Uni suspendiert Forscher, der Jason Arday Plagiate vorwarf – jetzt schaltet sich die Trump-Regierung ein
Die Affäre um den verstorbenen Cambridge-Professor Jason Arday zieht weitere Kreise. Nun steht jener Wissenschafter im Zentrum, der die Plagiatsvorwürfe gegen Arday ins Rollen gebracht hatte: Nathan Cofnas.
Der amerikanische Philosoph forschte bisher an der Universität Gent in Belgien. Am Donnerstag gab Cofnas aber bekannt, dass ihn die Hochschule suspendiert habe. Dabei gehe es um den Verdacht auf diskriminierendes Verhalten und um öffentliche Äusserungen Cofnas’ im Zusammenhang mit dem Fall Arday. Es handelt sich laut der Universität Gent um eine «präventive Massnahme», währenddem eine Untersuchung durchgeführt werde.
Die neuen Entwicklungen treffen auf eine bereits seit Längerem bestehende Kontroverse um Cofnas. Er bezeichnet sich selbst als «Rassenrealisten» und vertritt kontroverse Thesen über ethnische Unterschiede bei Intelligenz. So hatte Cofnas vor einigen Jahren unter anderem geschrieben, dass Schwarze bei einer strikt leistungsorientierten Auswahl aus fast allen prestigeträchtigen Positionen ausserhalb von Sport und Unterhaltung verschwinden würden.
Politik mischt sich in Belange der Universitäten ein
Zuletzt sorgte Cofnas aber nicht damit, sondern mit seinen Recherchen zu Jason Arday international für Aufmerksamkeit. Vor einem Monat erhob er auf seinem Blog Plagiatsvorwürfe gegen den Cambridge-Professor. Arday bestritt diese, räumte jedoch Fehler ein und trat Anfang August zurück. Wenige Tage später wurde der 41-Jährige tot in seiner Londoner Wohnung aufgefunden.
Die Suspendierung Cofnas’ von der Universität Gent hat nun aber einen weiteren öffentlichen Aufschrei verursacht, weil auch die Politik dabei eine Rolle spielt. Cofnas selbst bezeichnet sich in einem Gastbeitrag fürs «Wall Street Journal» als «Sündenbock», der nun geopfert werde, «nur weil ich die Wahrheit gesagt habe». Ausserdem bezichtigte er seinen Arbeitgeber politischer Motive und verwies darauf, dass die Universitätsrektorin, welche die Suspendierung aussprach, eine ehemals prominente Politikerin der belgischen Grünen und Vizepräsidentin des Landes ist.

Ausgerechnet Trump-Mann will Wissenschaftsfreiheit verteidigen
Dazu schaltete sich am Freitag auch noch der amerikanische Botschafter in Belgien, Bill White, in den Fall ein. Der von Donald Trump ernannte Vertreter der USA verurteilte das Vorgehen der Universität Gent «aufs Schärfste» und drohte, dass seine Regierung die amerikanischen Beziehungen zur Universität Gent überprüfen werde. Auch Milliardär Elon Musk adelte das Statement des Botschafters mit Unterstützung.
«Meinungsfreiheit bedeutet, dass kontroverse Ansichten geschützt sind», schrieb der Botschafter. Kritiker sehen darin aber einen Widerspruch zur Hochschulpolitik der Trump-Regierung: Diese fror im vergangenen Jahr selbst Milliarden an Bundesmitteln für amerikanische Universitäten ein, um Änderungen unter anderem bei deren Umgang mit Antisemitismus, Protesten und Diversitätsprogrammen durchzusetzen.
Damit stehen sich zwei unterschiedliche Darstellungen gegenüber. Die Universität Gent erklärt, sie untersuche mögliche Diskriminierung und Äusserungen Cofnas’ im Zusammenhang mit dem Fall Arday. Der amerikanische Botschafter betrachtet die Suspendierung dagegen als Vergeltung für Cofnas’ Recherchen.
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