Papst Leo XIV. hat Krebs – und bricht mit einem jahrhundertealten Tabu
Die Operation von Leo XIV. hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Nicht nur wegen der Erkrankung des Papstes als solcher, sondern weil der US-Amerikaner Robert Francis Prevost der erste Papst der Neuzeit überhaupt ist, der sein Gesundheitsproblem offen und persönlich vor Tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz kommuniziert hat.
«Kürzlich haben die Ärzte einen begrenzten Knoten in meiner Lunge festgestellt. Er wurde in einem sehr frühen Stadium entdeckt und ist gut lokalisiert», erklärte der Papst am Sonntag vor Tausenden von Gläubigen auf dem Petersplatz. Die Mediziner seien der Meinung, dass der Knoten entfernt werden sollte, und er werde diesem Rat folgen und sich operieren lassen.
Es war das erste Mal überhaupt, dass ein Papst persönlich und als Erster über seine Krankheit informierte. Vatikanspezialisten sehen darin nicht nur einen neuen päpstlichen Stil, sondern einen tiefgreifenden Kulturwandel.
Keine Verharmlosung
Im offiziellen medizinischen Bulletin schrieben die Ärzte nach der Operation: «Beim Heiligen Vater wurde wie geplant ein lungenchirurgischer Eingriff vorgenommen. Um diesen radikal zu gestalten, wurde der untere Lungenlappen entfernt.» Die histologische Schnelluntersuchung während der Operation habe die Diagnose eines Lungenadenokarzinoms bestätigt.
Bisher herrschte im Vatikan, wenn es um die Gesundheit der Päpste ging, jahrhundertelang eine Kultur der Geheimniskrämerei, die regelmässig Spekulationen Vorschub leistete. Wenn ein Papst ins Krankenhaus musste, erfuhr das Publikum normalerweise erst nach seiner Einlieferung davon – und wurde in der Regel mit nichtssagenden und verharmlosenden medizinischen Diagnosen abgespeist. Bei Papst Leo XIV. ist das anders.
Die Transparenz bezüglich seiner eigenen Gesundheit sei ein Beleg dafür, dass Leo XIV. eine klare Strategie besitze, um einige alte Zöpfe in der Kurie abzuschneiden, sagt Vatikankenner und Ex-Diplomat Massimo Franco im «Corriere della Sera». Leo habe keine Angst davor, sich «in seiner ganzen Fragilität zu zeigen». Dadurch werde eine vorübergehende Schwäche zu nur noch grösserer Stärke, findet Franco.
Keine Komplikationen bei der Operation
Kurz nach der Operation herrschte noch die Hoffnung, dass es sich beim Knoten, der aus der Lunge des Papstes entfernt wurde, um eine harmlose Wucherung handeln könnte. Die Krebsdiagnose kommt aber nicht ganz überraschend. Wegen der vor der Operation durchgeführten Untersuchungen wurde sie bereits vermutet.
Insgesamt habe sich der Papst während drei Stunden im Operationssaal aufgehalten. Die Operation dauerte 90 Minuten. Der Eingriff sei erfolgreich gewesen und es seien keine Komplikationen aufgetreten, teilte das Ärzteteam weiter mit. Nach einer kurzen Beobachtungsphase sei der Papst in sein Zimmer verlegt worden. Dort hat er laut dem vatikanischen Pressesprecher Matteo Bruni Abendessen bestellt. Am Mittwochmorgen liess Bruni verlauten, dass der Papst «eine ruhige Nacht» verbracht habe.

Das Lungenadenokarzinom ist der am häufigsten diagnostizierte bösartige Lungentumor. Vieles hängt nun von den weiteren, spezifischeren Gewebeuntersuchungen des Tumors ab und vor allem auch davon, ob der Tumor bereits in die umliegenden Lymphknoten, die bei der Operation ebenfalls entfernt wurden, gestreut hat.
Kein Vize-Papst
Die Entfernung eines Lungenlappens dagegen wird im Allgemeinen gut vertragen und sollte dem sportlichen 71-jährigen Robert Francis Prevost keine Probleme bereiten. Weil Leo XIV. aber nach seiner Operation noch etwa eine Woche das Krankenhausbett hüten muss, hat der Vatikan schon am Dienstagmorgen alle Audienzen, Reisen und Verpflichtungen des Papstes bis zum 20. Oktober vorsorglich abgesagt.
Falls keine postoperativen Komplikationen auftreten und die Histologie des Tumors und der Lymphknoten Entwarnung gibt, sollte er danach seine Amtsgeschäfte wieder regulär ausüben können. Ob er mit der frisch operierten Lunge seine fast zweiwöchige Südamerika-Reise wird antreten können, die ihn zwischen dem 6. und 17. November nach Uruguay, Argentinien und schliesslich in seine Wahlheimat Peru führen soll, wird sich weisen müssen. Bisher hat der Vatikan die Reise nicht abgesagt.
Für seine Zeit in der Gemelli-Klinik hat der Papst im Übrigen keinen Stellvertreter, der für ihn die katholische Kirche mit ihren weltweit 1,4 Milliarden Gläubigen leitet. Das Kirchenrecht sieht prinzipiell keine «Vize-Päpste» oder andere provisorischen Lösungen vor. Leo XIV. wird die Kirche also bis zu seiner Entlassung aus dem Spital vom Krankenhausbett aus leiten.
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