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Pikante Miss-Universe-Verbindung: Trumps alte Freundin will UNO-Chefin werden

Der US-Präsident scheint die Ecuadorianerin Ivonne A-Baki als nächste Generalsekretärin zu favorisieren. Laut eigener Aussage hat sie Rückendeckung aus dem Weissen Haus.
von Jan Klauth, New York
Die Frau von Trumps Gnaden: Ivonne A-Baki könnte mit Unterstützung des Weissen Hauses die nächste UNO-Generalsekretärin werden. (Bild: Lev Radin/Imago)
Ivonne A-Baki spricht vor der UNO in New York. (Bild: Keystone)

Die ecuadorianische Hauptstadt Quito im Jahr 2004. Vor dem Nobelhotel Swissôtel steigt ein Pärchen aus einer schwarz lackierten Limousine: sie im weissen Abendkleid, er im dunkelblauen Anzug und roter Krawatte. Es handelt sich um Melania Trump in Begleitung ihres späteren Gatten Donald – damals Besitzer der Miss-Universe-Organisation. Dass der Wettbewerb zum ersten Mal in Quito stattfindet, liegt an der Frau, die das Pärchen im Foyer des Hotels begrüsst: Ivonne A-Baki, damals ecuadorianische Handelsministerin, gut mit Trump befreundet.

21 Jahre später ist aus dieser Bekanntschaft eine der wohl bemerkenswertesten Personalien der Geschichte der Vereinten Nationen geworden: A-Baki bewirbt sich um den Posten des Generalsekretärs – und ihre Chancen stehen gar nicht mal so schlecht. Zwar hat die USA keine direkte Unterstützung der Kandidatin ausgesprochen. Doch die 75-Jährige hat – zumindest laut eigener Aussage – Rückendeckung aus dem Weissen Haus für ihre Kandidatur.

Ende des Jahres wählt die UNO-Generalversammlung einen Nachfolger für António Guterres. Die Vorschläge dafür kommen allerdings aus dem mächtigen Sicherheitsrat. Acht Kandidaten bewerben sich derzeit. Die Präsidentin der Generalversammlung, Annalena Baerbock, hatte zuletzt versucht, die Wahl stärker in die Generalversammlung zu ziehen. Die stellvertretende US-Botschafterin bei der UNO, Jennifer Locetta, bezeichnete das Vorgehen letzte Woche als «übergriffig» und «heuchlerisch». Russlands UNO-Botschafter Wassili Nebensja schloss sich der Kritik an.

Kennengelernt haben sich Trump und A-Baki vor knapp 30 Jahren, als der heutige US‑Präsident als Immobilien- und Medienunternehmer tätig war. Baki entstammt der ecuadorianischen High Society und ist seit den 1980er Jahren im diplomatischen Dienst tätig, zunächst als Konsulin in Beirut, der Hauptstadt des Libanon, dem Heimatland ihrer Eltern. Dort lernte sie ihren zukünftigen Ehemann kennen, den Millionär Sami Abd-El-Baki, der 2017 verstarb. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. 1998 wurde sie dann Ecuadors Botschafterin in den USA – als erste Frau überhaupt –, wo sie Trump kennenlernte und eine enge Beziehung zu ihm aufbaute. Schon früh schien sie mit der Trump-Familie gemeinsame Geschäftsinteressen zu teilen.

Ein Deal ganz im Sinne des New Yorker Milliardärs

Nach der Ölpest, verursacht durch den Tanker «Jessica» vor den Galápagos-Inseln im Jahr 2001, gehörte A-Baki zu den Mitgründern der Stiftung Galápagos Conservancy – laut ecuadorianischen Medienberichten unterstützt durch eine grössere Spende von Donald Trump. Im Gegenzug, so berichteten es Medien damals, verhalf A-Baki ihm zu einem Deal ganz im Trump’schen Sinne: 2004 holte sie als ecuadorianische Handelsministerin Trumps Miss-Universe-Wettbewerb in die Hauptstadt Quito – eine ungewöhnliche Ortswahl. Seither zieht sich der Kontakt wie ein roter Faden durch A-Bakis Karriere.

Eine Untergebene Trumps scheint A-Baki jedoch nicht gewesen zu sein, eher war die Beziehung stets im gegenseitigen Nutzen. 2017 beispielsweise kritisierte sie Trumps Entscheidung öffentlich, die US-Botschaft in Israel nach Jerusalem zu verlegen. Und im Gegensatz zum US-Präsidenten scheint sie sich über das Steigen des Meeresspiegels im Zuge des Klimawandels Sorgen zu machen. Erst vor wenigen Wochen forderte sie bei einem Besuch auf den Galapagos-Inseln «globalen Willen, Ressourcen und Führungsstärke», um dieser «Krise entgegenzutreten».

Ivonne A-Baki spricht vor der UNO in New York. (Bild: Keystone)

A-Baki hat aus der Freundschaft mit Trump nie einen Hehl gemacht. Auch zu engen Trump-Vertrauten wie dem Fifa-Präsidenten Gianni Infantino hat sie gute Verbindungen, liess sich mehrfach mit ihm ablichten. Ein Interessenskonflikt jedoch liegt aus ihrer Sicht nicht vor. «Wenn man mich dafür kritisiert, dass ich mit Trump befreundet bin, dann muss man mich auch dafür kritisieren, dass ich mit Bill Clinton befreundet bin», sagte sie gegenüber «Arab News». Tatsächlich reichten Ihre Kontakte parteiübergreifend zurück bis Ronald Reagan. Sie selbst sei politisch ungebunden und folge nur «Gerechtigkeit, Transparenz und pragmatischen Instinkten», berichtet das saudi-arabische Medium.

Washingtons angebliches Angebot an Tonga

Am 18. August trat A-Baki als achte und bisher letzte Kandidatin für die UNO-Spitze an – nominiert vom pazifischen Mini-Staat Tonga. Ecuador hatte mit Ex-Aussenministerin María Fernanda Espinosa bereits eine eigene Kandidatin im Feld. Der Umweg über einen vermeintlich neutralen Kleinstaat erlaubt A-Baki, formal unabhängig aufzutreten – während die eigentliche politische Schubkraft von aussen zu kommen scheint.

Bemerkenswert ist die Wahl des nominierenden Staates: Tonga gehört zu den Ländern, deren Staatsangehörige derzeit weitreichenden US-Einreisebeschränkungen unterliegen – die Trump-Regierung hat unter anderem Touristen-, Studenten- und Austauschvisa für Tonganer ausgesetzt.

In Diplomatenkreisen werde deshalb vermutet, so suggeriert es eine Recherche von «T-Online», Washington habe Tonga mit der Aussicht auf Visa-Erleichterungen zur Nominierung bewegt, um am Ende eine Trump-Freundin als UNO-Generalsekretärin zu installieren, die tut, was die US-Regierung will. Stichhaltige Belege für diese Theorie gibt es bislang allerdings nicht.

Ob der Plan, die Ecuadorianerin ins Amt zu bringen, aufgeht, ist nun keineswegs sicher. Vorn bei der Kandidatenauswahl liegt A-Baki bislang nicht: Bei der ersten informellen Abstimmung im Sicherheitsrat im Juli erhielt Rebeca Grynspan aus Costa Rica, Chefin der UNO-Handelskonferenz, zehn von fünfzehn Stimmen.

Artikel: http://www.vaterland.li/international/trumps-alte-freundin-ivonne-a-baki-will-uno-generalsekretaerin-werden-art-756175

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