Experten sind erleichtert über Fed-Zinsentscheid – Trump unzufrieden
Volkswirte und Experten haben erleichtert auf die erste Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve seit Sommer 2023 und das entschiedene Handeln von Fed-Chef Kevin Warsh reagiert. «Der heutige Zinsschritt ist nicht nur ein Zinsschritt, er sichert vielmehr auch die Glaubwürdigkeit der US-Notenbank», kommentierte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VPBank.
Die Straffung der Geldpolitik sei ein Beweis dafür, «dass der Ausschuss seinen Worten Taten folgen lässt, um die Inflation wieder auf das Zielniveau zu bringen», schrieb Jeff Schulze, Leiter der Anlagestrategie des Franklin Templeton Institute.
Die Fed hatte am Mittwochabend den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf die Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Seit Dezember 2025 hatte sie ihn nicht mehr angerührt, die letzte Zinserhöhung liegt gar bis Juli 2023 zurück. Angesichts der andauernden und hohen Inflation war an den Finanzmärkten befürchtet worden, dass eine weitere Zinspause die Glaubwürdigkeit der Fed deutlich infrage gestellt hätte.
Warsh-Vorgänger unter Dauerbeschuss
«Jetzt macht die Fed auch unter der Leitung von Kevin Warsh das Gegenteil dessen, was sich US-Präsident Trump wünscht», kommentierte der Analyst Elmar Völker von der LBBW. Er spielte damit auf den Dauerzwist zwischen Donald Trump und Warshs Vorgänger Jerome Powell an. Dieser geriet unter Trumps regelmässigen Beschuss aus Beleidigungen und Rücktrittsforderungen, auch weil er sich Interventionsversuchen des Präsidenten widersetzte und auf die verbriefte Unabhängigkeit der Notenbank pochte.
Eine Zinssenkung, wie sie Trump seit Langem verlangt, hielten Experten dagegen für unrealistisch. Diese hätte keine Grundlage auf aktuellen Wirtschaftsindikatoren gehabt. Auf die Thematik angesprochen sagte Warsh bei einer Pressekonferenz: «Die heutige Entscheidung war richtig, um den Auftrag des Kongresses zur Gewährleistung stabiler Preise zu erfüllen». Später fügte er noch hinzu: «Zur Unabhängigkeit der Federal Reserve gehört auch, dass wir uns auf unser Fachgebiet konzentrieren.»

Trump sagte, er wolle eine unabhängige Zentralbank – machte aber gleichzeitig sehr deutlich, dass er die Zinserhöhung als Fehler betrachtete. «Die Zinsen sind zu hoch», sagte er am Abend vor den Medien. «Wir sollten die niedrigsten Zinsen weltweit haben, weil wir die beste Bonität haben.» Zuvor hatte er bereits in sozialen Medien gefordert, der Leitzins solle «bei einem Prozent oder darunter liegen».

Derweil könnte es nicht die einzige Zinserhöhung in diesem Jahr sein. Angesichts der aktuellen Inflation erwarten derzeit 16 der 18 befragten Fed-Mitglieder mindestens eine Erhöhung um einen Schritt (0,25 Prozentpunkte). Unter diesen können sich vier eine noch weitreichendere Straffung vorstellen. Ein ähnliches Bild zeichnet sich für 2027 ab: 14 Mitglieder erwarten für das Jahr einen Leitzins von 4,00 bis 4,25 Prozent, eine knappe Mehrheit davon rechnet mit 4,25 bis 4,5 Prozent.
Weitere Schritte würden auch zum bekannten Vorgehen der Fed passen, meinte US-Chefökonom Robert Sockin vom Finanzdienstleister PGIM: «Historisch gesehen neigt die Fed nicht dazu, ihre Geldpolitik mit einer einzigen Anhebung oder Senkung anzupassen.» In der Regel müssten weitere Schritte folgen. Maxime Darmet-Cucchiarini, leitender Volkswirt bei Allianz Trade, rechnet mit einer zweiten Zinsanhebung im Dezember.
Vor knapp einer Woche hatte schon die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts der wegen des Iran-Kriegs gestiegenen Teuerung ihren Leitzins erhöht, bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. Die Notenbank hob den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins von 2,25 auf 2,5 Prozent an. (dpa)
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