«Das wäre fantastisch»: Trump verärgert Briten mit Kommentar über Irland-Wiedervereinigung
Donald Trump war eigentlich zum Golfen nach Irland gereist. Doch am Ende sorgte nicht sein Abschlag für Schlagzeilen, sondern ein beiläufiger Satz über die Zukunft der grünen Insel. Der US-Präsident erklärte am Wochenende, er würde eine Wiedervereinigung Irlands «liebend gern» sehen. «Das wäre fantastisch», sagte er – und brach damit zumindest rhetorisch mit einer jahrzehntelang vorsichtigen amerikanischen Linie.
Dabei hatte der Besuch zunächst kaum politische Ambitionen erkennen lassen. Trump verbrachte das Wochenende in seinem Luxusresort in der Grafschaft Clare an der irischen Westküste. Dort fand mit den Irish Open eines der bedeutendsten Golfturniere Europas statt. Selbst Rory McIlroy, Nordire und einer der besten Golfer der Welt, freute sich über den prominenten Zuschauer. Trumps Präsenz mache das Turnier «wirklich international».
Weniger begeistert waren die Sicherheitsbehörden. Tausende Polizisten standen im Einsatz, in Dublin demonstrierten mehr als 10'000 Menschen gegen den Präsidenten. Das Resort und der Phoenix Park wurden weiträumig abgesperrt. Daneben absolvierte Trump sein diplomatisches Pflichtprogramm: Er traf Präsidentin Catherine Connolly, sprach mit Premierminister Micheál Martin und hielt im Garten der US-Botschaft eine gewohnt ausschweifende Rede.

Die eigentliche Überraschung folgte erst beim Medienauftritt mit Martin. Zwischen dem irischen Regierungschef und Trump scheint sich inzwischen ein bemerkenswert entspanntes Verhältnis entwickelt zu haben. Bereits beim Besuch Martins in Washington im März hatte der Ire dem Präsidenten offen widersprochen, den damaligen britischen Premier Keir Starmer gelobt und mehr Unterstützung für die Ukraine gefordert. Trump liess ihn gewähren und erklärte am Ende sogar: «Ich stimme Ihnen in allen Punkten zu.»
Der zweite Kommentar zum Zusammenschluss
Auch diesmal war die Stimmung auffallend herzlich. Trump sprach von einem «sehr netten» Treffen mit Connolly und erzählte, man habe über Nordirland gesprochen, ein Thema, das ihn sehr interessiere. Auf die Nachfrage eines Journalisten folgte dann die unerwartete Aussage: Er wünsche sich eine Vereinigung Irlands. Wann dies geschehen solle, liess er offen. Die Iren hätten jedenfalls «den richtigen Mann, um das in Gang zu setzen», sagte Trump und deutete auf Martin.
Die Bemerkung wirkt auf den ersten Blick improvisiert. Ganz neu ist sie allerdings nicht. Bereits am St.-Patrick's-Day-Empfang im März hatte Trump sowohl Martin als auch die nordirische Vize-Regierungschefin Emma Little-Pengelly gelobt: «Sie kommen ja wunderbar miteinander zurecht», sagte er. Obwohl sie den London-treuen Unionisten angehört, scherzte Trump damals über einen möglichen «Zusammenschluss» der Insel.
Warum der Präsident nun deutlich weiter ging, bleibt offen. Eine Möglichkeit: Trump wollte seiner Gastgeberin Connolly den Wind aus den Segeln nehmen. Die Präsidentin hatte, wie ihre Kanzle später mitteilte, nicht nur Israels Vorgehen im Gazastreifen scharf kritisiert und vor einer «Normalisierung von Kriegen und Genozid» gewarnt. Sie erinnerte auch an die «besondere Erfahrung Irlands bei der friedlichen Lösung von Konflikten» – ein kaum verhüllter Verweis auf das Karfreitagsabkommen von 1998. Die indirekte Erinnerung an das Ende des 30-jährigen Bürgerkriegs in Nordirland mag Trump inspiriert haben.
Wiedervereinigung laut Burnham weit entfernt
Ebenso denkbar ist, dass er die Briten zum zweiten Mal binnen einer Woche ärgern und ihnen damit deren Skepsis über den Iran-Krieg heimzahlen wollte. Erst wenige Tage zuvor hatte Trump die bisher neutrale amerikanische Haltung im Streit um die Falkland-Inseln infrage gestellt und damit Grossbritannien irritiert. Seine Sympathie für eine irische Wiedervereinigung könnte als zweite Spitze gegen die britische Regierung verstanden werden. Der Verlust Nordirlands an die Republik würde das Vereinigte Königreich in eine schwere Existenzkrise bringen, nicht zuletzt wegen der Ansprüche schottischer und walisischer Nationalisten.
Praktische Folgen dürfte Trumps Vorstoss allerdings kaum haben. Das Karfreitagsabkommen sieht zwar grundsätzlich die Möglichkeit einer Wiedervereinigung vor. Den ersten Schritt müsste jedoch London machen: Erst wenn die britische Regierung überzeugt ist, dass eine Mehrheit der Nordiren den Verbleib im Vereinigten Königreich nicht mehr unterstützt, kann sie ein Referendum auf beiden Seiten der Grenze ansetzen. Premierminister Andy Burnham betonte erst vor Kurzem, von einem solchen Szenario sei man derzeit weit entfernt.
Ein beiläufiger Satz von Trump genügte jedoch, um eines der sensibelsten Themen der britisch-irischen Geschichte wieder auf die internationale Agenda zu setzen.
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