Weil er CNN rausschmiss: Trump ist bei Eröffnung plötzlich nicht zu hören
Für einige wird es sich vielleicht geradezu wohltuend angehört haben. Statt der Stimme des US-Präsidenten Donald Trump war bei einer Medienkonferenz am Montag nur Rauschen zu hören. Darüber berichten «Forbes» und «Axios» übereinstimmend.
Trump hat sich den fehlenden Ton zum Livestream seiner Medienkonferenz selbst eingebrockt. Er hatte am Freitag die US-Medien CNN, MS Now und Politico aus dem Weissen Haus gekickt. Gemäss Informationen von Forbes soll Trump auf Initiative seiner persönlichen Beraterin Natalie Harp gehandelt haben, die ihn auf negative Berichterstattung hingewiesen haben soll.
Besonders schwer wiegt der Rausschmiss von CNN. Der TV-Sender gehört zusammen mit CBS, ABC, NBC und Fox News zu den fünf Mitgliedern des sogenannten TV-Pools. Es ist seit Jahrzehnten Usus, dass sie sich die tägliche Berichterstattung im Weissen Haus alternierend aufteilen.
CNN wäre am Montag dran gewesen, die Auftritte von Trump abzudecken. Weil dieser CNN aber aus dem TV-Pool rausschmiss und die anderen vier Broadcaster sich daraufhin mit CNN solidarisierten, blieb Trump stumm – es war schlicht kein Mikrofon da, das Trumps Ausführungen aufnehmen hätte können. Bemerkenswert ist das im Fall des konservativen Senders Fox News, der Trump im Normalfall wohlgesonnen ist. Trump hatte am Montag den neuen Helilandeplatz vor dem Weissen Haus eingeweiht.
Der sogenannte Media Pool besteht aus etwa 20 Journalisten und Journalistinnen, die einen privilegierten Zugang zum Weissen Haus, zum US-Präsidenten und seinen Aktivitäten haben. Dafür teilen sie ihre Berichterstattung in geschriebener oder audiovisueller Form mit anderen Medien.
Schon in seiner ersten Amtszeit hatte sich Trump immer wieder mit den Leitmedien des Journalistenpools angelegt und sich um jahrzehntelange Gepflogenheiten foutiert.
Statt der Leitmedien, die es wagen, ihm kritische Fragen zu stellen, gibt Trump lieber kleineren, zumeist sehr jungen Medien aus dem MAGA-Universum den Vorzug. So waren am Montag statt CNN die Medien «Hearst» und «America's Voice» eingeteilt – schafften es aber offenkundig nicht, den Präsidenten hörbar zu machen.
«Trumps Verhalten hat den Journalistenpool desavouiert», sagt Seth Stern von der «Freedom of Press Foundation», einer NGO. «Der Journalistenpool bekommt von ihm weder ehrliche noch relevante Einblicke».
Trotzdem sei es wichtig, dass Journalisten und Journalistinnen weiterhin Zugang haben zum Weissen Haus, sagt Stern. Genau dass der Präsident so aufführe, wie er sich aufführe, sei berichtenswert. Und Brittany Gibson, die für Axios dem Pool angehört, sagt: «Die Journalisten und Journalistinnen im Pool dokumentieren täglich, was im wohl mächtigsten Büro der Welt vor sich geht. Ihre Berichterstattung trägt dazu bei, dass das Weisse Haus der Öffentlichkeit gegenüber Rechenschaft ablegt.»

Anders sieht das Trump. «Die Fake-News-Medien haben keinen Anspruch auf einen Platz im Oval Office», liess er über einen Sprecher via E-Mail ausrichten. «Die Lügen, die sie verbreiten, sind eine Schande für das amerikanische Volk und greifen die Demokratie in ihren Grundfesten an. Sie sind problemlos in der Lage, von ausserhalb des Weissen Hauses zu berichten».
Die von Trump ausgeschlossenen Medien haben eine Klage gegen das Weisse Haus eingereicht. (her/watson)
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