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Die neue Terrorwaffe in Putins Arsenal: Kamikazedrohnen mit Jet-Antrieb greifen zivile Ziele an

Die langsamen und lauten Schahed-Drohnen alter Bauweise dienen vor allem dazu, die ukrainische Luftabwehr zu überlasten. Mit den neuen «Jet-Drohnen» steht Kiew vor einer ganz anderen Herausforderung.
Die Kamikazedrohne Geran-4 mit Düsenantrieb hat gegenüber den alten Ausführungen an Geschwindigkeit und Gefährlichkeit zugelegt. (Bild: zvg)
Die Trümmer eines Geran-3-Düsenantriebs nach einem Einschlag in Charkiw im vergangenen April. (Bild: Global Images Ukraine/Getty)

Der Lokführer und sein Assistent hatten keine Chance: Am frühen Donnerstag zerstörte eine russische Schahed-Drohne die Lokomotive eines Personenzugs in der Gegend von Odessa. Zielgenau wurde der Führerstand getroffen, die beiden Bahnangestellten starben beim Einschlag.

«Die Lokomotivbesatzung hatte nicht genug Zeit, vollständig anzuhalten und sich selbst zu retten», schrieb der ukrainische Bahn-CEO Oleksandr Pertsowski in den sozialen Medien. Präsident Wolodimir Selenski verurteilte den Angriff auf ein «vollständig ziviles Ziel» als Terrorakt, der von den Drohnenpiloten bestimmt mit Absicht durchgeführt worden sei.

Das Besondere an diesem Angriff war, dass er mit einer strahlengetriebenen Drohne durchgeführt wurde. Das verstärkt nur den Eindruck, den Militärexperten in der Ukraine schon seit Monaten beobachten. Anstelle der langsamen, einen mopedähnlichen Krach veranstaltenden Schaheds mit Propellerantrieb setzt Russland immer mehr Kamikazedrohnen mit Düsenantrieb ein.

Bei einem alten Schahed-Modell wäre den beiden Lokführern vermutlich noch Zeit geblieben, sich in Sicherheit zu bringen. Bei den bis zu 500 km/h schnellen Geran 3 oder 4, wie die russische Bezeichnung für die modernisierten Schaheds lautet, war das nicht mehr möglich. Die rund vierfache Geschwindigkeit im Vergleich zu den Propellerantrieben stellt auch die ukrainische Luftabwehr vor enorme Probleme – was natürlich die volle Absicht dieser Weiterentwicklung war.

Der französische Analyst Clément Molin verzeichnete einen markanten Rückgang von Angriffen mit konventionellen Schahed-Drohnen im Juli. Dies führt er darauf zurück, dass in Russland die Umstellung auf die Massenherstellung der Düsenversion in vollem Gange sei. Dabei geht die technische Entwicklung – bezeichnend für diesen Abnutzungskrieg – rasend schnell voran.

Die Trümmer eines Geran-3-Düsenantriebs nach einem Einschlag in Charkiw im vergangenen April. (Bild: Global Images Ukraine/Getty)

Wie das unabhängige Fachportal «Militarnyi» schreibt, hat Russland die Herstellung der als instabil geltenden Düsenversion Geran 3 schon wieder gestoppt und die Produktionslinien in Jelabuga in Tatarstan auf die Weiterentwicklungen Geran 4 und Geran 5 umgestellt.

Diese sind noch schneller, haben eine grössere Reichweite und können eine schwerere Sprengladung tragen. Zudem können sie, was sie besonders gefährlich macht, mit «Seeker»-Suchköpfen zur eigenständigen Erkennung im Zielanflug ausgerüstet werden. Dafür kosten sie statt der rund 25'000 Dollar für die alten Schaheds mindestens das Vierfache.

Bald schon die Hälfte aller Drohnenangriffe

Während Geran 4 vom Aussehen her noch dem ursprünglichen Schahed-Entwurf aus dem Iran ähnelt, ist Geran 5 eine komplette Neuentwicklung, die eher einem Marschflugkörper gleicht und auch von Kampfjets in der Luft gestartet werden kann.

Unter Berufung auf Geheimdienstquellen soll die monatliche Produktionsrate der Typen Geran 4/5 bereits 3000 Stück betragen, schreibt «Militarnyi»; wobei Satellitenaufnahmen der «Sonderwirtschaftszone» Jelabuga umfangreiche Bauarbeiten zeigen, die auf bald noch grössere Herstellungskapazitäten schliessen lassen.

Schon im Juni warnte der inzwischen abgesetzte Oberkommandierende Oleksandr Sirski, dass die düsengetriebenen Geran-Versionen bald 50 Prozent aller russischen Drohnenangriffe ausmachen könnten. Problematisch ist das insbesondere für die Flugabwehr. Wie wenig Reaktionszeit für einen Abschluss bleibt, zeigt eindrücklich das Video eines früheren Angriffs auf einen ukrainischen Passagierzug in diesem Juli.

Ende Juli bezeichnete Selenski die Neuentwicklung von Abwehrmassnahmen gegen die russischen «Jet-Drohnen» als eine der vordringlichsten Aufgaben für die Landesverteidigung. Im Juni stellte der ukrainische Hersteller Skyfall eine neue «Jet-Killer»-Drohne vor. Wild Hornets, der Konzern hinter der bewährten Sting-Abfangdrohne, reklamiert schon «Dutzende» von Geran-3/4-Abschüssen für sich.

Auch werden elektronische Abwehrmassnahmen und Störsender getestet. Am effektivsten zur Abwehr scheinen bisher aber Kampfjets der Typen F-16, MiG-29 und Mirage 2000-5 zu sein, die jedoch der ukrainischen Luftwaffe nur in begrenzter Anzahl zur Verfügung stehen.

 
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