannten Lage sorgt Trump mit einer weiteren Entscheidung für Unruhe. Der Präsident hat angeordnet, bei künftigen Flugzeugträgern der Ford-Klasse auf das moderne elektromagnetische Katapultsystem EMALS zu verzichten und zu den älteren Dampfkatapulten zurückzukehren. Das Pentagon und die Navy müssen ihm innert zwei Monaten entsprechende Pläne vorlegen.
Trump bekämpft EMALS seit Jahren. Bereits 2017 erklärte er, das System habe nicht die Kraft der alten Technik. Betroffen ist zunächst die geplante «USS Doris Miller», der vierte Super-Träger der Ford-Klasse.
Die Arbeiten an Katapulten und Fangsystemen sind laut Hersteller General Atomics bereits zur Hälfte abgeschlossen. Ein Kurswechsel würde erhebliche zusätzliche Kosten verursachen und den Zeitplan gefährden, warnte das Unternehmen gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Pikant dabei: Trumps eigenes Memorandum bezeichnet ständige nachträgliche Designänderungen als eine Ursache für unnötige Kostensteigerungen und Verzögerungen im amerikanischen Schiffbau.
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