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Russland trauert um Opfer des Grossbrandes

Die Region Kemerowo in Sibirien trägt Trauer und gedenkt der Toten des Grossbrandes in einem Einkaufszentrum. Die meisten der 64 Toten sind Kinder.
Ganz Russland trauert um die Opfer der Brandkatastrophe in einem Einkaufszentrum.
Ganz Russland trauert um die Opfer der Brandkatastrophe in einem Einkaufszentrum. (Bild: KEYSTONE/AP/SERGEI GAVRILENKO)

Auf Anordnung von Gouverneur Aman Tulejew gilt in der sibirischen Region im Kusbass ab Dienstag dreitägige Trauer - zum Gedenken an die Todesopfer des Grossbrandes in einem Einkaufszentrum vom Sonntag. Auch die Hafenstadt Wladiwostok im Fernen Osten Russlands verkündete aus Solidarität mit den Opfern eine dreitägige Trauer.

Am Morgen erschien überraschend Präsident Wladimir Putin in Kemerowo und legte einen Blumenstrauss an einer Mauer des Einkaufszentrums nieder. Dort hatten zuvor Bewohner der Stadt Blumen, Kerzen und Spielsachen abgelegt, ebenso wie Fotos der Opfer.

Präsident Putin übte gleichzeitig scharfe Kritik an Schutz- und Sicherheitsmassnahmen. "Was sich hier bei uns ereignet, sind keine Kampfhandlungen, keine plötzlichen Methangasexplosionen in einem Schacht", wurde Putin von den russischen Medien zitiert.

"Menschen kamen hierher (ins Einkaufszentrum), um zu entspannen; Kinder. Wir reden über Demografie und verlieren so viele Menschen, und weshalb? Aus verbrecherischer Nachlässigkeit und Schlamperei", sagte Putin unter Hinweis auf die möglichen Ursachen der Katastrophe.

Verletzte noch in Spital

Bei der Katastrophe starben insgesamt 64 Menschen, unter ihnen möglicherweise rund 40 Kinder, wie die Agentur Interfax unter Berufung auf informierte Quellen berichtete. Am Montag wurden noch 15 Verletzte im Spital stationär behandelt, unter ihnen ein Elfjähriger, dessen Gesundheitszustand als "schwierig" beschrieben wurde.

Viele der Opfer waren Kinder, die nach Angaben von Zivilschutzleiter Wladimir Putschkow zunächst nicht identifiziert werden konnten. Eine Schulklasse aus der Provinz war zum Zeitpunkt des Brandes dort in einem Kino.

Das Feuer war am frühen Sonntagabend im vierten Stock des Einkaufszentrums ausgebrochen. Es erfasste innerhalb kurzer Zeit eine Fläche von rund 1600 Quadratmetern. Das Shopping-Center "Simnjaja Wischnja", das wegen seines Kinos und des Tiergeheges besonders bei Familien beliebt ist, war 2013 in der Industriestadt rund 3000 Kilometer östlich von Moskau eröffnet worden.

Überlebende berichteten von dramatischen Szenen: Ein Elfjähriger sei auf der Flucht vor den Flammen aus einem Fenster im vierten Stock gesprungen. Seine Eltern und die jüngeren Geschwister überlebten das Feuer nicht. Angehörige hätten selbst nach ihren Kindern gesucht und hilflos zusehen müssen, wie diese starben.

Hilfloses Durcheinander

Bei der Suche nach der Brandursache kursierten Berichte über mangelhaften Brandschutz. Die Ermittler bestätigten, dass ein Wachmann den Alarm ausschaltete, nachdem er ein Signal über das Feuer im Gebäude erhalten hatte. Warum er das tat, war nicht bekannt. Zudem sollen die Eingangstüren des Kinos verschlossen gewesen sein. Mitarbeiter des Einkaufszentrums hätten kaum Massnahmen zur Rettung ergriffen und die Notausgänge blockiert. Als die Türen aufgingen, seien die Korridore bereits voller Rauch gewesen.

Die genaue Brandursache war zunächst unbekannt. Nach ersten Untersuchungen könnte ein defektes Kabel den Brand ausgelöst haben. Die Ermittler folgten jedoch auch einem Hinweis, wonach einige Teenager mit einem Feuerzeug gespielt und Sitzmöbel in Brand gesteckt haben sollen. Die Ermittler riefen am Dienstag Eltern auf, ihre Kinder zu fragen, ob sie in den Spielecken des Zentrums Ungewöhnliches bemerkt hätten.

Immer wieder kommt es in Russland zu verheerenden Bränden, bei denen Dutzende Menschen wegen mangelnder Sicherheitsbestimmungen ums Leben kamen. Zu Jahresbeginn starben mehr als ein Dutzend Gastarbeiter in einer Schuhfabrik in Nowosibirsk. Vielen Russen ist auch die Tragödie von Perm aus dem Jahr 2009 noch in Erinnerung: Nach einer missglückten Feuershow in einem Nachtclub starben mehr als 150 Menschen - die meisten waren erstickt oder zu Tode getrampelt worden. (sda/dpa)

 
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