95 Tote nach Sturzflut in Nepal ++ Hunderte Touristen vermisst ++ Keine Infos über Schweizer Opfer
Nach der heftigen Sturzflut in der Gebirgsregion von Nepal werden nach Behördenangaben Hunderte Reisende vermisst. Insgesamt würden 384 Touristen, darunter mehr als 290 Ausländer etwa aus Deutschland, den USA und Spanien vermisst, sagte der leitende Beamte Santosh Panta von der nationalen Tourismusorganisation Nepal Tourism Board der Deutschen Presse-Agentur in Kathmandu.
Die Organisation berief sich dabei auf vorläufige Zahlen von Reise- und Trekkingagenturen, die Touren durch die betroffene Region organisieren. Der Grossteil der Vermissten stammt demnach aus dem Nachbarland Indien.
Die Zahl der Toten infolge der Flutwelle erhöhte sich unterdessen auf 95. Das lässt die Agentur AFP verlauten und beruft sich dabei auf Informationen der Polizei.
Kurz zuvor hatte die Zeitung Ekantipur noch von 72 bestätigten Todesopfern berichtet. Die Opfer wurden dabei in verschiedenen Teilen des Landes aufgefunden.
Bestätigt wurde, dass 26 Polizeibeamte in den betroffenen Hochgebirgsgebieten nahe der Grenze zu Tibet als vermisst galten. Auch Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete von Befürchtungen über zahlreiche Opfer und Vermisste am Grenzübergang im Kreis Gyirong im Südwesten der Region Tibet.

Grosse Zerstörungen
Nach Berichten der Zeitung «The Kathmandu Post» und anderer nepalesischer Medien richteten die Wasser- und Schlammmassen grosse Zerstörungen in Ortschaften und an Infrastruktur entlang des Flusses Bhotekoshi an, der im Hochland von Tibet entspringt und die nepalesische Provinz Bagmati durchfliesst. Unter anderem seien Häuser und Brücken weggespült oder beschädigt worden.
Nepals Regierungschef Balendra Shah kündigte den Einsatz der Armee und weiterer Sicherheitskräfte für die Rettungsmassnahmen an. Die Behörden gaben für die flussabwärts gelegenen Gebiete in dem Himalaya-Staat eine Katastrophenwarnung heraus.
Unklar war zunächst, was die Sturzflut ausgelöst hat. Nicht ausgeschlossen wurde, dass ein sogenannter Gletscherseeausbruch dazu geführt haben könnte. Dabei entleert sich plötzlich ein Gletschersee in Form von Flutwellen.
Keine Informationen über Schweizer Opfer
Nach der heftigen Sturzflut in Nepal steht die Schweizer Vertretung in Kathmandu in Kontakt mit den zuständigen Behörden vor Ort. «Dem EDA liegen derzeit keine Informationen über Schweizer Opfer vor», heisst es auf Anfrage. Entsprechende Abklärungen seien im Gang. Das EDA rät Schweizerischen Staatsangehörigen vor Ort, die Anweisungen der lokalen Behörden zu befolgen. (watson/ome)
Vermisste im Südwesten Tibets
Die Schlammlawine habe die Strassen zu dem Grenzübergang sowie die Stromzufuhr und Kommunikationsverbindungen abgeschnitten, berichtete Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Videoaufnahmen in sozialen Medien und Fotos zeigten, wie die braunen Schlammmassen das Flusstal überspülten.
Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping forderte, die Vermissten mit allen Mitteln zu suchen und Menschen in der Region in Sicherheit zu bringen, wie Xinhua meldete. Zudem mahnte er demnach, das Frühwarnsystem zu stärken. Xi gibt solche Anweisungen in der Regel nur bei besonders schweren Unglücken. Zudem schickte er mit Zhang Guoqing einen ranghohen Kader der Kommunistischen Partei in die betroffenen Region, um die Rettungsmassnahmen zu überwachen. (dpa)
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