Premier Keir Starmer räumt das Feld – so uneinsichtig war seine Abschiedsrede
Keir Starmers Rücktrittsrede am Montag ähnelte in vieler Hinsicht seiner Amtszeit. Er sei stets unentschlossen, weiche Entscheidungen aus und verweigere damit die wichtigste Aufgabe eines Regierungschefs: So kritisierten Insider des britischen Polit-Establishments seit Monaten ihren Premierminister.
Nach der schlimmsten Wahlschlappe seiner Labour Party, bei der Tausende von Mandatsträgern ihre Ämter verloren, hätte der Parteichef schon Anfang Mai die Konsequenz ziehen können – und zwar mit Verweis auf das britische Wahlvolk. Die Menschen im Land hatten längst aufgehört, ihrem Premierminister auch nur zuzuhören. Das sagten Angehörige der Unterhausfraktion öffentlich, so spiegelten es die Fokusgruppen der Meinungsforscher wider.
Statt aber würdig seinen Abschied zu nehmen, klammerte sich Starmer an die Macht und liess scheinbar unbeirrt die Kritik seines zurückgetretenen Gesundheitsministers («ein Vakuum, keine Vision») sowie seines demissionierten Verteidigungschefs («gefährdet die Sicherheit des Landes») abtropfen. Noch am vergangenen Freitag beteuerte er, er werde einer parteiinternen Herausforderung begegnen und um sein Amt kämpfen.
Seine Ehefrau bewirkte ein Umdenken
Gab es denn niemanden in der Downing Street, der dem Premier von dieser Albernheit hätte abraten können?

Scheinbar nicht. Erst über das Wochenende bewirkte offenbar seine Frau Victoria, Starmers engste Beraterin, ein Umdenken. Selbst am Montag dauerte es jedoch noch lange, bis endlich das Podium auf die Downing Street gestellt wurde. Starmer brauchte nicht viel mehr als sechs Minuten, um zu sagen, was längst hätte gesagt werden müssen: Seine Zeit ist um. Mitte Juli, spätestens Anfang September ist die Ära Starmer Vergangenheit.
Ganz am Schluss seiner Abschiedsrede, als es um seine «fantastische» Frau und die beiden halbwüchsigen Kinder ging – «sie sind mein Stolz und meine Freude» –, wurde der stets kühl, ja ein wenig roboterhaft auftretende 63-Jährige emotional, da brach ihm beinahe die Stimme. Da wurde für einen Moment der Mensch hinter der Fassade des unbeirrten Technokraten sichtbar.
Inhaltlich demonstrierte die Rede aber, warum Starmer nie mit den Briten eine Verbindung aufbauen konnte. Er wandte sich nicht über die Köpfe seiner Partei hinweg an die Nation, wie es erfolgreichere Vorgängerinnen wie Maggie Thatcher oder Tony Blair gemacht hatten.
Vielmehr sprach der Scheidende direkt seine Partei an und machte deutlich, warum er sich ungerecht behandelt fühlt. Die Aufzählung angeblicher Erfolge enthielt kein einziges Eingeständnis jener selbst verschuldeten Probleme, mit denen die Labour-Regierung den Briten das Leben schwer gemacht hat.
Er akzeptiere die Ablehnung seiner Parlamentsfraktion bereitwillig, «with good grace», behauptete Starmer. Dabei war es nicht seine Partei, die ihn aus dem Amt jagte, sondern die britischen Wählerinnen und Wähler, die bei jeder Gelegenheit den «Starmer raus»-Kandidaten ihre Stimme gaben. Ganz gleichgültig, ob es sich dabei um Kandidaten der Oppositionsparteien handelte oder, wie im Fall der Nachwahl von vergangener Woche, um den Labour-Rivalen Andy Burnham.
Keir Starmer ist an seinem eigenen Unvermögen gescheitert, nicht an seiner Partei. Das Königreich hat seit der Brexit-Entscheidung vor zehn Jahren viele Männer und Frauen an die Macht kommen und bald wieder gehen sehen. Wenig spricht dafür, dass dieser ungute Trend bald abreisst.
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