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Die Empörung in Europa über Musk ist scheinheilig

Der Eingriff des US-Milliardärs in den Ukrainekrieg sorgt für Fassungslosigkeit. Doch die Europäer sollten sich an die eigene Nase fassen.
Bestimmt mit Starlink über das Schicksal der Ukraine mit: US-Milliardär Elon Musk. (Bild: Julia Demaree Nikhinson)

Elon Musk hat den Zugang der ukrainischen Armee zu Starlink eingeschränkt und damit Drohneneinsätze gegen Russland behindert. Nach einem Anruf Donald Trumps soll er die Bremse wieder gelöst haben. Kiew widerspricht: Die Beschränkung gelte weiterhin.

Dass ein einzelner Milliardär derart über den Kriegsverlauf mitbestimmen kann, ist ein Skandal. Entsprechend gross ist die Empörung in Europa. Dabei haben die Europäer selbst kräftig zu dieser Abhängigkeit beigetragen.

An Geld und technischem Know-how fehlt es freilich nicht. Mit Galileo hat die EU ein eigenes Satellitennavigationssystem gebaut. Eine gleichwertige Alternative zu Starlink fehlt jedoch. Brüssel hat sein Satellitennetz IRIS² im Februar 2022 angekündigt, im Monat des russischen Überfalls. Erste Dienste waren für Ende 2024 vorgesehen. Nun sollen die ersten Satelliten 2029 starten: einige hundert, gegenüber Tausenden bei Starlink. Bis auf Weiteres bleibt Europa also abhängig von US-Diensten.

Das kommt einem bekannt vor. Jahrzehntelang bezog Europa billiges Erdgas aus Russland und schlug Warnungen vor der Abhängigkeit in den Wind. Dann kam Putins Angriff auf die Ukraine. Bei den Waffenlieferungen wiederholt sich das Muster. Die Europäer beklagen jede Verzögerung aus Washington, nachdem sie ihre eigenen Armeen jahrzehntelang kaputtgespart haben. Für ihre Sicherheit soll gefälligst Amerika sorgen.

Beim Erdgas verliess man sich auf einen Gegner, beim Überlebenskampf der Ukrainer auf die Launen eines wankelmütigen Verbündeten. Zwar rüsten die Europäer inzwischen auf und planen eigene Satelliten. Doch alles geht quälend langsam und nicht mit der Ernsthaftigkeit voran, die nötig wäre. Wo bleibt die grosse europäische Kraftanstrengung, die Ukraine militärisch so auszurüsten, dass sie nicht länger von Entscheidungen in Washington oder den Launen Elon Musks abhängig ist?

Mehr als vier Jahre Krieg in der Ukraine und insgesamt sechs Jahre Trump im Weissen Haus haben offenbar nicht gereicht, um den Europäern den Ernst der Lage klarzumachen.

 
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