Ratko Mladic ist tot: Ein Kriegsvebrecher, der Angst und Schrecken verbreitete
Ratko Mladic ist tot. Der frühere Oberbefehlshaber der bosnisch-serbischen Armee starb nach Angaben serbischer und bosnisch-serbischer Medien in einem Gefängnisspital in Den Haag. Ein Familienmitglied bestätigte zuerst den Tod gegenüber der Nachrichtenagentur AP, ein hochrangiger UNO-Vertreter anschliessend gegenüber der DPA.
Gemäss Agenturberichten befand sich Mladics Sohn Darko Mladic am Donnerstag auf dem Weg in die niederländische Stadt. Mladic wurde je nach Quelle 83 oder 84 Jahre alt, da er über sein Geburtsjahr zeitlebens unterschiedliche Angaben machte.
Unbestritten ist dagegen, dass sein Name wie kaum ein anderer für die Gräuel des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995 steht. Noch in lebhafter Erinnerung sind die Filmaufnahmen, wie er der verängstigten Bevölkerung von Srebrenica mit grossen Gesten versichert, ihnen würde nach der Einnahme durch serbische Truppen nichts geschehen. Es war nicht die einzige, aber wohl die abscheulichste Lüge seines Lebens.
Als militärischer Befehlshaber der bosnischen Serben war Mladic eine Schlüsselfigur bei der gewaltsamen Vertreibung von Bosniaken und Kroaten aus serbisch beanspruchten Gebieten. Die BBC-Reporterlegende John Simpson nannte ihn am Donnerstag einen der wenigen Menschen, die ihm bei persönlichen Treffen «wirklich Angst gemacht» hätten.
Unter seinem Kommando wurde auch die Hauptstadt Sarajewo jahrelang mit Artillerie beschossen und von Scharfschützen terrorisiert. Tausende Zivilisten kamen während der Belagerung ums Leben. Die Bilder der damaligen Massaker, etwa im Februar 1994 auf dem Markale-Markt nach einem Mörsereinschlag, gleichen den heutigen in der Ukraine in fataler Weise.
Srebrenica als Symbol der menschlichen Abgründe
Zum Symbol seiner Verbrechen wurde aber Srebrenica. Im Juli 1995 nahmen bosnisch-serbische Truppen die von der UNO zur Schutzzone erklärte, dann aber preisgegebene Stadt ein. In den folgenden Tagen wurden mehr als 8000 bosniakische Männer und Knaben von Erschiessungskommandos kaltblütig exekutiert. Internationale Gerichte stuften das Massaker als Völkermord ein. Mladic wurde für seine führende Rolle dabei rechtskräftig verurteilt.
Geboren wurde Mladic 1942 oder 1943 im damaligen Jugoslawien. Er machte Karriere in der Jugoslawischen Volksarmee und stieg nach dem Zerfall des Vielvölkerstaates zum militärischen Führer der bosnischen Serben auf. Während des Krieges arbeitete er eng mit deren politischem Führer Radovan Karadzic zusammen.
Mladic inszenierte sich als Beschützer der Serben – und wurde für viele von ihnen auch nach dem Krieg zur Identifikationsfigur. Für die Opfer und ihre Angehörigen blieb er dagegen das Gesicht einer Politik der Vertreibung und Vernichtung.

Bereits 1995 erhob das UNO-Kriegsverbrechertribunal Anklage gegen ihn. 2002 legte die Schweizer Chefanklägerin Carla Del Ponte in Den Haag eine überarbeitete Anklageschrift mit 15 Anklagepunkten vor. Doch Mladic entzog sich der Justiz während fast 16 Jahren; wohl auch wegen Lecks und Sympathisanten im serbischen Polizeiapparat.
Erst im Mai 2011 wurde er in einem Dorf in Serbien festgenommen und nach Den Haag überstellt. 2017 verurteilte ihn das Tribunal wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft. Das Berufungsgericht bestätigte das Urteil 2021.
Zuletzt war Mladic schwer krank und erlitt gemäss eigenen Angaben in diesem Frühjahr einen Schlaganfall. Noch im Mai lehnte der UNO-Gerichtsmechanismus eine vorzeitige Freilassung aus humanitären Gründen ab. Nach Angaben des Gerichts erhielt er in der Haft umfassende medizinische und palliative Betreuung.
Mladic starb als rechtskräftig verurteilter Kriegsverbrecher. Sein Tod beendet ein Leben, das untrennbar mit den schlimmsten Verbrechen des Bosnienkriegs verbunden bleibt – obschon es serbische Kreise gibt, die ihn heute noch als Kriegsheld und Befreier bewundern.
Der ehemalige Präsident Boris Tadic hingegen erkannte, wie derlei Heldenverehrung Serbiens Ruf und Integration in Europa nachhaltig sabotierte. Vergeblich forderte er ihn 2010 auf, sich den internationalen Strafverfolgungsbehörden freiwillig zu stellen.
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