Neuer Hausherr für Kater Larry – und der kündigt massive Veränderungen an
Andy Burnham ist neuer Premierminister Grossbritanniens. Er nahm am Montag in London offiziell einen Auftrag zur Regierungsbildung an, den ihm König Charles III. gab, wie der Buckingham-Palast mitteilte. Dieser veröffentlichte ein Foto, auf dem sich die beiden die Hand gaben.

In seiner ersten Rede als Regierungschef mahnte Burnham (56) vor seinem neuen Amtssitz 10 Downing Street, Politikerinnen und Politiker müssten «besser werden». Er versprach ein politisches System zu stoppen, das seit den 1980er Jahren immer wieder falsch abgebogen sei und sagte zu, etwas gegen Obdachlosigkeit auf den Strassen zu unternehmen.
Burnham wurde Nachfolger von Keir Starmer, den er bereits am Freitag als Chef der Mitte-links-Regierungspartei Labour ersetzt hatte. Starmer musste unter dem Druck seiner eigenen Partei zurücktreten. Burnham ist jetzt der siebte Premierminister Grossbritanniens seit 2016.
Der neue Premierminister brach mit einer Tradition, indem er bei seiner Ansprache auf ein Rednerpult verzichtete. Stattdessen sprach er vor zwei Mikrofonen vor der berühmten schwarzen Tür der Premierministerresidenz.
Starmer lobt eigene Arbeit
In einer kurzen Abschiedsrede hatte dort Starmer zuvor gesagt, seine Arbeit sei getan. Grossbritannien sei jetzt «stärker und gerechter als vor zwei Jahren», als er das Amt antrat.
Im parlamentarischen System Grossbritanniens können Regierungsparteien ihre Vorsitzenden austauschen, ohne dass dafür vorher Parlamentswahlen nötig sind. Die nächsten Wahlen dieser Art sind in Grossbritannien erst 2029 fällig. Burnham hat aber die Möglichkeit, einen früheren Wahltermin anzusetzen, wenn er das will.
Starmer hatte das Amt des Premierministers nach einem Erdrutschsieg bei Parlamentswahlen angetreten. Doch im Juni kündigte er seinen Rücktritt an, nachdem er zuvor in die Kritik geraten war. Unter anderem sorgte seine Ernennung des mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein befreundeten Peter Mandelson als Botschafter in den USA für einen Skandal. Das schadete seinem Ansehen in sowohl der Labour Party als auch der Öffentlichkeit.
Burnham war der einzige Kandidat für die Parteivorsitz-Nachfolge. Er sicherte sich die Unterstützung von 379 der 403 Labour-Abgeordneten im britischen Unterhaus.
Politik soll «weniger toxisch» werden
Burnham, der frühere Bürgermeister von Greater Manchester, will die Politik «weniger toxisch» machen und den Lebensstandard im Land verbessern. Zudem wolle er den Menschen wieder Hoffnung geben, sagte er. Wie genau Burnham seine Versprechen erfüllen sill, ist unklar. Er lobte die Errungenschaften von Starmer und kündigte an, dass er auf dessen Arbeit aufbauen werde.
«Grundsätzlich wird das nur funktionieren, wenn man ein erhebliches Wirtschaftswachstum generieren kann, weil es der Mangel an Wachstum ist, der das Land wirklich zurückhält», sagte der Gründer der Nachrichtenseite «The Mill», Joshi Herrmann.
Mit Spannung wird Burnhams Entscheidung erwartet, wer einen Posten im Kabinett bekommt. Es wurde damit gerechnet, dass er Änderungen an der bisherigen Besetzung vornimmt, vor allem was die Leitung der Ressorts für Finanzen, Auswärtige Angelegenheiten und Inneres angeht.
Schon wieder ein neues Gesicht für Larry
Schon wieder jemand Neues im Haus: Nach der Kür von Andy Burnham zum britischen Premierminister muss sich auch Kater Larry umgewöhnen. Der «oberste Mäusefänger des Vereinigten Königreichs» erlebte in seinem Katerleben in der 10 Downing Street schon sechs Premiers im offiziellen Amtssitz - Burnham ist nun der siebte Regierungschef, der einzieht.

«The Right Honourable Larry» war von dem früheren Premierminister David Cameron im Februar 2011 aus einem Tierheim ins Londoner Zentrum geholt worden – mit dem Ziel, die Rattenplage einzudämmen. Seitdem ist der Kater zu einer Touristenattraktion geworden. Larry wohnt inzwischen länger in der Downing Street als jeder Premier seit Ende des 19. Jahrhunderts.
Nach Camerons Rücktritt im Juli 2016 folgen Theresa May (bis Juli 2019), Boris Johnson (bis September 2022), Liz Truss (bis Oktober 2022), Rishi Sunak (bis Juli 2024) und Keir Starmer. (dpa)
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