«Die Schlacht um Frankreich beginnt»: Jetzt soll Glucksmann die Linke retten
Raphaël Glucksmann hat die Primärwahl der französischen Sozialisten mit einem klaren Resultat von 66,2 Prozent der Stimmen gewonnen. Da er mehr als die Hälfte der Stimmen erhielt, wird die Durchführung einer Stichwahl hinfällig.
Parteichef Olivier Faure landete mit 14,5 Prozent der Stimmen weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz. Die ehemalige Präsidentschaftskandidatin und Ministerin Ségolène Royal blieb mit 7,6 Prozent noch weiter zurück. Zwei weitere Kandidaten kamen auf weniger als 6 Prozent.
Der Sieg Glucksmanns ist umso auffälliger, als er nicht Mitglied der Parti Socialiste ist, sondern die kleine Bewegung Place Publique anführt. Der 36-jährige Sohn des Philosophen André Glucksmann hatte mit einem betont proeuropäischen und proukrainischen Programm den internen Wahlkampf bestritten. Als einer der einzigen Vorwahlkandidaten schloss er von Beginn an jedes Zusammengehen, ja selbst eine Kooperation mit dem linkspopulistischen Kandidaten Jean-Luc Mélenchon aus.
Nach dem Scheitern einer Linksfront vor zwei Jahren – damals hatte Glucksmann Mélenchon «Hegemoniestreben» vorgeworfen –, sagte er kürzlich in aller Deutlichkeit, er werde «nie wieder» ein Abkommen mit Mélenchon oder dessen Partei «Unbeugsames Frankreich» (LFI) eingehen. PS-Parteichef Faure hatte dagegen für eine Allianz mit Mélenchon geworben. An die Adresse Mélenchons sagte Glucksmann nun: «Die Schlacht um Frankreich beginnt.»
François Hollande in Bedrängnis
Die Frontstellung auf der Linken ist damit klar: Mélenchon, der EU- und -Ukraine-Kritiker, der betont linke Wahlversprechen vertritt, wird sich mit dem viel moderateren Glucksmann messen. Einer der beiden könnte im Mai 2027 in die präsidiale Stichwahl vordringen und dort gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen antreten.
Glucksmann hätte laut Umfragen grössere Chancen, Le Pen zu schlagen. Mélenchon dominiert aber momentan die politische Debatte auf der linken Seite klar.
Eine wichtige Rolle dürften dabei nicht zuletzt die Grünen spielen. Ihre Kandidatin Marine Tondelier könnte zugunsten von Mélenchon verzichten, dem sie politisch zuneigt. Der frühere grüne Spitzenkandidat Yannick Jadot, ein «Realo», hat dagegen zur Wahl von Glucksmann aufgerufen – und ist umgehend von seinen Parteiämtern suspendiert worden.

Der klare Sieg Glucksmanns macht es auch für den ehemaligen sozialistischen Präsidenten François Hollande schwer. Er beteiligte sich nicht an der Primärwahl seiner Partei. Warum er den politisch ähnlich gelagerten Glucksmann nun mit einer eigenen Kandidatur herausfordern und damit arithmetisch schwächen soll, muss er seinen Parteifreunden erst noch klar machen.
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