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Mysteriöser Tod im Pestlabor: Warum in Sibirien plötzlich Putins Geheimdienst auftaucht

Offiziell starb eine 28-jährige Laborantin an einer Lungenentzündung. Doch Berichte über einen Laborunfall, Quarantänemassnahmen und Hamsterkäufe sorgen für Unruhe.
von Ivan Ruslyannikov
Reagenzglass zerbrochen? Offizielle Archivaufnahme von 2019 aus dem Irkustker Institut für Seuchenbekämpfung. (Bild: AP)
Die 28-jährige Laborantin Daria Schipilowa starb unter rätselhaften Umständen. (Bild: Vild: VK)

In Russland ist eine Mitarbeiterin eines sibirischen Instituts vermutlich an der Pest gestorben. Angehörige und Kollegen wurden daraufhin unter Aufsicht des FSB unter Quarantäne gestellt. Das Weisse Haus in Washington erklärte, es verfolge die Berichte über einen möglichen Pestausbruch und «prüfe mögliche Massnahmen».

Der Kreml ruft dagegen dazu auf, ausschliesslich den offiziellen Informationen zu vertrauen. Demnach starb die Laborantin an einer Lungenentzündung.

In der Nacht auf den 2. Oktober starb in der sibirischen Stadt Schelechow, einem Vorort von Irkutsk, die 28-jährige Laborantin Daria Schipilowa vom örtlichen Institut für Pestbekämpfung unter ungeklärten Umständen. Sie forschte über die Empfindlichkeit des Pesterregers Yersinia pestis gegenüber antibakteriellen Wirkstoffen.

Die 28-jährige Laborantin Daria Schipilowa starb unter rätselhaften Umständen. (Bild: Vild: VK)

Journalisten der Zeitung «Menschen vom Baikalsee» fanden heraus, dass Schipilowa eine Woche vor ihrem Tod versehentlich ein Reagenzglas mit dem Erreger der Lungenpest zerbrochen hatte. Danach soll es ihr zunehmend schlechter gegangen sein.

Der Telegram-Kanal «Mash» berichtete zudem, die Laborantin habe sich in der Region Burjatien an der Grenze zur Mongolei aufgehalten, wo ein von Erdhörnchen übertragener Pestherd eingedämmt worden sei. Der Gouverneur von Burjatien, Alexej Tsydenow, widersprach jedoch und erklärte, in der Region gebe es keinerlei Pestherde.

Zweifel an der offiziellen Darstellung

Die russischen Behörden gaben bekannt, Schipilowa sei an einer Lungenentzündung gestorben. An ihrem Leichnam seien keine Mikroorganismen gefunden worden, mit denen sie sich bei ihrer Arbeit hätte anstecken können. Doch in der rund 40’000 Einwohner zählenden Stadt Schelechow kam es zu Vorgängen, die Zweifel an der offiziellen Darstellung nähren.

In Kindergärten wurden Masken und Handschuhe verteilt, im örtlichen Aluminiumwerk wurde eine Maskenpflicht eingeführt. In den Apotheken waren Antibiotika ausverkauft, die Bevölkerung deckte sich mit Masken und Desinfektionsmitteln ein.

Ausserdem wurden rund 200 Personen unter Quarantäne gestellt, die Kontakt mit der verstorbenen Laborantin gehabt hatten. Sie wurden in Begleitung von Mitarbeitern des FSB ins Krankenhaus gebracht.

Auch Washington wurde aufmerksam. Man sei über den mutmasslichen Pestausbruch in der Region Irkutsk informiert, erklärte ein Sprecher des Weissen Hauses gegenüber dem Nachrichtenportal «Axios». US-Präsident Donald Trump äusserte sich gegenüber Journalisten ähnlich.

Putins Pressesprecher Dmitri Peskow forderte die Russen hingegen auf, sich «ausschliesslich auf offizielle Informationen zu stützen und verschiedenen Gerüchten nicht zu glauben».

Der in den USA lebende russische Epidemiologe Michail Faworow hält eine Ansteckung im Labor für möglich. In einem Interview mit dem Radiosender «Echo» wies er darauf hin, dass Mitarbeiter des Instituts Schutzanzüge trügen und eine Infektion durch ein zerbrochenes Reagenzglas deshalb wenig wahrscheinlich sei.

Dennoch sagte er: «Ich glaube, es handelte sich tatsächlich um eine berufsbedingte Ansteckung; sie hat sich während der Arbeit infiziert, nachdem ihr ein technischer Fehler unterlaufen war.» Möglicherweise hätten Ärzte die Pest nicht erkannt und stattdessen Covid diagnostiziert.

Immer wieder bricht die Pest in Russland aus

Der letzte registrierte Fall einer Pestinfektion bei einem Menschen in Russland stammt aus dem Jahr 2016. Damals erkrankte in der Region Altai ein zehnjähriger Junge, nachdem er beim Zerlegen eines Murmeltierkadavers geholfen hatte. Dank rechtzeitiger Behandlung überlebte er.

Dass die Pest in der Region seit Jahrtausenden vorkommt, zeigen jüngste Forschungen der Universität Irkutsk. Wissenschaftler fanden in den Zähnen von Jägern, die vor rund 5500 Jahren unweit des Baikalsees starben, DNA des Pestbakteriums. Pestherde in Zentral- und Nordostasien stehen häufig mit Murmeltieren und anderen Nagetieren in Verbindung.

Bemerkenswert ist auch Wladimir Putins Verhältnis zu gefährlichen Infektionskrankheiten. Im März 2022 behauptete er, «in der Ukraine Dutzende von Labors tätig waren, in denen unter der Leitung und mit finanzieller Unterstützung des Pentagons militärbiologische Programme durchgeführt wurden».

Dass Putin ausgerechnet den Bedenken des Weissen Hauses wegen des Vorfalls in Sibirien Vertrauen schenkt, ist daher kaum zu erwarten. Stattdessen scheint der Kreml auf ein bewährtes Vorgehen zu setzen: möglichst wenige Informationen nach aussen dringen lassen, die Sicherheitskräfte einschalten – und den Eindruck vermitteln, als sei nichts Aussergewöhnliches geschehen.

Artikel: http://www.vaterland.li/international/pestlabor-in-sibirien-geheimdienst-und-quarantaene-art-764850

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