­
­
­
­

Oberstes Gericht erlaubt Trumps Briefwahl-Pläne – was bedeutet das?

Kurz vor der Parlamentswahl will der republikanische US-Präsident die Regeln ändern. Kritiker vermuten, dass Trumps Briefwahl-Pläne gezielt demokratische Wähler benachteiligen sollen.
Das Wählen per Brief ist Trump ein Dorn im Auge. (Bild: Lynne Sladky/AP)

Gut zwei Monate vor den US-Parlamentswahlen hat der Oberste Gerichtshof eine vorläufige Blockade der Pläne von Präsident Donald Trump zur Verschärfung der Regeln für die Briefwahl aufgehoben. Obwohl eine endgültige Entscheidung in der Sache noch aussteht, kann die Regierung ihre Pläne damit zumindest vorläufig weiter verfolgen. Es blieb zunächst unklar, was das genau für die bevorstehenden Zwischenwahlen bedeuten würde. Es könnten zudem weitere Klagen gegen Trumps Pläne geben.

Das Wählen per Brief ist Trump ein Dorn im Auge. (Bild: Lynne Sladky/AP)

Trump will sein Vorhaben noch vor der Abstimmung Anfang November durchsetzen. Während der Republikaner die geplanten Änderungen damit begründet, angeblichen Wahlbetrug verhindern zu wollen, vermuten Kritiker als Motiv eher eine gezielte Benachteiligung demokratischer Wähler. Diese stimmen meist etwas häufiger per Post ab als Republikaner.

Ein Gericht in Boston hatte die geplanten Regeln vor einiger Zeit mit einer einstweiligen Verfügung vorläufig gestoppt. Etwas später hatte es das Verbot auf alle 50 Bundesstaaten ausgeweitet. Ausserdem sprach es der Regierung das Recht ab, Wahlen zu regulieren. Diese Kompetenz liegt in den USA vor allem bei den Bundesstaaten.

Der Supreme Court in Washington entschied nun zwar nicht in der Sache darüber, ob Trumps Briefwahl-Pläne verfassungsgemäss sind, er hob allerdings die Gültigkeit der einstweiligen Verfügung auf. Die Entscheidung fiel mit der Mehrheit der sechs konservativen Richter, die drei eher den Demokraten nahestehenden Richterinnen stimmten dagegen.

Niedrigere Instanz: Trumps Anordnung könnte zu Chaos führen

Trump hatte Ende März verfügt, dass die US-Post (USPS) Briefwahlunterlagen nur noch an Personen übermitteln soll, die auf einer von den Bundesstaaten zuvor erstellten Wählerliste stehen. Die Post würde damit vom reinen Zusteller der Wahlunterlagen zu einer Kontrollinstanz im Ablauf der Wahl.

Die Richterin der niedrigeren Instanz in Boston hatte betont, dass der Status quo für die bevorstehende Wahl aufrechterhalten bleiben müsse. Es bliebe immer weniger Zeit, Wähler aufzuklären, wie sich die Regelverschärfung auf sie auswirken könnte, falls sie per Briefwahl abstimmen wollten. Trumps Anordnung stifte Verwirrung, es drohe Chaos, erklärte sie. Geklagt hatten überparteiliche Organisationen, die nach eigenen Angaben die Wahlbeteiligung steigern wollen.

Trumps Republikaner wollen bei «Midterms» Mehrheiten verteidigen

Am 3. November wird bei den «Midterms» etwa ein Drittel des Senats und das komplette Repräsentantenhaus neu gewählt. Wegen der knappen Mehrheit der Republikaner in beiden Parlamentskammern könnte jedes einzelne Mandat darüber entscheiden, wer am Ende die Macht im Kongress hat.

Sollten die Republikaner ihre Mehrheit in einer Kammer verlieren – oder gar in beiden – wäre es für Trump deutlich schwieriger, seine politischen Vorhaben umzusetzen.

Trump sät immer wieder Misstrauen an fairen Wahlen in den USA. So behauptet er seit Jahren fälschlicherweise, um seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl 2020 betrogen worden zu sein – obwohl das vielfach widerlegt ist.

Briefwahl wird immer beliebter

Die Nutzung von Briefwahl ist bei Wählern beider Parteien zunehmend verbreitet. Nach Angaben der US-Bundesregierung wurden bei der Präsidentschaftswahl 2024 rund 30 Prozent der Stimmen per Briefwahl abgegeben. Eine Studie der Brookings Institution aus dem Jahr 2025 kam zu dem Ergebnis, dass auf zehn Millionen per Briefwahl abgegebene Stimmen lediglich etwa vier Betrugsfälle entfielen.

Der demokratische Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, kritisierte die neueste Entscheidung. Trumps Verordnung ziele darauf ab, es Amerikanern «schwerer zu machen, zu wählen», sagte er. (dpa)

 
Lädt

Schlagwort zu Meine Themen

Zum Hinzufügen bitte einloggen:

Anmelden

Schlagwort zu Meine Themen

Hinzufügen

Sie haben bereits 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

Entfernen

Um «Meine Themen» nutzen zu können, stimmen Sie der Datenspeicherung hierfür zu.

Kommentare
Keine Kommentare

    Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben

Kommentare hinzufügen

Ähnliche Artikel

Trump wollte die Briefwahl strenger regeln – jetzt stoppt ihn das Gericht

Im November wird über die Neubesetzung vieler Sitze im US-Parlament abgestimmt. Präsident Donald Trump will striktere Regeln bei der Briefwahl durchsetzen. Doch erneut kommt ihm die Justiz in die Quere.
12.08.2026
Abo

Radikaler Linksruck oder moderate Mitte? Demokraten ringen um den richtigen Kurs gegen Trump

Innerhalb der Partei haben aktuell linke Kandidaten Oberwasser, ihre Erfolge sind beeindruckend. Doch nicht wenige halten das für einen Irrweg.
11.08.2026
Abo

Ausgerechnet die beiden Männer, die nie Krieg wollten, riskieren für einen Frieden ihren Kopf

Irans Präsident Peseschkian und US-Vizepräsident JD Vance sind gezwungen, den von ihren Chefs verursachten Scherbenhaufen aufzuräumen. Wie erbittert der Widerstand dagegen ist, zeigt die Sabotage der Bürgenstock-Konferenz. Eine Analyse.
21.06.2026

Wettbewerb

LMC Gala-Abende 2026 - 2x2 Tickets zu gewinnen
LMC Gala-Abende 2026
vor 20 Stunden

Umfrage der Woche

Soll Liechtenstein mehr gegen die Folgen von Hitze unternehmen?
­
­