Zu modern und nicht schön genug: So will Trump Amerikas Flugzeugträger umbauen
Wo sind die Admirale, die hinstehen und sagen, dass das «alles Unsinn und Geldverschwendung» ist? Der pensionierte Dreisterne-General Ben Hodges kann das Duckmäusertum seiner Marinekollegen nicht fassen.
Grund für diesen verzweifelten Aufschrei ist, wen wundert's, der US-Präsident: Denn Donald Trump hat eine klare Vorstellung davon, wie Amerikas Kriegsschiffe künftig aussehen und funktionieren sollen. Mit einem neuen Memorandum an die Adresse des Pentagon greift er tief in die Konstruktionspläne der Navy ein.
Die Reaktionen darauf zeigen exemplarisch, wie politische Konflikte in Washington derzeit ausgetragen werden: Der Präsident entscheidet mit grossem Gestaltungsanspruch – Fachleute warnen vor den Folgen, Untergebene nicken zustimmend, Demokraten attackieren ihn. Und Trumps Fanbasis hält die Kritik für Sabotage am überfälligen Kurswechsel. Kurzum: Die Aufregung ist überall gross, die Debatte gehässig.
Dabei ist der Ausgangspunkt ein reales Problem. Die US-Marine kämpft mit jahrelangen Verzögerungen, steigenden Kosten und zu geringen Werftkapazitäten. Trump will deshalb die industrielle Basis des Landes stärken, eine fünfte öffentliche Marinewerft schaffen und Reparaturen beschleunigen.
Ausländische Unternehmen sollen vorübergehend sogar Schiffe für die Navy bauen dürfen, sofern sie gleichzeitig in amerikanische Werften investieren, Mitarbeiter ausbilden sowie Kapital und Technologie in die USA transferieren.
Zurück zur alten Dampftechnik
Doch mehr Aufmerksamkeit erhalten zwei andere Ideen, die zu einem regelrechten Aufschrei in Marinekreisen geführt haben. Trump verlangt, dass die Flugzeugträger der neuesten Ford-Klasse wieder mit Dampfkatapulten ausgerüstet werden. Die Navy hat diese jahrzehntelang verwendete Technik für Flugzeugstarts bei der Ford-Klasse durch das elektromagnetische System EMALS ersetzt.
Zudem prüft die Marine auf Trumps Befehl hin, die Kommandobrücke – die sogenannte Insel – bei künftigen Trägern weiter nach vorn zu verschieben. Trump stört sich laut Angaben der «Washington Post» am Erscheinungsbild der neuen Schiffe. Er bevorzugt demnach die Silhouette älterer Flugzeugträger wie jener im 2. Weltkrieg.

Damit wird aus einer industriepolitischen Initiative eine Kontroverse über die Grenzen präsidialer Einmischung und persönliche Vorlieben.
Trump kritisiert elektromagnetische Katapulte schon seit seiner ersten Amtszeit. Er hält sie für unnötig kompliziert und unzuverlässig. Sein Memorandum gibt dem Pentagon nun 60 Tage Zeit, einen Plan für die Rückkehr zu Dampfkatapulten sowie hydraulischen Lift-Systemen beim Flugzeugträger USS Doris Miller vorzulegen.
Das Problem: Die «Doris Miller» steht kurz vor der Kiellegung. Der Hersteller General Atomics erklärte, die Produktion der betroffenen elektromagnetischen Systeme sei nahezu zur Hälfte abgeschlossen. Ein Wechsel berge erhebliche Kosten-, Termin- und Integrationsrisiken.

Marineexperten rechnen mit zusätzlichen Milliardenkosten und weiteren jahrelangen Verzögerungen, nachdem der Baubeginn der «Doris Miller» wegen fehlender Werftkapazität ohnehin schon weit im Verzug ist. Überhaupt müsste zuerst wieder ein Hersteller für Dampfkatapulte gefunden werden, da die Navy letztmals vor über 20 Jahren eine solche Anlage bestellt hat.
Ähnlich nostalgisch ist Trumps Wunsch, die Insel zu versetzen. Ihre heutige Position weit hinten ist nicht bloss eine ästhetische Entscheidung. Sie schafft mehr Platz für Flugzeuge, erleichtert deren Bewegung auf dem Deck und reduziert Turbulenzen bei Landungen. Eine Verschiebung würde Gewichtsverteilung, Stabilität und innere Konstruktion des gesamten Schiffes verändern. Fachleute sprechen von einem kompletten Redesign der USS Doris Miller.
Zu allem Überfluss giesst eine aktuelle CNN-Meldung Öl ins Feuer, wonach das Weisse Haus den neuen Flugzeugträger – ein Affront – doch nicht nach dem schwarzen Schiffskoch und Helden von Pearl Harbor benennen will, sondern vermutlich nach … Donald J. Trump. Angesichts der laufenden Debatte wäre das ebenso logisch wie ironisch.
Die Frage lautet: Wer weiss es besser?
Die Auseinandersetzung folgt nach dem ersten Aufschrei dem inzwischen vertrauten Muster: Trump drischt auf die Kritiker ein und verspricht mit seinen Ideen radikal-einfache Abhilfe. Seine Gegner halten ihm entgegen, dass ausgerechnet seine Eingriffe die Probleme verschärfen, die er lösen will. Der demokratische Senator Mark Kelly, früher selbst Marine- und Testpilot, erklärt sinngemäss, selbst mit seiner Erfahrung würde er der Navy nicht vorschreiben, wie sie ihre Schiffe zu konstruieren hat.
Doch auch die Gegenposition ist nicht widerspruchsfrei. Teile von Trumps Memorandum finden sogar bei Kritikern Zustimmung. Der Ausbau der Reparaturkapazitäten gilt angesichts überlasteter Werften als sinnvoll, wenngleich der allgemeine Fachkräftemangel dabei unberücksichtigt bleibt.
Letztlich dreht sich der Konflikt bei Trumps neuem Marine-Memorandum um die Frage: Wer weiss es besser? Fachgremien und Institutionen, die über Jahrzehnte Know-how und technische Standards entwickelt haben? Oder ein sprunghafter Präsident, der gerade diese etablierten Strukturen zerschlagen will?
Bei den Flugzeugträgern könnte die Antwort eine sehr amerikanische Lösung sein. Politische Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass die Navy die verlangten Änderungen gewissenhaft prüft, Berechnungen erstellt und Planungen vorbereitet – sie aber so lange den politischen Instanzen vorenthält, bis Trump nicht mehr Präsident ist.
Gleiches dürfte für die Pläne des Ende 2025 vorgestellten Schlachtschiffs der Trump-Klasse gelten, das dereinst den Kern von Trumps angestrebter «goldener Flotte» bilden soll. Die Kosten der atomgetriebenen Schiffsklasse werden von der Budgetkontrollstelle des Kongresses inzwischen auf 275 Milliarden Dollar für die bis 2057 vorgesehenen 15 Einheiten veranschlagt. Das ist bereits eine Steigerung um fast ein Viertel gegenüber dem ursprünglichen Preisschild, noch lange bevor die erste Schraube verbaut worden ist.
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