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Obama spottet, Trump prahlt: Das Duell der Präsidenten geht in die nächste Runde

Im Wahlkampf-Endspurt liefern sich die beiden Präsidenten einen Schlagabtausch. Im Zentrum stehen dabei launige Bemerkungen über das Weisse Haus und Ahornsirup.
von Renzo Ruf, Washington
Der ehemalige US-Präsident Barack Obama hat am Mittwoch in Georgia Wahlkampf für die Demokraten gemacht. (Bild: AP)

In der Schlussphase des amerikanischen Wahlkampfs schicken die beiden Grossparteien ihre besten Stimmenfänger in die Arena. Donald Trump und Barack Obama sorgen mit unterschiedlichen Auftritten für ein grosses Echo.

Obama warb zuletzt am Mittwoch in Georgia um Stimmen. Dort kritisierte der Ex-Präsident, der sich eigentlich seit bald zehn Jahren im politischen Ruhestand befindet, mit viel Spott die Bilanz seines Nachfolgers.

Im Mittelpunkt standen dabei die gebrochenen Wahlversprechen – etwa der Iran-Krieg – und die Tatsache, dass auch Trump die Inflation nicht eindämmen könne. Der Präsident habe kein Interesse daran, die wichtigen Probleme des Landes zu lösen, sagte Obama. Lieber beschäftige er sich mit Nebensächlichkeiten. «Er bastelt buchstäblich herum, während wir Krieg führen und versuchen, die ausufernden Preise in den Griff zu bekommen.»

Obama witzelt über Obama-Vergleich

Auch lenke Trump ab – zum Beispiel, indem er einen Handelskonflikt mit Kanada beginne. Kanada werde nun zum «historischen Widersacher» der USA stilisiert, dabei wohnten im nördlichen Nachbarland doch die nettesten Menschen der Welt, sagte Obama. Dann erwähnte er zwei der erfolgreichsten Exportartikels Kanadas: Ahornsirup und den Komiker Martin Short.

Als er aber kürzlich die falsche Prioritätensetzung der Regierung aufs Korn genommen habe, erzählte Obama weiter, da sei der Präsident so richtig wütend geworden. Am vergangenen Wochenende hatte der Demokrat gewitzelt, dass der Republikaner Zeit mit Verschönerungsprojekten im Weissen Haus verschwende. Das fertige Produkt sehe nun aus, «als würde Saddam Hussein eine Cheesecake Factory eröffnen», hatte der Ex-Präsident zur Freude seines Publikums gesagt.

Dieser Spruch löste bei den Republikanern in Washington tatsächlich heftige Reaktionen aus. Sie warfen Obama vor, er sei elitär, weil er sich angeblich über eine beliebte Restaurantkette lustig gemacht habe. Finanzminister Scott Bessent, der gerne den politischen Krawallmacher spielt, besuchte gar eine Filiale der «Cheesecake Factory» in Washington, um sich vor laufender Kamera über den überheblichen Demokraten zu beschweren – nachdem er einen fast 30 Dollar teuren «Glamburger» verspiesen hatte.

Diese Aufregung sei bezeichnend, sagte Obama lachend. «Der Präsident hat sich nicht einmal über den Vergleich mit Saddam Hussein geärgert.» Stattdessen habe der Trump «den gesamten Regierungsapparat» mobilisiert, um auf einen Witz zu reagieren. «Nicht auf die Inflation, sondern auf diesen Witz.» Nach zwei Jahren voller Chaos, Grausamkeit, Korruption und Inkompetenz könnten die Wähler nun endlich sagen: «Genug ist genug.»

Trump streicht seinen angeblich hohen IQ hervor

Trump wiederum tritt im Wahlkampf-Endspurt häufiger auf, und er spricht auch deutlich länger als Obama. In seinen Reden rühmt er sich für seine Wirtschaftspolitik und beklagt sich darüber, dass er nicht genug Lob für die guten makroökonomischen Daten bekomme. «Niemand will über die grossartigen Dinge sprechen, die ich getan habe», pflegt Trump zu sagen.

Obama dient ihm dabei als Blitzableiter. Trump macht «Barack Hussein Obama», wie er ihn fast immer nennt, für alle Probleme verantwortlich, mit denen er zu kämpfen hat. Den Iran-Krieg zum Beispiel oder die hohe Inflation.

Besonders gern spricht Trump in seinen weitgehend improvisierten Reden indes über Themen, die ihm wirklich am Herzen liegen. So dozierte er am Mittwoch während eines Auftritts in Ohio fünf Minuten lang darüber, warum Marmor für die Zufahrt des Weissen Hauses besser geeignet sei als Asphalt. Das Verschönerungsprojekt, das Obama kritisiert habe, sei ihm wichtig. «Es entspannt mich», sagte Trump.

Viel Zeit verwendete der Präsident damit, dem Publikum zu erklären, wie intelligent er sei. Sein IQ sei sehr hoch, sagt er jeweils. In Ohio rühmte sich der 80-Jährige, dass er als einziger Präsident drei kognitive Tests bestanden habe. Diese Tests, sagte Trump weiter, seien so schwierig, dass niemand anders die Aufgabe hätte meistern können.

Dann erwähnte er einmal mehr seinen begabten Onkel John Trump, der bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1973 als Professor an der Eliteuniversität MIT gewirkt habe. «Ich glaube, er wurde soeben zum führenden Professor in der Geschichte des MIT erkoren», sagte Trump. «Können sie das glauben?»

Es gibt keinen Hinweis darauf, dass das MIT eine Rangliste mit den führenden Professoren in der Geschichte der Hochschule führt.

Artikel: http://www.vaterland.li/international/usa-trump-und-obama-duellieren-sich-im-wahlkampf-art-770515

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