Radioaktive Strahlung? Ukrainische Notfall-Warnungen gehackt
Die Programme versenden etwa bei feindlichen Luftangriffen dringende Warnungen auf die Smartphones der Bewohner: In der Ukraine und in Russland sind die offiziellen Notfall-Apps nach Behördenangaben gehackt worden. Zunächst wurde am späten Sonntagabend in der ukrainischen App unter anderem fälschlicherweise vor radioaktiver Strahlung in der Hauptstadt Kiew gewarnt. Die App «Air Alert» sei möglicherweise vom Feind kompromittiert worden, teilte die ukrainische Luftwaffe auf Telegram mit. Es bestehe keine Gefahr durch Strahlung.

In der Nacht zum Montag meldete dann Russland einen massiven Cyberangriff auf seine Warn-App, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf das Zivilschutzministerium berichtete. Es sei den Angreifern gelungen, Falschinformationen an die Bevölkerung zu versenden, hiess es weiter. Die russische Behörde machte demnach keine Angaben dazu, wen sie hinter dem Angriff vermutete. Die Webseite des Ministeriums für Warnungen war in der Nacht zunächst zeitweise nicht erreichbar.
War es ein ukrainischer Gegenangriff auf das russische System?
Die zeitliche Abfolge der Ereignisse liess zumindest die Vermutung zu, dass es sich nach der Attacke auf das ukrainische System um einen Gegenangriff Kiews gehandelt haben könnte. Russland greift das kleinere Nachbarland Ukraine seit viereinhalb Jahren massiv aus der Luft, am Boden und auf hoher See an. Es kommt dabei auch zu Cyberangriffen, die allerdings deutlich seltener Schlagzeilen machen.
Medienberichten zufolge erschallten am späten Sonntagabend in manchen Regionen auch Warnsirenen. Über die App soll zudem auch fälschlicherweise vor Angriffen mit chemischen Waffen gewarnt worden sein. Die Bürger wurden von den Behörden aufgefordert, nicht auf Links in der Warn-App zu klicken.
Luftangriffe - und die nötigen regionalen Warnungen davor - sind für die Menschen in der Ukraine längst Alltag. Bei grösseren Angriffen auf Kiew suchen Menschen häufig in den Stationen der U-Bahn Schutz. Die Ukraine wehrt sich mit westlicher Militär- und Budgethilfe gegen das Nachbarland.
Selenski hält an Angriffen auf russische Raffinerien fest
Die Ukraine greift dabei auch immer wieder Ziele in Russland weit hinter der Front an, um Präsident Wladimir Putin die Fortsetzung seines Kriegs zu erschweren. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski verteidigte erneut die Angriffe auch auf Raffinerien in Russland. Sein Land müsse antworten, wenn Russland Ziele der Energieinfrastruktur angreife und Menschen in der Ukraine töte, sagte er im Gespräch mit dem US-Sender Fox News. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hatte die Ukraine angesichts hoher Dieselpreise gebeten, keine russischen Ölraffinerien mehr anzugreifen.
Selenski sagte, wenn die Ukraine einen Monat lang keine Ziele der Öl-Infrastruktur mehr angreifen solle, dann müsse man ihr mindestens für diesen Monat genügend Luftabwehrraketen vom Typ Patriot geben, um russische Attacken abwehren zu können. Das ukrainische Militär kann viele Angriffe des Feindes, vor allem jene mit ballistischen Raketen, nicht mehr abwehren, weil ihm die Munition für die fortschrittlichen Abwehrsysteme ausgeht.
Selenski bittet die westlichen Partner immer wieder um zusätzliche Unterstützung für die ukrainische Luftverteidigung. Besonders pocht er auch die Lieferung weiterer Abfangraketen für die Patriot-Systeme. Diese sind inzwischen aber - auch infolge des Iran-Kriegs - vielerorts ein knappes Gut. Die Produktion in den USA wurde bereits hochgefahren, hält aber nicht Schritt mit der Entwicklung in den verschiedenen Konflikten. (dpa)
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