«Abdul wurde wütender und wütender»: Streit bei den US-Demokraten eskaliert
Ein heftiger Streit in einem politisch wichtigen Bundesstaat wirft kurz vor dem amerikanischen Wahltag ein Schlaglicht auf die internen Probleme der Demokraten.
Am Sonntag entschied sich die Abgeordnete Haley Stevens, einen Wahlaufruf zugunsten des republikanischen Senatskandidaten Mike Rogers in Michigan abzugeben. Die 43 Jahre alte Demokratin begleitete den ehemaligen FBI-Agenten, dessen Ideen sie noch vor wenigen Monaten als gefährlich bezeichnet hatte, bei einem Kirchenbesuch in Detroit. Diesen ungewöhnlichen Schritt begründete Stevens mit der Abneigung, die ihr aus der eigenen Partei entgegenschlage. Sie sagte: «Abdul machte sehr deutlich, dass ich in seinem Wahlkampf nicht willkommen bin.»
Bei Abdul handelt es sich um den demokratischen Senatskandidaten Abdul El-Sayed. Der Linke hatte im August die parteiinternen Vorwahlen gegen die Zentristin Stevens mit einem Vorsprung von 0,9 Prozentpunkten gewonnen – nach einer Auseinandersetzung, in der sich die beiden Kandidaten bitter attackiert hatten. Dabei stritten sie nicht nur über innenpolitische Themen wie die Zukunft des amerikanischen Gesundheitswesens, sondern auch über die Aussenpolitik. El-Sayed forderte ein Ende der amerikanischen Militärhilfe für Israel, während Stevens sich für die Allianz zwischen den beiden Ländern stark machte.
Antisemtischer Werbespot sorgt für Aufsehen
Nach seinem Sieg dämpfte El-Sayed, ein gläubiger Muslim, seine aussenpolitischen Spitzen. So verzichtete er in den vergangenen Wochen auf die ständigen Seitenhiebe gegen AIPAC, der einst sehr einflussreichen pro-israelischen Lobbyorganisation in den USA. Und die Wunden, die in den Primaries geschlagen worden waren, schienen langsam zu heilen. Stevens jedenfalls beteuerte in den zahlreichen Interviews, die sie gab, dass sie in Michigan sämtliche demokratische Kandidaten unterstütze – auch wenn sie den Namen «Abdul» nur selten in den Mund nahm.
Dann veröffentlichte Ende Oktober eine unabhängige Spendergruppe, die El-Sayed unterstützt, einen neuen, aufwieglerischen Werbespot. Er zeigt ein Ehepaar beim gemeinsamen Einkauf im Supermarkt. Als er nach einem Eierkarton greift, sagt sie sinngemäss: Das können wir uns nicht mehr leisten. «Wir müssen diese 7 Dollar auf die Seite legen, um Palästinenser zu töten.» Israels Militär benötige mehr Geld von Amerikas Steuerzahlern und Mike Rogers habe bereits verkündet, dass er diese Wünsche «bedingungslos» erfüllen werde.
Der Werbespot, den sich der Kommentator Cenk Uygur ausgedacht hatte, wurde umgehend scharf gerügt. Wer das jüdische Heimatland für die Preissteigerungen im amerikanischen Detailhandel verantwortlich mache, spiele mit antisemitischen Vorurteilen, sagten die Kritiker.
El-Sayed distanzierte sich von dem Video, für das er nicht verantwortlich gemacht werden könne. «Niemand spricht für Abdul – ausser er selbst und sein Wahlkampfteam», hiess es in einer Stellungnahme. Diese Distanzierung fiel aber in den Augen seiner Gegner nicht deutlich genug aus.
Haley Stevens wandte sich von El-Sayed ab. «Abdul wurde wütender und wütender», sagte sie. Ein letzter Vermittlungsversuch, eingefädelt von einflussreichen Demokraten, scheiterte am Wochenende. «Ich wachte heute Morgen auf», sagte Stevens am Sonntag, «und beschloss, zur Kirche zu gehen.»

Eine wichtige Rolle bei diesem Seitenwechsel spielte dabei angeblich ihr neuer Verlobter Jason Turkish, ein Anwalt jüdischen Glaubens und AIPAC-Gönner. Turkish hatte bereits Ende Oktober bekannt gegeben, dass er Rogers unterstützen werde.
Führende Demokraten, und zwar nicht nur in Michigan, distanzierten sich umgehend von Stevens. «Ich mache mir Sorgen um sie», sagte die Abgeordnete Debbie Dingell.
Umfragen sehen den Demokraten vorn
Unklar ist, ob der überraschende Seitenwechsel von Stevens dem Senatskandidaten El-Sayed schaden könnte. Die Umfragen deuten auf einen klaren Sieg des Demokraten hin, zuletzt mit einem Vorsprung von mehr als 10 Prozentpunkten. Für diesen Trend verantwortlich sein könnte auch die hasserfüllte Kampagne der Republikaner.
Der amerikanische Präsident Donald Trump höchstpersönlich bezeichnet El-Sayed als durchgeknallter islamistischen Gotteskrieger. Sollte der Demokrat gewählt werden, müssten im Senat Sicherheitsschleusen aufgebaut werden, behauptete Trump am Wochenende – als sei der Akademiker aus Michigan ein Schläfer, der den Kongress in die Luft sprengen wolle.
Die Kompromisslosigkeit, mit der El-Sayed in den vergangenen Tagen vorging, wirft allerdings kein gutes Licht auf ihn. Im Senat wird er Kompromisse aushandeln müssen, will er Erfolge für seine Wähler in Michigan erzielen. Dazu gehört auch ein bisschen Fingerspitzengefühl.
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